Wanderfalken auf dem Kirchturm von St. Nikomedes
Krawall in der Kinderstube

Borghorst -

Vor zwei Jahren sah schon so aus, als wären die Wanderfalken nur kurz im Turm der Nikomedeskirche zu Gast gewesen. Im Frühjahr 2016 hatte Hubert Große Lengerich, der für den Naturschutzbund die seltenen Greifvögel im Münsterland betreut, das Weibchen tot auf dem Nest gefunden. In diesem Jahr, so kann der Greifvogelexperte berichten, hat es aber wieder Nachwuchs im Brutkasten des Kirchturms gegeben. . .

Dienstag, 19.06.2018, 15:56 Uhr aktualisiert: 19.06.2018, 21:23 Uhr
Vor drei Jahren hatten die Wanderfalken auf St. Nikomedes für Schlagzeilen gesorgt, weil eines der Jungtiere in die Dachrinne gefallen war und von der Feuerwehr gerettet werden musste.
Vor drei Jahren hatten die Wanderfalken auf St. Nikomedes für Schlagzeilen gesorgt, weil eines der Jungtiere in die Dachrinne gefallen war und von der Feuerwehr gerettet werden musste. Foto: Axel Roll

Große Lengerich weiß natürlich genau, wie viele Jungfalken dort oben geschlüpft sind. Öffentlich sagen möchte er es aber nicht, um die Gegner der Luftjäger nicht auf den Plan zu rufen. Denn die eleganten Greifvögel sind längst nicht überall wohl gelitten. So stehen Tauben bei ihnen ganz oben auf der Speisekarte. Und das finden die Brieftaubenzüchter überhaupt nicht gut.

Nachdem vor zwei Jahren das Weibchen aus ungeklärter Ursache zu Tode gekommen war, ist sein Mann nach unbekannt verzogen, wie Hubert Große Lengerich weiß. Die Mutter, die den jüngsten Nachwuchs groß zieht, ist eine gebürtige Schöppingerin, wie ihr Ring am Fuß eindeutig aussagt. Sie wurde vor vier Jahren in dem Nest am dortigen Fernmeldeturm geboren. Wo der Vater herkommt, das kann der Falken-Experte nicht sagen. „Der ist unberingt.“

Hubert Große Lengerich hat die Wandervogel-Babys im Mai beringt. Zweimal im Jahr klettert er die Stufen und Leitern empor, um vorsichtig in die Brutkiste zu schauen. Er weiß, das eines der Jungen bei seinen Flugübungen ein bisschen übermütig war und unvorhergesehen auf dem Erdboden gelandet ist. „Wir haben das Tier dann zurückgesetzt ins Nest, wo es freudig von den Eltern begrüßt wurde“, erzählt Große Lengerich.

Aufmerksamen Beobachtern wird es nicht entgangen sein: Rund um den Kirchturm sorgt die Wanderfalken-Kinderstube in diesen Wochen für mächtig Wirbel. Laut krakeelend stürzen sich die Jungvögel in die Tiefe, um beim Fliegen und Jagen sicher zu werden. Der Nabu-Aktivist weiß aus Erfahrung: „Im August wird wieder Ruhe einkehren, dann löst sich der Familienverbund auf und die Kinder gehen ihre eigenen Wege.“ Und die können mitunter verdammt weit sein.

Große Lengerich weiß von einem Wanderfalken, der schon nach drei Monaten im fernen Belgien gesichtet wurde. Ob die Borghorster Wanderfalken ihrem Namen Ehre machen? Große Lengerich weiß es nicht. Er kennt nur den Borghorster, der im benachbarten Greven eine neue Heimat gefunden hat, was eher für die Bodenständig der vor Ort geborenen Tiere spricht. Im Münsterland zählt Große Lengerich derzeit 14 Wanderfalken-Paare. Das sei eine durchaus erfreuliche Zahl. Mit einem weiteren Wachsen der Populationen rechnet er aber eher nicht. „Das ist allmählich ausgereizt. Die Reviere sind so gut wie alle besetzt. Damit fehlt dem Wanderfalken die Lebensgrundlage für ein weiteres Ausbreiten.“

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