Urteil im Prozess um Sparkassenüberfall gegen werdenden Vater nach Jugendstrafrecht gefällt
Knast für Steinfurter Bankräuber

Steinfurt/Münster -

Nach dem Urteilsspruch wendete der Richter sich an den sichtlich gefassten Angeklagten: „Das ist eine schwere und ernstzunehmende Straftat, gerade wegen der Anwendung der Waffe.“

Donnerstag, 28.06.2018, 15:00 Uhr aktualisiert: 28.06.2018, 16:04 Uhr
 
  Foto: dpa

Der 21-jährige Angeklagte, der zuletzt in Steinfurt wohnte, hatte am 1. September 2016 bei einem bewaffneten Überfall auf eine Sparkassen-Filiale in Münster-Coerde 12 085 Euro erbeutet. Beim dritten Prozesstermin am Donnerstagvormittag verurteilte die erste große Strafkammer des Landgerichts Münster ihn wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung nach Jugendstrafrecht zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten.

Erst nach 15-monatiger Fahndung und einem Beitrag in der TV-Sendung „Aktenzeichen XY“ meldeten sich drei Zeugen, die ihn unabhängig voneinander aufgrund der Fotos, Kleidungsstücke und vorheriger Aussagen des Täters gegenüber Dritten identifizierten. Bereits im ersten Prozesstermin zeigte der Portugiese sich geständig (die WN berichteten).

Aus Geldsorgen überfiel der damals 20-Jährige die Filiale, indem er Mitarbeiter und Kunden mit einer Pistole bedrohte und in die Decke schoss. Seinen durch ihn belasteten mutmaßlichen Mittäter, der mitplante und die Waffe besorgte, nahm die Polizei vor drei Wochen fest.

Der Vorsitzende führte bei der Urteilsbegründung aus: „Das ist schon nach dem äußeren Unrechtsgehalt eine schwerwiegende Tat.“

Dem Angeklagten kam allerdings zugute, dass die Kammer anders als einer der psychiatrischen Gutachter Entwicklungsdefizite bei dem Täter feststellte und ihn somit unter Jugendstrafrecht verurteilte. Der Richter betonte: „Das ist eher ein mildes Urteil. Ohne das Geständnis hätten wir Sie ebenso überführt und dann wären Sie bei etwa fünf Jahren gelandet.“

Mildernd kam dem Bankräuber zudem die Belastung seines Komplizen, der Drogenkonsum, seine Reue und seine persönliche Situation als werdender Vater zugute. Seine schwangere Freundin und seine Familie wohnten der Urteilsverkündung bei.

Das Verfahren wegen der bei seiner Festnahme gefundenen Cannabis-Plantage wurde eingestellt, allerdings berücksichtigte die Kammer den Sachverhalt bei der Strafzumessung.

In seinem letzten Wort äußerte der Angeklagte sich reumütig: „Ich möchte mich für alles entschuldigen. Ich habe damals nicht über die Konsequenzen nachgedacht und in der Haft gemerkt, dass es blöd war.“

Seinem Wunsch, die Haftstrafe bis zur Geburt seiner Tochter auszusetzen, entgegnete der Richter später jedoch, dass das bei einer solch schweren Tat unmöglich sei. Er stellte ihm allerdings eine Entlassung nach zwei Jahren und vier Monaten als „realistisch“ in Aussicht, zudem wird seine bereits sechsmonatige U-Haft-Zeit abgezogen.

Sowohl der Angeklagte und sein Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft verzichteten auf die Einlegung von Rechtsmitteln, sodass das Urteil rechtskräftig ist.

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