Fr., 06.04.2018

Mit dem Landschaftsökologen Axel Donning auf Inspektionstour bei Arnold Kock „Zimmer frei“ im Fledermaus-Hotel

Den Fledermäusen auf der Spur: In den dunklen Kellern der alten Textilfabrik schlafen die Tiere gerne unter abgeplatztem Lack.

Den Fledermäusen auf der Spur: In den dunklen Kellern der alten Textilfabrik schlafen die Tiere gerne unter abgeplatztem Lack. Foto: Axel Roll

Borghorst - 

Die Fledermäuse sind offensichtlich bei der Wahl ihrer Schlafquartiere sehr wählerisch. An den über 100 künstlichen Pensionen aus Holz oder Styropor haben die nachtaktiven Flieger bislang keinen Gefallen gefunden. Axel Donning kontrolliert alle paar Tage mit Fernglas und Taschenlampe die schmalen Schlitze, in die sich Mops-, Langohr- oder Zwergfledermäuse für die Nickerchen bei Tageslicht reinhängen sollen. Bislang Fehlanzeige.

Von Axel Roll

„Dafür fliegen sie in die Gebäude und krabbeln unter abgeplatzten Lack oder aufgequollenen Putz“, weiß der Landschaftsökologe. Vom Lärm der Bagger, die direkt nebenan die baufälligen Fabrikhallen auf dem Websaal-Gelände dem Erdboden gleichmachen, lassen sich die empfindlichen Tiere jeweils nicht abschrecken. Das weiß Donning von seinen Aufnahmen mit der Wärmebildkamera, die er nachts in die Einflugschneisen der Insektenjäger stellt.

Der Experte überwacht im der Stadt den Abriss der Arnold-Kock-Relikte und muss darauf achten, dass möglichst wenige der bedrohten Tiere zu Schaden kommen. Donning betont: „Was hier passiert, ist ziemlich einmalig.“ Und werde deswegen in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Im Mittelpunkt: die Mopsfledermaus. Die Art ist besonders selten und vom Aussterben bedroht. Rund um Steinfurt gibt es die größte Population in Nordrhein-Westfalen. Dass ausgerechnet hier jetzt die Bagger rollen, können viele Naturschützer überhaupt nicht verstehen.

Warum die Fledermauskästen, die an und in den Kock-Gebäuden aufgestellt und -gehängt wurden, die erst einmal stehen bleiben, von den Nachtfliegern bislang links liegen gelassen werden, kann sich der Landschaftsökologe nur so erklären: „Sie wurden relativ spät aufgehängt.“ Seine Hoffnung: „Am Wochenende wird es wärmer. Dann sind die Tiere aktiver.“ Wenn sich dann die erste Fledermaus in so einen Kasten verirrt habe, spreche sich das in den Flatterkreisen schnell herum. „Die rufen aus den Kästen heraus.“

Die Baustelle macht Axel Dolling noch aus einem anderen Grund Kopfschmerzen. Einige der schwer auszurechnenden Insektenfresser haben an der alten Schlosserei neben dem Krankenhausparkplatz Gefallen gefunden. „Dort waren bislang keine Fledermäuse.“ Darum sollte das am stärksten verfallene Gebäude als Puffer dienen, wenn die Arbeiten auf der Hauptbaustelle aus irgendeinem Grund stocken.

Der 51-Jährige schätzt, dass in den Kock-Ruinen rund 20 Exemplare der seltenen Mopsfledermaus ihre Heimat gefunden haben. „Wir haben hier elf Exemplare gefangen“, erzählt Donning. Mit einer Fangharfe. Das ist eine Vorrichtung, in der sich die Flieger in langen gespannten Fäden verfangen und in einen Sack gleiten. Die „Möpse“ wurden dann mit Nagellack markiert und wieder ausgesetzt. Warum sie ausgerechnet mitten in Borghorst ein Zuhause gefunden haben, kann Dolling nur vermuten: „Vielleicht gibt es hier besonders viele Kleinschmetterlinge.“ Die fressen die Mopsfledermäuse mit dem platten Gesicht besonders gerne.

An eines hat sich Axel Donning, der in Rheine und Münster ein Büro für Faunistische Erfassungen unterhält, lange gewöhnt: dass er in seiner Funktion als Anwalt für bedrohte Tierarten oft nicht für voll genommen wird. So spricht das Grinsen der Bauarbeiter manchmal Bände, wenn er die Schutzmaßnahmen mit ihnen bespricht. Der Landschaftsökologe weiß aber das Bundesnaturschutzgesetz auf seiner Seite. Und das sagt in diesem Fall ganz eindeutig: Erst die Fledermaus, dann die Bagger.



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