Drogenprozess vor dem Landgericht
Angeklagter reagiert auf Haftantrag mit Wutausbruch

Steinfurt/Münster -

Der Verhandlungstag im Prozess um mutmaßlichen Drogenhandel an der Ochtruper Straße nahm am Mittwoch ein rabiates Ende: Als auch der dritte Angeklagte in Untersuchungshaft genommen werden sollte, warf der Mann wutentbrannt den Angeklagtentisch im Gerichtssaal um

Mittwoch, 20.06.2018, 16:46 Uhr aktualisiert: 20.06.2018, 17:44 Uhr

Der Verhandlungstag im Prozess um mutmaßlichen Drogenhandel an der Ochtruper Straße nahm am Mittwoch ein rabiates Ende: Als auch der dritte Angeklagte in Untersuchungshaft genommen werden sollte, warf der Mann wutentbrannt den Angeklagtentisch im Gerichtssaal um, schrie „Was soll das?“ und baute sich drohend in Richtung Richtertisch auf. Auch die Unterlagen seiner Anwältin flogen durch die Luft. Die Wachtmeister hatten die Situation schnell unter Kontrolle – auch dank der Unterstützung von weiteren Kollegen. Bei der weiteren Verhandlung wurde die Öffentlichkeit indes ausgeschlossen.

Der in Deutschland geduldete Albaner hatte seine Verhaftung – wohl unabsichtlich – selbst provoziert: Die Plädoyers waren gehalten und als letzter Angeklagter sollte er sein Schlusswort formulieren. Darin behauptete er, beweisen zu können, dass einer der anderen Angeklagten nicht nur in dessen Wohnung an der Ochtruper Straße mit Drogen gehandelt habe, sondern auch in Münster „auf der Platte“ hinter dem Hauptbahnhof. Er kündigte an, auf eigene Faust Dealer, die er vom Sehen her kenne, in der dortigen Drogenszene ansprechen und als Zeugen benennen zu wollen. Der Staatsanwalt sah in dem Vorhaben eine „Verdunkelungsgefahr“, wie er sagte, und beantragte Haftbefehl. Der Vorsitzende Richter gab dem statt. Die anderen beiden Angeklagten befinden sich schon seit ihren Festnahmen Ende 2017 in Untersuchungshaft.

Zur Verhandlung hatte das Gericht einen weiteren neuen Zeugen zugelassen: Polizisten führten einen von dem Albaner benannten Drogenkonsumenten vor. Er ist derzeit in einer Psychiatrischen Klinik in Münster zur Entgiftung untergebracht. Der Mann erklärte, dass er von dem Bewohner des „Y-Hauses“ an der Leerer Straße Kokain gekauft, ihn aber lediglich einmal in Münster in der Nähe des Bahnhofs gesehen habe. Der 33-Jährige behauptete: „Das Y-Haus ist ein Ghetto. Dort gibt es mehrere Leute, die Koks verkaufen.“

Den drei Angeklagten in dem Prozess im Alter von 26, 29 und 39 Jahren (zwei Brüder mit albanischer Herkunft sowie ein Mann aus Togo) wirft der Staatsanwalt vor, im Sommer 2017 unter anderem „bandenmäßig und bewaffnet“ mit Heroin, Kokain, Crack und Marihuana gehandelt zu haben. Er beantragte Haftstrafen zwischen drei und acht Jahren für sie wegen Täterschaft beziehungsweise Beihilfe.

Deren Anwälte widersprachen einem „Banden-Zusammenschluss“. Die Verteidigerin des verhafteten Albaners forderte Freispruch beziehungsweise eine milde Bewährungsstrafe für den Mann, weil der gar nicht oder kaum beteiligt gewesen sei. Die weiteren Anträge lagen bei einem Jahr und zehn Monaten beziehungsweise eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung.

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Das Urteil fällt am 28. Juni.

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