Journalist Markus Decker in der Reihe „Mein Beruf – Meine Berufung“
Heimkehr mit Emotionen

Borghorst -

Mittags war er noch als Zeitungskorrespondent im Berliner Reichstag, verfolgte dort die Wahl Angela Merkels zur neuen Bundeskanzlerin.

Donnerstag, 15.03.2018, 23:00 Uhr
Pfarrer Heinrich Wernsmann (l.) dankte Markus Decker für seinen Besuch in der Vortragsreihe zum Stiftsjubiläum. Wie schon bei den vorherigen Veranstaltungen der Reihe war der Saal der Familienbildungsstätte wieder bis auf den letzten Platz gefüllt.
Pfarrer Heinrich Wernsmann (l.) dankte Markus Decker für seinen Besuch in der Vortragsreihe zum Stiftsjubiläum. Wie schon bei den vorherigen Veranstaltungen der Reihe war der Saal der Familienbildungsstätte wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Foto: Bernd Schäfer

Die begann geradezu traumhaft: „Es gibt kulinarisch kaum einen schöneren Ort zum Aufwachsen als in einer Bäckerei“, beschrieb er sein Elternhaus in der Emsdettener Straße. „Mittags stand da immer Schokopudding, im Lager gab es einen großen Behälter mit Rohmarzipan, in den man einfach reingreifen konnte.“

Allerdings zerbrach diese Idylle schon früh, als der Vater 1981 bei einem Unfall ums Leben kam. Da war Markus Decker gerade einmal 17 Jahre jung – dennoch sei er von seinem Vater, der in der Orts-CDU aktiv war, geprägt worden: „Wenn er nicht so ein politisches Interesse bei mir geweckt hätte, wäre ich nicht Journalist geworden.“

So aber wusste er schon seit seinem 17. Lebensjahr, was er später einmal machen will – und berichtet heute als Korrespondent in der Hauptstadtredaktion des DuMont-Verlags unter anderem in der Berliner Zeitung, der Frankfurter Rundschau und dem Kölner Stadtanzeiger über die Bundespolitik.

Seine ersten journalistischen Erfahrungen sammelte er jedoch direkt nach der Wende bei der Mitteldeutschen Zeitung in Bernburg, Wittenberg und Halle. Auch das eine prägende Zeit für ihn: Viele seiner Kollegen dort seien ehemalige SED-Mitglieder gewesen, die sich mit den neuen Umständen schwer taten. Gut für den Borghorster: „Ich hatte dort Chancen, die ich im Westen nie gehabt hätte.“

2001 kam das Angebot, als Korrespondent für das Mutterhaus nach Berlin zu gehen. „Das war für mich wie der Sprung von der Kreisliga in die Bundesliga.“ Zehn Jahre lang war er dort für die Berichterstattung über die CDU zuständig, erlebte dabei hautnah den Aufstieg von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin mit. „Man lernt dabei natürlich die Politiker sehr gut kennen“, sagt Decker – weist aber die These, dass die dadurch Einfluss auf Presseberichte nehmen könnten, zurück: „Es ist nicht so, dass man jeden Abend zusammen ein Bier trinken geht. Und schon gar nicht, dass man schreibt, was die wollen.“ Seit 2012 berichtet er vor allem über die Linkspartei und die Grünen. „Das bedeutet aber nicht, dass man denen nahe steht – diese Aufgaben werden in der Redaktion nicht nach Neigungen verteilt.“

Nach wie vor sei Journalismus für ihn der schönste Beruf – er wisse aber nicht, wie lange noch: „Es macht heute nicht mehr so viel Spaß, wenn man sich jeden tag mit dem Schmutz der AfD beschäftigen muss.“

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