Schöffe am Landgericht Heinz Floer
Engagiert und urteilssicher

Burgsteinfurt -

Er hat kein Jura studiert, verfügt aber über einen gesunden Menschenverstand. Er lässt sich nicht durch komplexe Aktenlagen verwirren, sondern baut auf sein, durch lange Lebenserfahrung gewonnenes Urteilsvermögen: Heinz Floer ist seit 2009 ehrenamtlicher Richter, oder, wie es im Amtsdeutsch heißt, Schöffe.

Donnerstag, 29.03.2018, 22:00 Uhr
Verantwortungsvolle Aufgabe: Heinz Floer bereitet sich auf jeden Prozess am Landgericht gewissenhaft vor.
Verantwortungsvolle Aufgabe: Heinz Floer bereitet sich auf jeden Prozess am Landgericht gewissenhaft vor. Foto: rs/dpa

Er hat kein Jura studiert, verfügt aber über einen gesunden Menschenverstand. Er lässt sich nicht durch komplexe Aktenlagen verwirren, sondern baut auf sein, durch lange Lebenserfahrung gewonnenes Urteilsvermögen: Heinz Floer ist seit 2009 ehrenamtlicher Richter, oder, wie es im Amtsdeutsch heißt, Schöffe. Bis 2013 am Schöffengericht Rheine, seitdem beim Landgericht in Münster. „Eine ebenso spannende, wie verantwortungsvolle Aufgabe“, weiß der Burgsteinfurter. Fließt doch seine Stimme im gleichen Umfang wie die des Berufsrichters in ein Urteil ein. Und das kann schwerwiegende Folgen für den Verurteilten haben – bis hin zu langjährigem Freiheitsentzug.

Am Landgericht hat Floer es mit Straftaten zu tun, die es in sich haben: Drogenhandel, schwerer Diebstahl, räuberische Erpressung, ja auch schon mal ein Totschlagsvorwurf stehen im Raum. Der 76-Jährige entscheidet mit – über Schuld und Unschuld und über ein angemessenes Strafmaß für den Angeklagten. Der wird auch schon mal in Fußfesseln vorgeführt, so wie jüngst, als Floer an einem Prozess mitwirkte, bei dem es um räuberischen Diebstahl ging. Das Urteil für mehrere Tankstellenüberfälle mit massiver Bedrohung des Personals lautete schließlich fünf Jahre und drei Monate Haft.

2008 war es, als ihn ein Freund darauf aufmerksam machte, dass die Stadt Steinfurt Laienrichter für das Schöffen- beziehungsweise Landgericht sucht. Floer zauderte nicht lange und bewarb sich. „Ich war zu dem Zeitpunkt schon länger in der Widerspruchsstelle der Deutschen Rentenversicherung tätig“, verweist er auf eine ähnliches Engagement im Rahmen seiner Tätigkeit als Versichertenberater, die er bis heute ausübt. „Ich war einfach neugierig, wollte ausloten, inwieweit ich selbst die Möglichkeiten der Straffindung in einem Gerichtsverfahren mitbestimmen kann“, blickt Floer zurück.

Bei Prozessen am Landgericht bildet er mit zwei Berufsrichtern und einem weiteren Schöffen ein Gespann. Die Zusammenarbeit habe in den vergangenen Jahren stets sehr gut funktioniert, sagt Floer. Als Schöffe ist er gegenüber den Berufsrichtern gleichgestellt. „Ich kann mich jederzeit einbringen, meine Stimme hat Gewicht.“ Floer sagt das durchaus mit Stolz. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass er sich in seinem Alter in die Gerichtsbarkeit einbringen kann. Mit Erfolg und einer Petition an den Deutschen Bundestag hat er durchgesetzt, dass die bis 2013 geltende Höchstaltersgrenze für ehrenamtliche Richter von 70 Jahren aufgehoben wird. Stattdessen wird die Tätigkeit nun von der geistigen Leistungsfähigkeit des Bewerbers abhängig gemacht.

Sein Ehrenamt nimmt viel Zeit in Anspruch. Zwölf Verfahren hat er jährlich bei Gericht wahrzunehmen, hinzu kommen die Fortsetzungstermine. Das nächste hat er im Mai. „Es geht um Drogenhandel“, verrät der 76-Jährige. Eher ein Standardfall. Die höchste Strafe, die in einem von ihm begleiteten Prozess verhängt worden ist, betrug zwölf Jahre. Der Tatvorwurf seinerzeit: Totschlag. Floer bezeichnet sich selbst als urteilssicher. Schöffe zu sein, sei für ihn eine „große Ehre, die mich herausfordert, in meiner staatsbürgerlichen Verantwortung aktiv zu werden“.

Das will der Burgsteinfurter auch nach Auslaufen der aktuellen Amtsperiode Ende dieses Jahres weiter tun. Er hat sich schon für eine weitere, immerhin fünfjährige Richterzeit beworben und steht auf der Vorschlagsliste. Ob er es wieder werden wird, entscheiden andere: Der Stadtrat, der Kreistag und schließlich das Amtsgericht in Person des Amtsgerichtsdirektors.

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