So., 22.04.2018

Schlaglicher auf die örtliche Biergeschichte und Kneipenkultur Ein trinkfreudiges Völkchen

Engagiert diskutierende Talkrunde am Samstag, (v.l.): Willi Helling, Heribert Frank, Jochen Schmitt, Dr. Peter Krevert, Konni Elfers, Dr. Peter Gramberg, Udo Röllenblech und Rainer Menebröcker.

Engagiert diskutierende Talkrunde am Samstag, (v.l.): Willi Helling, Heribert Frank, Jochen Schmitt, Dr. Peter Krevert, Konni Elfers, Dr. Peter Gramberg, Udo Röllenblech und Rainer Menebröcker. Foto: nix

Steinfurt - 

„Hopfen und Malz, Gott erhalt’s“, „Wenn jemand vom Biertrinken einen dicken Kopf bekommt liegt’s am Kopf, nicht am Bier“. Es gibt unzählige Wünsche und Weisheiten, die sich um eines der Lieblingsgetränke in deutschen Landen drehen. Heute gibt es den blonden Gerstensaft in vielen Varianten. „Light“ war ein Flop, „alkoholfrei“ galt früher als Bier für Loser, hat sich heute jedoch etabliert. Beliebt ist bei manchen auch das „Craft Beer“, eine Fundgrube unterschiedlicher Geschmacksrichtungen. Nicht zu vergessen ist die Standardvariante, das gut alte „Pilsener“. Einstmals galt es als Marke der vornehmeren Leute, das Volk trank „Export“, doch das ist eine ganz andere Geschichte.

Von Rainer Nix

Themen rund um das am besten kühl genossene blonde Getränk gibt es genug. Genau

Fotostrecke: Steinfurter Kneipengeschichte

dies machte den besonderen Reiz des vierten Steinfurter Geschichtstages aus. Unter der Federführung von Dr. Peter Krevert, Volkshochschule, äußerten sich am Samstag in Burgsteinfurt und am Sonntag in Borghorst Experten zum Thema „Steinfurter Biergeschichte & Kneipenkultur“. Kulturforums-Direktorin Dr. Barbara Herrmann verteilte vor Beginn der Veranstaltung das Maskottchen des Jubiläums „14974 Tage Kulturforum“, den „Kulturkäfer“ in Schokoladenversion.

Ort des Geschehens war am Samstag die Stadtbücherei am Markt. Am Sonntag zog es die Experten und ihre Zuhörer in das Borghorster Heimathaus. Krevert und die Schirmherrin, Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer, begrüßten zahlreiche Gäste. Die Bürgermeisterin apostrophierte Steinfurt als geschichtsträchtigen Ort. Es sei wichtig, mit solchen Veranstaltungen an die Historie zu erinnern: „Ich freue mich, dass wieder die Heimatvereine Burgsteinfurt und Borghorst mit dabei sind, dann haben wir die Brauerei Rolinck und die Rentner der Brauerei mit im Boot und konnten tolle Referenten gewinnen.“

Udo Röllenblech vom Rednerteam Europe war „Ideengeber“ der Biergeschichte und Kneipenkultur-Geschichtstage, er führte in das Thema ein. Bier brauten schon vor 8000 Jahren die alten Ägypter. Ihre Version hatte jedoch zunächst eine breiige Konsistenz. Es war unter anderem Nahrungs- und Zahlungsmittel für die Arbeiter, von denen die riesigen Pyramiden errichtet wurden. Auch die Germanen wandten sich ab zirka 375 vor Christus der Produktion von Bier zu. Im Mittelalter waren es vor allem die Frauen, denen das Braugeschäft auferlegt wurde, dann entdeckten es die Mönche.

Qualitätsmaßstab ist bis heute das Reinheitsgebot von 1516. Im Wortlaut der Verordnung heißt es: „Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen.“ In Burgsteinfurt gab es einst zahlreiche Brauereien, durch Auswanderer eroberte das Bier schließlich auch Amerika. Röllenblech vergaß nicht, auch auf die Gefahren übermäßigen Alkoholgenusses hinzuweisen. Alkolhol ist Droge Nummer 1 mit einer Todesrate von 42 000 pro Jahr.



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