Monika Tuul pflegt tierische Findelkinder
Wahnsinn im Hotel Vogelmama

Borghorst -

Es ist der ganz normale Mai-Wahnsinn. Von links unten aus dem Pappkarton in der Wohnwimmer-Ecke macht es „kjack, kjack“. Vier junge Dohlen warten aufgeregt auf ihr Mittagessen.

Dienstag, 29.05.2018, 16:40 Uhr
Das kleine Blaumeisen-Baby ist noch ganz nackt, der männliche Pfau erstrahlt dagegen in voller Schönheit.
Das kleine Blaumeisen-Baby ist noch ganz nackt, der männliche Pfau erstrahlt dagegen in voller Schönheit. Foto: Axel Roll

Auf der langen Arbeitsplatte in der Küche stehen gleich zwei Kunststoffkäfige nebeneinander. Links der kleine Steinkauz, der müde die Augenlider hebt. Rechts zwitschern drei kleine Baby-Blaumeisen, die mit ihrem dichten Federkleid schon aussehen, was sie mal werden wollen. Daneben kuschelt sich ein nacktes Geschwisterchen in sein Nest aus Küchenrollenpapier.

Draußen in der Voliere trompetet das größte Pflegekind von Monika Tuul. Ein ausgewachsenes Pfauen-Männchen, das sich von seiner Begegnung mit der Reckenfelder Feuerwehr erholt. Die Kameraden hatten den prächtigen, blau schimmernden Vogel in einer mehr als einstündigen Fangaktion in einen Schlauchwagenbehälter verfrachtet und anschließend nach Borghorst gebracht. Jetzt klingelt auch noch das Telefon. Monika Tuul stellt die Plastikdose mit den Mehlwürmern noch einmal beiseite und lässt sich von ihrem Norbert den Hörer reichen. Nein, noch eine Dohle könne sie leider nicht aufpäppeln, lässt sie den Anrufer wissen, gibt ihm aber noch einige Tipps für die Nahrung mit auf den Weg. Norbert lacht: „Also bis auf einen Elefanten wollten uns die Leute schon alles vorbeibringen.“

Wie gesagt, der ganz normale Mai-Wahnsinn. Seit vielen Jahren zieht Monika Tuul für den Naturschutzbund Vogel-Findelkinder groß. Und naturgemäß ist da der Andrang in ihrem Waisenhaus um diese Jahreszeit am größten. Die erfahrene Pflegemutter trägt das mal aufgeregte, mal wehleidige Fiepen, Zwitschern, Krächzen und Rufen mit stoischer Gelassenheit. Zwischendrin klingelt gerade die Küchenuhr. „Die Meisen sind dran.“

Eine nach der anderen lässt sich bereitwillig Mehlwurm für Mehlwurm in den Schlund schieben. Bei der Lebendessen-Ausgabe mit der Pinzette wundert sich Monika Tuul: „Der Wahnsinn, welche Mengen an Futter die Eltern in der Natur heranschleppen müssen.“

Für weiteres Wundern bleibt keine Zeit. Nachbar Steinkauz knarzt schon mit dem Schnabel. Bei ihm stehen klein geschnittene Hühnerherzen auf dem Speiseplan, bevor er sich zur Siesta zurückziehen darf. Seine Tage im Hotel Vogelmama sind gezählt. Der Baby-Flaum weicht langsam dem ersten Federkleid. Ist es komplett, steht der Umzug zum Artenschutzzentrum in Metelen an, wo die Jungeule auf das harte Leben in der Natur vorbereitet wird.

Bei den Meisen macht Monika Tuul das selbst. „Das hat auch immer gut geklappt“, sagt die NABU-Ehrenamtliche. Zu einer etwas zauseligen Blaumeise hat sie zwei Jahre nach dem Aussetzen immer noch Kontakt. „Die kommt jeden Abend vorbei und schaut nach dem Rechten.“

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