Am Freitag erhalten die letzten Nikomedesschüler ihre Zeugnisse
Nach 40 Jahren ist Schluss

Borghorst -

Eigentlich könnte die Nikomedesschule in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiern. Stattdessen bereiten die kommissarische Schulleiterin Jacqueline Peters und ihre Kollegen den Kehraus vor.

Montag, 25.06.2018, 16:54 Uhr aktualisiert: 25.06.2018, 16:56 Uhr
Für die kommissarische Schulleiterin Jacqueline Peters und ihre Kollegen heißt es bald Abschied nehmen. Zuletzt bestand das Kollegium noch aus neun Lehrern und Lehrerinnen – in den besten Zeiten der Hauptschule waren es um die 50.
Für die kommissarische Schulleiterin Jacqueline Peters und ihre Kollegen heißt es bald Abschied nehmen. Zuletzt bestand das Kollegium noch aus neun Lehrern und Lehrerinnen – in den besten Zeiten der Hauptschule waren es um die 50. Foto: Bernd Schäfer

Kurz nachdem die letzten 17 Zehntklässler am kommenden Freitag ihre Zeugnisse erhalten, wird der Schlüssel zum letzten Mal umgedreht.

„Als ich vor sieben Jahren eingestellt wurde, war schon klar, dass die Schule 2017 schließt“, waren die Jahre an der Hauptschule für Peters vom ersten Tag an ein Abschied auf Raten. Der kurz vor dem geplanten Ende noch um ein Jahr verlängert wurde: Eigentlich sollten die aktuellen Zehner ihren Abschluss an der Bagnoschule machen.

Aufgrund der vielen Zuwanderer, der Übernahme von Schülern aus der im vergangenen Jahr geschlossenen Ludgerischule in Altenberge und der Bereitschaft, die Deutsch-als-Zielsprache-(DaZ-)Aufgaben auch fürs Gymnasium und die Realschule am Buchenberg zu übernehmen, erhielt die Nikomedesschule ein Jahr Aufschub. „Das hat uns noch mal Schwung gegeben.“ Nun ist aber endgültig Schicht.

Dass die Schulglocke bald zum letzten Mal läutet, wird von ihr und ihrem Lehrerteam momentan noch ausgeblendet. „Jetzt herrscht hier noch viel Trubel mit den Abschlussprüfungen und den Zeugnissen“, erzählt Jacqueline Peters. Aber sie weiß auch: „Es wird schwer, wenn die Kollegen dann auseinandergehen – das macht einen wehmütig.“

Einen ersten Eindruck dieser Gefühle gab es vor einigen Monaten schon: „Wir wussten, dass das unsere letzte gemeinsame Weihnachtsfeier sein würde.“ Schließlich hätten sie einen „tollen Kollegenkreis“ gehabt. „Je herausfordernder die Schülerschaft ist, umso enger ist die Beziehung unter den Kollegen.“

Und herausfordernd war die Aufgabe, Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Herkunftsländern mit ganz unterschiedlichen Hintergründen unter einen Hut zu bringen, bestimmt oft. „Wir sind eine sehr heterogene Schule. Aber das funktionierte immer gut. Wir haben immer gleich klar gemacht, dass die Regeln für alle gelten. Und eigentlich waren alle Schüler froh, dass sie aufgenommen wurden und eine Förderung erhalten.“

So war der Schulalltag für alle Beteiligten mehr als nur eine Aufgabe. „Es ist natürlich unser Job. Aber ist vor allem auch eine Herzenssache.“ Die über die eigentliche Schulzeit hinausgehe. „Es ist uns wichtig zu wissen, wie es für die Schüler weitergeht. Wir wissen jetzt schon für alle, was sie demnächst tun werden.“

Seit 2012 wurden an der Nikomedesschule keine neuen Schüler mehr angenommen, mit jedem Abschlussjahrgang, der die Schule verließ, wurde die Zahl der Schüler kleiner. In die frei gewordenen Klassenräume sind mittlerweile die Musikschule und das Dampfross eingezogen. „Wir sind zu einer großen WG aufgestiegen“, lacht Jacqueline Peters. Und gibt zu: „Wir hatten anfangs Bedenken, wer da jetzt alles hier ein- und ausgeht.“ Die hätten sich aber schnell zerstreut. „Das hat wunderbar geklappt. Wenn wir uns mal gegenseitig gestört haben, haben wir uns abgesprochen.“

Vielmehr seien die neuen „WG-Nachbarn“ sogar eine Bereicherung gewesen, indem gemeinsame Kurse eingerichtet wurden. Die kommissarische Schulleiterin beschreibt das so: „Wir sind als Schule geschrumpft, aber als Wesen gewachsen.“ Nun liegt das Wesen jedoch in den letzten Atemzügen, nach den Zeugnissen folgt noch eine Projektwoche, danach beginnen fürs Kollegium die „Aufräumarbeiten“ – Akten aus 40 Jahren müssen sortiert und archiviert werden. Und dann droht der tatsächlich letzte Abschied – zumindest als Lehrer der Borghorster Nikomedesschule. „Wir wissen schon seit den Osterferien, wo wir hinkommen werden“, freut sich Peters, dass es für sie und ihre Kollegen beruflich nahtlos weitergeht.

Und das nächste Wiedersehen ist auch schon geplant: Am 15. September, dem Jahrestag des Heiligen Nikomedes, will sich das Kollegium in Zukunft immer wieder treffen.

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