Di., 10.07.2018

Wolfgang Spille und Bruno Eierhoff helfen den Bienen in den Winter Die Wahrheit liegt in den Waben

Zwölf Bienenvölker haben Bruno Eierhoff (l.) und Wolfgang Spille in ihrem Bauwagen untergebracht. Der Honig ist geschleudert, das Bienenjahr neigt sich dem Ende entgegen, jetzt brauchen die Völker ihre Ruhe. Bruno Eierhoff schaut in den Stöcken nach dem Rechten. Jetzt beginnt die Winterzeit für die Bienen.

Zwölf Bienenvölker haben Bruno Eierhoff (l.) und Wolfgang Spille in ihrem Bauwagen untergebracht. Der Honig ist geschleudert, das Bienenjahr neigt sich dem Ende entgegen, jetzt brauchen die Völker ihre Ruhe. Bruno Eierhoff schaut in den Stöcken nach dem Rechten. Jetzt beginnt die Winterzeit für die Bienen. Foto: Axel Roll

Borghorst - 

Ganz so auf Winterpause, wie Bruno Eierhoff glaubte, ist gerade dieses Bienenvölkchen noch nicht eingestellt. Als der erfahrene Imker die oberen beiden Deckel vorsichtig abnimmt, beginnt es in der untersten Etage des Stocks bedrohlich an zu brummen. Und tatsächlich, in Sekundenschnelle umkreisen die offensichtlich angezickten Bienendamen den Störenfried. Eine verpasst dem 86-Jährigen am Daumen einen schmerzhaften Denkzettel. Davon lässt sich der abgeklärte Imker aber nicht aus der Fassung bringen. In aller Seelenruhe packt er die beiden hölzernen Stockwerke wieder auf das summende Erdgeschoss und versucht sein Glück im Stock nebenan. Dort wird der Herr der Bienen sehr viel freundlicher empfangen. Die fleißigen Arbeiter gewähren einen Blick in ihre geräumten Vorratskammern. . .

Von Axel Roll

Bruno Eierhoff und Imkerkollege Wolfgang Spille haben am Wochenende die von den Arbeiterinnen mit viel Mühe gefüllten Waben geplündert. Was die Bienenvölker eigentlich durch den Winter bringen sollte, dient jetzt als süßer, aber dennoch gesunder – wie die Imker immer wieder betonen – Brotaufstrich. Dunkelbraun und besonders würzig soll der Sommerhonig in diesem Jahr sein, betonen Eierhoff und Spille. Allerdings fällt die Ernte nicht besonders üppig aus. „Ein Drittel unter den sonst üblichen Mengen“, hat Wolfgang Spille beim Schleudern festgestellt.

Auch eine Folge der langen Trockenheit. „Die Linde, die für die zweite Tracht im Jahr in erster Linie verantwortlich ist, hat sehr unter dem fehlenden Regen gelitten“, erläutert Wolfgang Spille. Die erste Honigernte im Frühjahr war da noch bedeutend ertragreicher. „Da spielen die Obstbäume, Löwenzahn und Raps die Hauptrolle“, weiß Bruno Eierhoff. Wolfgang Spille schmunzelt: „Die Wahrheit liegt in den Waben. Daran können wir erkennen, was wir für ein Frühjahr oder einen Sommer hatten.“

Mit dem zweiten Schleudern kehrt Ruhe im Mehrvölker-Haus der beiden Imker ein. Spille und Eierhoff haben dazu einen alten Bauwagen umgebaut. Er beherbergt jetzt zwölf Bienenvölker, hat hübsche Fensterchen sowie Einfluglöcher und ist ruckzuck umgesetzt. Mit den bunten Blumen auf der Front sieht er aus wie Peter Lustigs Löwenzahn-Bauwagen. Nur in dunklem Grün.

Die Kanister mit dem süßen Sirup, den die beiden Imker ihren Schützlingen als Ersatz für den gestohlenen Honig geben, stehen schon bereit.

Dort kommt dann ein Steigrohr hinein, in das wiederum die Bienen hineinkrabbeln und sich bedienen können, damit die Wintervorräte wieder gesichert sind.

„Ja, das Bienenjahr ist so gut wie um“, streichelt Bruno Eierhoff über den Deckel der ganz, ganz leise brummenden Kiste vor sich. Damit haben auch die männlichen Drohnen im Stock ihre Schuldigkeit getan. Die weibliche Übermacht hat sie verjagt oder schlimmer noch – sie schreckt auch vor einem Männermord nicht zurück.

Die Imker-Kooperation Spille/Eierhoff ist im Bauwagen auch nicht mehr so gefragt. „Die Tiere brauchen jetzt ihre Ruhe“, erklärt Bruno Eierhoff, der seit fast 30 Jahren diesem naturverbundenen Hobby frönt. „Im Stock verkleben sie jede Ritze, damit kein kalter Luftzug reinziehen kann.“ Außerdem werden die geräuberten Waben mit dem Sirup aufgefüllt und versiegelt. Für die schlechten Zeiten.

Bruno Eierhoft ist vor über 20 Jahren über den Umweg der Feuerwehr an die Imkerei gekommen. Kollege Wolfgang Spille, der sich immer wieder über den reichen Erfahrungsschatz seines Freundes wundert, war auf der Suche nach einem Hobby, das ihn zeitlich nicht so fest bindet und dem er in der Natur nachgehen kann. „Die Bienen vermissen dich nicht“, lacht der studierte Tiefbauer. „Die kommen auch alleine gut klar.“ Und dressieren, so Bruno Eierhoff, ließen sie sich auch nicht. Sonst hätten sie wohl nicht so heftig reagiert, als er bei ihnen nach dem Rechten schauen wollte. . .



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