Urteil nach Überfall auf Spielothek
26-Jähriger erpresst Geld – und entschuldigt sich

STeinfurt/Münster -

So einen Angeklagten wie den 26-jährigen Burgsteinfurter hat der Vorsitzende der 3. Strafkammer des Landgerichts selten vor sich. Beschuldigt wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung, waren seine bisherigen Kontakte mit der Justiz mehr als spärlich. „Das Vorstrafenregister ist blank“, stellte der Richter fest.

Freitag, 09.03.2018, 22:00 Uhr
 
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Und die Staatsanwältin musste anerkennen: „Eineinhalb, zwei Jahre kokainabhängig und nicht einmal ein Ladendiebstahl.“ So waren sich Richter, Anklagevertreter und Verteidigung einig: Das, was sich da am Abend des 6. Oktobers 2017 in der Burgsteinfurter Spielothek ereignet hat, ist ein minderschwerer Fall. Drei Jahre muss der gebürtige Münsteraner, der zur Tatzeit im Burgsteinfurter Y-Haus lebte (Richter: „Das Gebäude ist uns durchaus bekannt“), ins Gefängnis.

Wahrscheinlich wird er nach ein paar Monaten eine stationäre Drogentherapie beginnen können. Und bis zum Haftantritt darf der 26-Jährige zu Hause bei seinen Eltern in Laer wohnen. 375 Euro erbeutete der Angeklagte bei dem Überfall. Kommentar des Richters: „Relativ birnig, was Sie da gemacht haben. Rechnen Sie bei dem Strafrahmen von normalerweise fünf bis zehn Jahren mal aus, auf was für einen Stundenlohn sie da kommen.“ Das Geld war schnell wieder weg. Mit dem Taxi ging es nach Münster, am Bremer Platz kaufte der gelernte Anstreicher Kokain, das er sofort mit Freunden in Hamm durchzog, um sich dann von einer Freundin nach Lengerich zur Entgiftung bringen zu lassen.

Was vorher in der Spielothek passiert ist? Wie die 27-jährige damalige Aushilfe und der Angeklagte übereinstimmend erzählten, kam der junge Mann, leicht erkennbar an Jacke und Haarschnitt, in die Spielothek und fragte, ob die Frau hinterm Tresen 100 Euro wechseln könne. Es folgte ein längeres Kramen in seiner mitgebrachten schwarzen Sporttasche, um sein Portemonnaie zu suchen, wie er vorgab. Irgendwann hielt er plötzlich eine Art Küchenmesser in der Hand – mit Wellenschliff, bemerkte die Staatsanwältin – und forderte von der Bedienung die Scheine aus der Kasse.

Die hielt das Ganze erst für einen Scherz. „Das hätte ich ihm gar nicht zugetraut“, sagte sie im Zeugenstand. Er sei die ganze Zeit freundlich gewesen. Und als er die Scheine, das Kleingeld wollte er nicht haben, eingesteckt hatte, entschuldigte er sich noch bei seinem Opfer: „Ich brauche das Geld.“ Die Entschuldigung wiederholte der Angeklagte im Gerichtssaal. Auf die Frage der zweiten Richterin, ob die Zeugin die Entschuldigung annehmen könne, nickte die Borghorsterin: „Ja. Ich weiß nicht, wie weit man geht, wenn man süchtig ist.“

Arbeitslosengeld in Kokain angelegt, alles aufgeraucht und immer noch Drogendruck. Das war die Ausgangssituation, die den Burgsteinfurter am 6. Oktober in die Innenstadt trieb, um irgendwie Geld aufzutreiben. „Dann ist mir die Idee mit der Spielothek gekommen“, erzählte der 26-Jährige vor Gericht. Die Sucht sei allerdings nicht so stark gewesen, dass die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten eingeschränkt war, stellte der psychiatrische Gutachter fest.

Vor dem Hintergrund eines nicht sonderlich geglückten Start ins Leben, geprägt von Schulverweisen, Alkohol, Cannabis und Wohngruppen für schwer Erziehbare, fragte der Vorsitzende Richter, wie er sich denn sein zukünftiges Leben nach Haft und Therapie vorstelle. Antwort: „Ich möchte eine Familie gründen.“

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