Naturfotograf Stefan Meier hat die Borghorster Wanderfalken abgelichtet
Mit Geduld und Tele

Borghorst/Lengerich -

Diesmal war es Lebensgefährtin Iris Eißing, die drängte: „Komm, lass uns doch mal gucken fahren.“ Sie hatte in dieser Zeitung einen Bericht über den Wanderfalken-Nachwuchs am Turm der Nikomedeskirche gelesen und ihrem Freund direkt unter die Nase gehalten. Und so brauchte es keine großen Überredungskünste mehr. Stefan Meier packte Digitalspiegelreflexkamera samt 600er Teleobjektiv in die Fototasche und ab ging es zum abgeräumten Websaalgelände in Borghorst. „Da saßen die Jungvögel nebenan auf dem Dach“, wundert sich der erfahrene Naturfotograf noch heute. „Die waren überhaupt nicht scheu.“ Wenige Minuten später stürzten sich die Wanderfalken auf eine Ringeltaube – und Meier hatte eindrucksvolle Bilder vom Flug der seltenen Greifvögel auf der Speicherkarte.

Freitag, 29.06.2018, 14:16 Uhr aktualisiert: 29.06.2018, 15:46 Uhr
Einer der Borghorster Jung-Wanderfalken beim Flug: Dieses eindrucksvolle Foto gelang Stefan Meier vor wenigen Tagen nahe der Nikomedeskirche.
Einer der Borghorster Jung-Wanderfalken beim Flug: Dieses eindrucksvolle Foto gelang Stefan Meier vor wenigen Tagen nahe der Nikomedeskirche. Foto: Stefan Meier

„So leicht geht das nicht immer“, weiß der 49-jährige Garten- und Landschaftsbauer aus 13-jähriger Erfahrung. Für das Eisvogelfoto, das in seinem Wohnzimmer hängt, saß er neun Jahre an. Am Wochenende war er mit den Experten des Kreis-Naturschutzbundes auf Uhu-Pirsch. Ohne Erfolg. Für Stefan Meier kein Problem: „Dann klappt es eben beim nächsten Mal.“

Das Bild um jeden Preis, das gibt es bei dem Freizeit-Fotografen nämlich nicht. „Auf keinen Fall“, so der gebürtige Tecklenburg-Leedener, „dürfen die Tiere gestört werden.“ Und so sitzt er mitunter mehrere Stunden in seinem kleinen Tarnzelt und wartet auf den besonderen Moment. Stefan Meier fotografiert nicht einfach Vögel. Er ist fasziniert vom Fliegen und drückt deswegen vornehmlich auf den Auslöser, wenn sich seine gefiederten Modelle in der Luft bewegen.

„Ich arbeite dabei ohne Netz und doppelten Boden“, betont der 49-Jährige. Das bedeutet, dass er bewusst auf alle technischen Helferlein verzichtet, die andere Fotografen heute gerne nutzen. Wie zum Beispiel Lichtschranken, die die Kamera beim Durchflug des Vogels automatisch auslösen. „Ich habe die Kamera in der Hand, sonst nichts“, so Meier. Daran angeschraubt ist in der Regel ein Teleobjektiv mit 600 Millimetern Brennweite. „Das muss reichen.“

Der Eisvogel hat es dem Landschaftsbauer besonders angetan. Der war es auch, der den Naturfreund zu diesem Hobby gebracht hat. Stefan Meier erinnert sich: „Ich war damals als Zimmermann beschäftigt und sah auf einer Baustelle immer wieder diesen stahlblauen Vogel vorbeifliegen.“ Der habe ihn dann so fasziniert, dass er am nächsten Tag im Fotogeschäft stand und sich die erste Spiegelreflexkamera gekauft hat. Für den 49-Jährigen ein einschneidendes Erlebnis. Plötzlich war die Fotografie für ihn die bestimmende Freizeitbeschäftigung. Und damit Balsam für die Seele. Warten war Stefan Meier gewohnt. „Zuvor war ich leidenschaftlicher Angler.“

Da der Eisvogel an einem der Seen in der Nachbarschaft dauerhaft ein Zuhause gefunden hat, schaut Stefan Meier dort immer mal wieder mit seiner Kamera vorbei. Er schmunzelt: „Wenn ich ihn nur rufen höre, dann geht es mir schon besser.“

Auch wenn Stefan Meier schon ungezählte Vogelarten abgelichtet hat, gibt es natürlich immer noch einige, die es noch nicht in sein Archiv geschafft haben. Viele stehen aber nicht mehr auf seiner Wunschliste. Der seltene Pirol und der Uhu dürften noch mal gerne an seiner Kamera vorbeiflattern. Und dann? „Ja dann möchte ich irgendwann einmal eine Ausstellung zum Thema Fliegen machen.“

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