Mo., 09.07.2018

Urteil gegen 21-jährigen Iraker Richter gibt Bewährung mit „Bauchschmerzen“

Steinfurt - 

Wegen Sachbeschädigung, Bedrohung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie versuchter schwerer räuberischer Erpressung in einem minder schweren Fall verurteilte das Jugendschöffengericht in Rheine am Montag einen 21-jährigen irakischen Flüchtling aus Borghorst zu acht Monaten mit Bewährung. Damit blieb es zwei Monate unter den Antrag der Staatsanwaltschaft, „obwohl ich Sie mit Bauchschmerzen einfach so gehen lasse“, wie der Richter in der Urteilsbegründung sagte.   Foto:

Von Monika Koch

Während der Verhandlung hatte der Angeklagte gesagt, dass er aufgrund einer psychischen Störung ohne Medikamente immer aggressiv sei, „auch jetzt“. Daraufhin ließ der Richter den Gerichtssaal durch zwei Wachtmeister sichern.

Aber sein „Geständnis, die Bereitschaft zu seinem ersten Gerichtsverfahren und die straffreie Zeit nach der letzten Tat“ verlangten eine Bewährung, erklärte der Vorsitzende das Urteil trotz der schwerwiegenden Tatvorwürfe. Das Gericht legte dem Angeklagten 80 Sozialstunden und einen Deutschkurs auf. „Wir gehen von schädlichen Neigungen aus. Wenn Sie gegen die Auflagen verstoßen, gehen Sie ins Gefängnis“, sagte der Richter abschließend.

Am 13. August 2016 soll der Angeklagte im Borghorster Marien-Hospital eine Glasscheibe im Eingangsbereich zertrümmert haben, weil die Ärztin ihn nicht verstehen konnte. Anfang September forderte er in seiner Borghorster Flüchtlingsunterkunft mit einem Messer in der Hand von einem Mitbewohner eine Zigarette. „Er war besoffen, weil er vorher die Abschiebung in den Irak bekommen hatte. Er hat geweint und geschrien“, beschrieb der Zeuge die Situation.

Im weiteren Verlauf fügte sich der Angeklagte selbst Verletzungen zu. Der Mitbewohner rief die Polizei, die den Angeklagten sofort in die Klinik bringen ließ. „Sein Oberkörper war bedeckt mit Messerstichen, auch die Oberarme. Er war in einem psychischen Ausnahmezustand“, sagte der Polizeibeamte vor Gericht.

Im Januar 2017 machte der Asylsuchende Randale in einem Bürgerbüro, weil sein Gesprächspartner nicht da war. „Ich mache die Schule kaputt und schmeiße eine Bombe“, sagte er zur einer Bürokauffrau. Danach kam er in die Psychiatrie nach Lengerich. Als er dort entlassen werden sollte, versperrte er die Tür seines Zimmers und brüllte unter anderem „I kill you.“ „Er baute das Bett auseinander, zerschlug die Lampe an der Decke und nahm sie als Schwert, mit dem er sich über die Kehle strich,“ beschrieb ein Polizist die Situation. Der Angeklagte räumte die Taten größtenteils ein.

Die Entscheidung über seine Abschiebung fällt im September.



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