So., 15.07.2018

Große Resonanz auf CDU-Sommertour mit Ziel Johanniter-Kommende in Burgsteinfurt Einblicke in eine unbekannte Welt

Mit viel Sachverstand führten Bernhard Bücker von der Fürstlichen Domänenkammer und Architekt Christoph Achterkamp die Besucher durch die Kommende.

Mit viel Sachverstand führten Bernhard Bücker von der Fürstlichen Domänenkammer und Architekt Christoph Achterkamp die Besucher durch die Kommende. Foto: nix

Burgsteinfurt - 

Die Steinfurter CDU beschäftigte sich auf ihrer Sommer-Radtour am Freitag mit dem Thema „Denkmäler“. Den Umgang mit historischer Bausubstanz, von der es in Burgsteinfurt noch reichlich gibt, ließen sich die zahlreichen Teilnehmer von Bauingenieur Bernhard Bücker näher erläutern. Exemplarisch für das Vorkommen schützenswerter Bausubstanz ist das Gebäudeensemble innerhalb der Mauern der Johanniter-Kommende gleich neben der Großen Evangelische Kirche. Sie wurde im 12. Jahrhundert gegründet und war die führende Niederlassung des Johanniterordens in Westfalen und Friesland. Ein Großteil der Häuser inklusive einer zum Wohnhaus umfunktionierten Kapelle ist bereits aufgearbeitet. Die Gebäude befinden sich allesamt im Besitz des Fürstenhauses.

Von Rainer Nix

„Wir haben hier in jüngster Zeit Einiges saniert, aber manches wurde bereits in den letzten Jahrzehnten gemacht“, so Bücker, der seit elf Jahren für die Fürst zu Bentheim’sche Domänenkammer tätig ist. Das „Haus des Komturs“ aus dem 13. Jahrhundert beispielsweise, der in alter Zeit Leiter und Verwalter der Ordensniederlassung war, wurde bereits 2011 saniert. Ein wichtiger Punkt ist, bei der Wiederherstellung historischer Bauten keine modernen Baumaterialien zu verwenden. Klassisch sind Holz, Lehm und Kalk. Aus denkmalschützerischen Motiven ist es wichtig Materialien zu nutzen, die sich bereits vor Jahrhunderten bewährten. Das hat man hier bei den Aufarbeitungen der Bausubstanz in den letzten Jahren beherzigt.

Das Wohnhaus mit der Adresse „Kommende 1“ steht seit rund fünf Jahren leer. Da es sich in einem unrestaurierten Zustand befindet, wählte es der Bauingenieur aus, um „Sünden“ früherer Restaurierungen deutlich zu machen. „Um 1900 ist der Baustoff Zement wiederentdeckt worden“, so Bücker. Er galt, machte der Experte deutlich, wie viele Baustoffe, die im Laufe der Zeit entwickelt wurden, als Allheilmittel. Im Jahr 1900 ist das gesamte Schloss ringsherum damit verputzt worden, ebenso wie das Haus Kommende 1. „Zement ist, wie man ganz klar sagen muss, eigentlich ein wunderbarer Baustoff, aber bei einer sensiblen Gebäudesanierung hat er nichts zu suchen“, betonte Bücker. Zement werde viel zu hart, zumindest wenn man ihn im Mischungsverhältnis damaliger Zeiten ansetze. Mit dem relativ weichen Untergrund, etwa Sandstein oder Backstein verträgt er sich nicht. Grob zusammengefasst hat der Baustoff die Eigenschaft, überall feine Risse zu bilden, durch die Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindringt. Im Winter kommt es dann zu „Frostsprengung“. Auch die Aufbringung von Latex-Farbe auf die Hauswand, wie Zement einst als „Allheilmittel“ betrachtet, sei kein guter Schachzug gewesen. Dennoch brach der Ingenieur eine Lanze für die einstigen Bau-Fachleute. Man könne immer nur nach dem aktuellen Stand der Technik arbeiten, so sei das auch damals besten Gewissens geschehen.

Eines der Highlights war die Besichtigung des Torhauses, in dem das Architekturbüro Christoph Achterkamp ansässig ist. Die sorgfältige Sanierung erfolgte unter größtmöglichem Erhalt der historischen Bausubstanz. Für ihre Arbeit wurden in 2017 fünf Handwerksbetriebe und Bücker mit dem zweiten Stiftungspreis des „Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege“ ausgezeichnet.



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