Fr., 13.04.2018

Naturnahes Gärtnern schafft Refugien für viele bedrohte Insekten- und Vogelarten Gastfreundschaft für Biene und Co.

Ein Rückzugsort für allerlei Kleingetier: Auf das riesige Insektenhotel ist Landschaftsökologin Ruth Schroer besonders stolz.

Ein Rückzugsort für allerlei Kleingetier: Auf das riesige Insektenhotel ist Landschaftsökologin Ruth Schroer besonders stolz. Foto: cm

Steinfurt - 

Kaffee trinken auf der Terrasse, Nektar schlürfen im Beet, dazu ein live gezwitschertes Vogelkonzert – so könnte ein ideales Miteinander von Mensch und Tier im „grünen Wohnzimmer“ aussehen. Leider wird auch in Steinfurter Gärten immer spürbarer, was Forscher mit Besorgnis erregenden Zahlen belegen: Die Biomasse der Fluginsekten ist in den vergangenen 27 Jahren um 76 Prozent zurückgegangen.

Von Claudia Mertins

Die Folgen dieses Massensterbens sind nicht absehbar, denn die Insekten erledigen nicht nur eine „systemrelevante Bestäubungsleistung“ in der Landwirtschaft, sondern sind auch die wichtigste Nahrungsquelle für viele Vogelarten. Und die verhungern schlichtweg. Was also kann man als Gartenbesitzer konkret zur Unterstützung von Hummel, Schmetterling, Rotkehlchen, Ohrwurm und Florfliege tun?

Beim Ausflug in das NABU-Lehmdorf in der Bauerschaft Ostendorf und im Gespräch mit der Landschaftsökologin Ruth Schroer zeigt sich, dass das einiges ist: Hecken aus heimischen Sträuchern, Totholz- und Laubhaufen oder kleine Sand- oder Lehmkuhlen sind, je nach Art, die natürlichen Rückzugsgebiete. „Gerade auch abgestorbene Pflanzenreste sind Unterschlupf und Nistplatz für Insekten – deshalb alles über den Winter stehen lassen und nicht zu früh die Beete aufräumen“, rät Ruth Schroer allzu eifrigen Gärtnern.

Stolz ist sie auf das XXL-Insektenhotel, an dem viele Kindergärten und Schulklassen mitgearbeitet haben. Diese Art von Wohnangebot eignet sich auch für kleine Gärten oder Balkone und kann leicht aus Lehm, Holz, Bambus und etwas Holzwolle gebaut werden. Neben dem geeigneten Lebensraum brauchen die Insekten geeignete Nahrung, und das ist in den meisten Fällen Pollen und Nektar. Gerade nach der Winterpause sind die Reserven erschöpft, so dass in einen naturfreundlichen Garten unbedingt Frühblüher wie Krokus, Schlüsselblume, Lungenkraut und Winterling gehören. Ideal sind auch Wildblumenwiesen, die man zum Beispiel entlang von Zäunen oder als blühende Inseln im Rasen anlegen kann.

Allgemein rät Ruth Schröer darauf zu achten, dass heimische Sorten von Blumen, Sträuchern und Bäumen ausgewählt werden, weil die kleinen Lebewesen daran angepasst sind. Viele Neuzüchtungen mögen attraktiv aussehen, aber zum Beispiel fehlen in gefüllten Blüten oft die Staubgefäße als Nektarquellen. Ungünstig ist auch eine starke und lange Beleuchtung im Garten, dadurch kommen die Tierchen nicht zur Ruhe.

Eine individuelle Beratung bietet die Naturschutzjugend beim nahen Brunnenfest in Borghorst am Sonntag, 29. April. Dort wird auch der Wettbewerb „Für mehr Schmetterlinge und Wildbienen in Steinfurt“ vorgestellt. Außerdem gibt es ausführliches Info-Material im Internet.



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