Bedauern und Verständnis
Stimmen zum Rücktritt von Christina Schulze Föcking

Steinfurt -

Die Betroffenheit in ihrer Heimatstadt ist groß, aber auch das Verständnis für diesen Schritt: Am Dienstagvormittag hat Christina Schulze Föcking ihr Amt als NRW-Landwirtschaftsministerin nach nicht einmal einem Jahr niedergelegt. Hier die Reaktionen zum Rücktritt der Ministerin.

Dienstag, 15.05.2018, 17:20 Uhr aktualisiert: 15.05.2018, 17:30 Uhr
Christina Schulze Föcking bei der Landtagswahl 2017 in ihrem Wahllokal in Steinfurt. Am Dienstagvormittag trat die Steinfurter Landwirtin von ihrem Amt als Landesministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz zurück.
Christina Schulze Föcking bei der Landtagswahl 2017 in ihrem Wahllokal in Steinfurt. Am Dienstagvormittag trat die Steinfurter Landwirtin von ihrem Amt als Landesministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz zurück. Foto: Axel Roll

Günter Marquard als CDU-Ortsvorsitzender war nach den letzten Gesprächen mit Schulze Föcking „nicht so überrascht“ davon. Sie sei sehr berührt von den öffentlichen Angriffen und Drohungen gewesen. Die Steinfurter CDU bedauere den Rücktritt außerordentlich. Marquard wörtlich: „Das ist ein großer Verlust für die Stadt und die Region.“ Hoffentlich bleibe sie den Christdemokraten als Kreisvorsitzende erhalten.

Ähnlich kommentiert Dietmar Mikolaiski als Vorsitzender der Steinfurter Jägerschaft den Rückzug der Ministerin: „Für uns ist es sehr schade, schließlich weiß Christina Schulze Föcking, was die Menschen in der Region bewegt.“ Sachlich und fachlich habe die Steinfurterin viele Themen richtig anmoderiert. Trotzdem habe die „Treibjagd“ auf die Ministerin leider Erfolg gezeigt.

Großes Verständnis

Der Borghorster LOV-Vorsitzende Christoph Uhlenbrock bedauert ebenfalls die Entscheidung sehr. „Wir als Landwirte haben auf Christina Schulze Föcking als Fachfrau gesetzt, die Landwirtschaft gelernt und studiert hat.“ Das sei für Minister beileibe nicht selbstverständlich, dass sie vom Fach seien. Aber natürlich habe er großes Verständnis: „In der Politik herrscht offensichtlich ein so dermaßen hoher Druck, der manchmal unmenschliche Züge annimmt.“

Das Fachwissen der Ministerin betont auch der Burgsteinfurter LOV-Vorsitzende Henning Stoyke: „Schade, dass jemand, der fachlich so nah an der Praxis ist, das Amt verlassen muss.“ Es sei gut gewesen zu wissen, dass da eine Ministerin sitze, die die Situation auf den Höfen kenne und nicht allein nach ideologischen Grundsätzen handle. „Aber ich kann das gut nachvollziehen, dass sie diese Hetzjagd nicht mehr mitmachen wollte.“

Viele Sympathien

Große Sympathien vor Ort, große Kritik in Düsseldorf und auf Unterbezirksebene – so beschreibt Frank Müller, Vorsitzender der SPD Steinfurt, das von ihm wahrgenommene Stimmungsbild. Der Steinfurter Ortsverein habe sich in der Vergangenheit mit Äußerungen ganz bewusst zurückgehalten. „Schließlich ist da auch immer eine Familie von betroffen.“ Er persönlich sehe, dass Christina Schulze Föcking von einem Ärgernis ins andere gelaufen sei. „Zum Schluss haben viele nur auf den nächsten Fehltritt gelauert.“

Doris Gremplinski war für die scheidende Ministerin so etwas wie eine politische Ziehmutter. Entsprechend „tief betroffen und traurig“ sei sie über den Schritt der Burgsteinfurterin. „Ich habe sie über all die Jahre begleiten dürfen und an ihr immer geschätzt, wie viel Herzblut sie in ihre Arbeit gesteckt hat“, sagt die langjährige Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion. Sie habe aber volles Verständnis für die Entscheidung: „Wenn man sieht, wie sie selbst und sogar ihre Kinder angefeindet wurden, kann man das verstehen. Sie liebt ihre Familie über alles.“

"Richtiger Schritt"

„Für sie und ihre Familie war es sicherlich der richtige Schritt“, sagt Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer. Für die Region sei es allerdings sehr schade. „Eine Landwirtschaftsministerin direkt vor Ort zu haben, war eine tolle Sache“, so Bögel-Hoyer.

Sie hoffe, dass Christina Schulze Föcking der Stadt und dem Umland noch lange als Landtagsabgeordnete erhalten bleibe, damit sie die Anliegen vor Ort aufnehmen könne. Die Bürgermeisterin hat die 41-Jährige kennen und schätzen gelernt. „Ich wünsche ihr jetzt erst einmal ganz persönlich, dass sie und ihre Familie Ruhe und Kraft finden.“

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