Eichenprozessionsspinner
Mit dem Staubsauger auf die Jagd

Steinfurt -

Schutzanzug, Brille, Atemmaske und Gummihandschuhen zum Trotz – Michael Wessels hat schon häufiger Bekanntschaft mit den fast unsichtbaren Brennhaaren gemacht. „Das juckt wie bei einem Mückenstich“, weiß der Gärtner des städtischen Bauhofs. „Nur länger.“ Gerade an den Handgelenken, wo die Stulpen der Handschuhe schon mal von den Ärmeln des grünen Schutzanzugs rutschen, treffen die Härchen die nackte Haut. „Wirklich keine angenehme Arbeit“, weiß Wessels.

Freitag, 22.06.2018, 15:32 Uhr
Mit einem Asbeststaubsauger holt Thorsten Schulten die Nester des Eichenprozessionsspinners von den Bäumen. Schutzkleidung ist dabei absolut notwendig.
Mit einem Asbeststaubsauger holt Thorsten Schulten die Nester des Eichenprozessionsspinners von den Bäumen. Schutzkleidung ist dabei absolut notwendig. Foto: Axel Roll

Seit einer Woche ist er mit Thorsten Schulten und zwei weiteren Kollegen den Relikten der Eichenprozessionsspinnerraupen auf der Spur. „Die von uns beauftragte Spezialfirma konnte die Aufträge gar nicht mehr abarbeiten“, erläuterte Bauhof-Chefin Kerstin Timmers. Darum hat die Stadt eigene Mitarbeiter auf die Jagd nach den mehr als lästigen Raupen geschickt.

Nicht ohne sie vorher in Theorie und Praxis schulen zu lassen. Ein Kämmerjäger hat das Bauhof-Quartett unterrichtet, wie die klebrigen Nester am einfachsten von den Bäumen gesaugt werden können. Denn: „Das Problem wird uns jetzt jedes Jahr ereilen“, vermutet Technischer Beigeordneter Hans Schröder. Wurde Steinfurt – wie viele andere Kommunen auch – von der Invasion des Schädlings im Frühjahr überrascht, sieht der Baudezernent die Stadt für die kommenden Jahre deutlich besser gerüstet.

Auch technisch. Um die Nester möglichst einfach und gefahrlos von den Bäumen zu rupfen, wurde für 2000 Euro ein Asbeststaubsauger angeschafft. Hans Schröder: „Dadurch können die Härchen nicht nach außen gelangen.“

Die abgesaugten Klebe-Klumpen werden anschließend in Tüten gesammelt und dann zum Verbrennen an einen Spezialentsorger weitergegeben. Michael Wessels und Thorsten Schulten haben in einer Woche mehr als 50 Einsatzorte gesäubert. Vornehmlich an Spielplätzen, Schulen und anderen viel besuchten Orten in den Innenstädten. „Bei dieser Menge ist natürlich gar nicht daran zu denken, draußen in den Wäldern tätig zu werden“, erläutert Kerstin Timmers. Außerdem müssten die Bürger damit rechnen, dass die Grünpflege in der Stadt vernachlässigt werden müsse. „Das hier ist eine zusätzliche Aufgabe für den Bauhof“, so die Leiterin. Um im kommenden Jahr gezielter auf die Plagegeister reagieren zu können, werden die Fundorte der Nester bei der Verwaltung erfasst. Wie dann gegen den Eichenprozessionsspinner vorgegangen wird, das muss nach Einschätzung von Hans Schröder noch diskutiert werden.

So ist es auch möglich, die Tiere mit Pestiziden zu bekämpfen. Frage sei, ob man das auch wirklich wolle. Grundsätzlich warnt der Baudezernent davor, hysterisch auf das Problem zu reagieren. „Wir werden lernen müssen, damit klar zu kommen.“

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