Mi., 11.07.2018

Stadtwerke übernehmen zum 1. Januar das Netz von der Westnetz Noch merkt der Stromkunde nichts

An der Umspannstation im Grottenkamp kommt der Strom für Borghorst an. Dort wird von der Westnetz gerade der Bereich umgebaut, an dem die Energie ankommt. Dieser Teil bleibt im Eigentum des bisherigen Netzpächters. Der Rest geht an die Stadtwerke.

An der Umspannstation im Grottenkamp kommt der Strom für Borghorst an. Dort wird von der Westnetz gerade der Bereich umgebaut, an dem die Energie ankommt. Dieser Teil bleibt im Eigentum des bisherigen Netzpächters. Der Rest geht an die Stadtwerke. Foto: Axel Roll

Steinfurt - 

Stromnetz-Eigentümer sind die Stadtwerke schon seit viereinhalb Jahren. Bis die Steinfurter das aber auch wirklich merken, wird noch ein halbes Jahr vergehen. Zwischenzeitlich hatte der örtliche Energieversorger das zuvor gekaufte Netz an den vorherigen Besitzer, die Westnetz, zurückverpachtet. Und dieser Pachtvertrag läuft zum 31. Dezember aus. „Danach wird es ernst“, blickt Stadtwerke-Geschäftsführer Rolf Echelmeyer mit Anspannung und Vorfreude auf den 1. Januar.

Von Axel Roll

Denn plötzlich Eigentümer von 250 Kilometern Stromleitungen zu sein, das heißt schon was. Für den relativ kleinen Versorger, der bisher ausschließlich Gas und Wasser im Portfolio hatte, bedeutet das eine Verdoppelung der Netzkilometer. Eine Herausforderung nicht nur in technischer Hinsicht.

„Wir sind auf den Übernahmetermin bestens vorbereitet“, betont Echelmeyer und verweist auf eine teils mehrjährige Vorarbeit. Auf seiner To-do-Liste steht als nächster großer Punkt das Informationsschreiben zur Netzübernahme in 18 000-facher Ausfertigung, das an alle Stadtwerke-Kunden geht.

Damit werden die Steinfurter erfahren, warum sie ab 2019 Besuch von den Stadtwerken bekommen werden, wenn ein neuer Stromzähler eingebaut werden muss, warum die Besitzer einer Photovoltaikanlage künftig die Abschlagszahlungen über den gelieferten Strom von der Wiemelfeldstraße – übrigens 1,5 Millionen Euro pro Monat – überwiesen bekommen und wer künftig zuständig ist, wenn die Lampen im Haus dunkel bleiben. Rolf Echelmeyer stellt klar: „Wir sind bei allen Fragen des Netzes zuständig. Das hat aber nichts mit dem Stromlieferanten zu tun. Wenn ein Kunde einen Vertrag mit den Stadtwerken XY hat, dann wird auch XY künftig die Energie zur Verfügung stellen.“

Was sich ändert, der Steinfurter aber nicht merkt: Die Gebühren, die für das Bereitstellen des Steinfurter Stromnetzes für den Lieferanten anfallen, kassiert nicht mehr Westnetz, sondern die Stadtwerke.

Diese Entgelte sind übrigens die einzige Einnahmequelle für den Netzbetreiber. Rolf Echelmeyer nennt zwar immer noch nicht den Preis, den sein Unternehmen für das Netz an die Westnetz gezahlt hat, ist sich aber sicher: „Das war eine gute Investition.“ Auch wenn in den vergangenen vier Jahren noch einmal 4,2 Millionen Euro investiert werden mussten, um eine saubere Trennung der Netze hinzubekommen. „In 30 Jahren werden kaum noch Gasleitungen benötigt“, ist der Stadtwerke-Chef überzeugt. „Dann wird fast alles über Strom laufen.“ Darauf müsse sich das Unternehmen einstellen, um gerüstet zu sein für die Zukunft. „Strom wird sich zu einer tragenden Säule unseres Geschäftes entwickeln.“

Die technischen Voraussetzungen für das Umlegen des Schalters sind getroffen. So mussten die Leitungen an den Stadtgrenzen sauber „abgeklemmt“ werden. 18 sogenannte Entflechtungsmaßnahmen waren dazu notwendig. Neues Servicepersonal wurde eingestellt, Schulung war eines der zentralen Themen der Vorbereitung. Hinter den Kulissen mussten – Stichwort Datenmigration – die Angaben zu Lieferanten und Einspeisern ins eigene System eingepflegt werden.

Dass die Stadtwerke im Vergleich zum Netz-Vorbesitzer eine „kleine Klitsche“ sind, wie der Westfale sagt, muss kein Nachteil sein, ist Echelmeyer überzeugt. Den Begriff „kleine Klitsche“ hört er aber deswegen nicht gerne, weil er fest daran glaubt, „dass wir den Job genauso gut machen werden wie die Westnetz.“ Der Kunde habe den Vorteil, schnell einen kompetenten Ansprechpartner erreichen zu können. „Und keine Blechstimme“, wie Echelmeyer auf die Computer-Vermittlung in großen Callcentern anspielt.

Er ist sich sicher, dass gerade in den ersten Monaten die Kollegen an den Kundentelefonen mit Fragen bombardiert werden. „Aber auch darauf sind wir vorbereitet.“



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