Rückzieher von Remondis: Entsorger darf laut Vertrag keine Wertstoff-Tonnen ausleeren
Den Sack wird man schwer los

Steinfurt -

Das war wohl ein Griff in die Tonne – allerdings nicht in die gelbe. Am Mittwoch hat diese Zeitung die gute Nachricht verkündet, dass es der Entsorgungsfirma Remondis egal ist, ob sie Verpackungsabfälle in Gelben Säcken oder gelben Tonnen abholt. Das ist auch so – allerdings darf sie es gar nicht.

Donnerstag, 22.03.2018, 16:02 Uhr aktualisiert: 23.03.2018, 14:54 Uhr
In Lüdinghausen gibt es die Gelben Tonnen, ebenso wie in einigen Gemeinden des Kreises Steinfurt. In Everswinkel können die Bürger sogar selbst entscheiden, ob sie lieber die Tonne oder den Gelben Sack nutzen.
In Lüdinghausen gibt es die Gelben Tonnen, ebenso wie in einigen Gemeinden des Kreises Steinfurt. In Everswinkel können die Bürger sogar selbst entscheiden, ob sie lieber die Tonne oder den Gelben Sack nutzen. Foto: hbm

Der Teufel steckt wie so oft in den Paragrafen der Verträge.

„Wir dürfen aus versicherungstechnischen Gründen keine Tonnen leeren“, bedauert Remondis-Geschäftsführer Stefan Schäfer. Die Aussage seines Mitarbeiters war zwar pragmatisch richtig gedacht, allerdings schreibe der Vertrag der Stadt Steinfurt mit dem Auftraggeber, der Firma Redual, ganz klar eine „Sacksammlung“ vor. Und daran müsse sich der Entsorger halten.

Anders sieht das bei Gewerbebetrieben aus: Die dürfen eine gelbe Tonne nutzen – und die darf von Remondis auch ganz offiziell geleert werden.

Dabei sind die Tonnen durchaus schon hin und wieder im Stadtgebiet zu sehen. Allerdings hängt es da seit eh und je von der Freundlichkeit des Müllwagenfahrers ab, ob diese geleert werden oder nicht – ein en Anspruch darauf gibt es nicht.

Die Verträge zwischen den Gemeinden und der Firma Redual als Partner des Dualen Systems, das die Rücknahme von Verpackungsmüll organisiert, werden über die Entsorgungsgesellschaft des Kreises (EGSt) abgeschlossen und haben jeweils eine Laufzeit von drei Jahren – die jüngste Verlängerung war gerade erst zum 1. Januar 2018.

Und wer einmal den Sack hat, wird ihn nur schwer wieder los. Denn: Tonnen sind in der Bereitstellung teuer, Säcke sind billig. „Wo es einen Status quo gibt, ist es ganz schwierig, die Tonne einzuführen“, sagt Eva Witthake von der EGSt.

Einzige Chance sei ihrer Meinung nach, dass sich alle Gemeinden des Kreises für die Einführung der Tonne aussprächen.

Eine Neuregelung der Verpackungsverordnung, die zum 1. Januar 2019 in Kraft tritt, könnte die Verhandlungen mit den Vertretern des Dualen Systems jedoch erleichtern.

Einen Königsweg, der alle Bürger zufrieden stellt, gibt es aber wohl nicht. „Im Innenstadtbereich könnte es problematisch werden, noch eine weitere Tonne zu stellen“, meint etwa Kurt Enting, der in der Stadtverwaltung für die Abfallbeseitigung zuständig ist.

Ganz anders sieht das Holger Palstring aus der CDU-Ratsfraktion. In seinem Wohngebiet hätten sich schon einige eine gelbe Tonne angeschafft, die bislang auch problemlos geleert werde. „Die Gelben Säcke sind so unhandlich wie sonstwas“, findet das Ratsmitglied. „Ich persönlich würde mich sofort für die Einführung der gelben Tonne einsetzen.“

Das will auch Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer, die seit Jahren keinen Hehl aus ihrer tiefen Abneigung gegen die dünnen Plastiksäcke macht.

Ganz verbannen will sie die jedoch auch nicht: „Ich würde ein Mischsystem bevorzugen, bei dem jeder wählen kann, ob er eine Tonne oder die Säcke nutzen will.“

So ein System gebe es bereits in Everswinkel. Das Thema will sie gleich beim nächsten Treffen der Bürgermeister des Kreises ansprechen.

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