Do., 19.07.2018

in Hollich werden drei Bentheimer Landschafe mit der Flasche großgezogen Wollige Waisenkinder

Eike (l.) und Thomas Zimmermann haben gut zu tun, von den „halbstarken“ Lämmern nicht über den Haufen geworfen zu werden.

Eike (l.) und Thomas Zimmermann haben gut zu tun, von den „halbstarken“ Lämmern nicht über den Haufen geworfen zu werden. Foto: Bernd Schäfer

Burgsteinfurt - 

Als Thomas und Eike Zimmermann den Stall betreten, geht direkt das große Mähen los. Die acht Wochen alten Schäfchen-Drillinge wissen nämlich ganz genau, was Vater und Sohn mitbringen: Das Abendessen – in Form von zwei Milchfläschchen.

Von Bernd Schäfer

Und der Hunger ist offenbar groß. Kaum sitzen Thomas und Eike auf dem Rasen, werden sie bestürmt und bedrängt, jedes der drei wolligen Waisenkinder will als erstes dran sein. Vorsichtig, aber bestimmt schiebt Thomas Zimmermann die beiden größeren Lämmer zur Seite, damit ihr etwas kleineres Geschwisterchen zuerst ein paar Schlucke aus der Pulle nehmen kann. „Das war von Anfang an unser Sorgenkind“, sagt der Diplom-Agraringenieur.

Das kleine Trio, das von der Familie Zimmermann gerade in Hollich großgezogen wird, gehört zur Rasse der Bentheimer Landschafe, die auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten stehen.

Nach Steinfurt ist es über den Beruf von Thomas Zimmermann gekommen – er ist Geschäftsführer und Wissenschaftlicher Leiter des Naturschutzzentrums Kreis Coesfeld. Und die Bentheimer Landschafe gehören dort sozusagen zu seinen „Angestellten“: Sie sorgen dafür, dass der ehemalige Truppenübungsplatz Haltern mit seinen Heiden und Sandtrockenrasen als wertvolle Landschaft und nationales Naturerbe erhalten bleibt. „Sie sind sehr robust und eigens für Heidegebiete gezüchtet.“ Auf dem etwa zehn Hektar großen Gelände in Haltern sind auch die drei Jungschafe zur Welt gekommen. Allerdings starb ihre Mutter zwei Wochen nach der Geburt. „Im vergangenen Jahr haben wir schon einmal ein Lämmchen großgezogen – da habe ich eben diesmal alle drei mit nach Hause genommen“, erzählt Zimmermann die Geschichte des Familienzuwachses. Dreimal am Tag gibt es seitdem eine speziell auf Lämmer abgestimmte Milchmischung aus der Flasche. Und obwohl mittlerweile auch schon selbst von der Wiese gezupfte Grashalme den Speiseplan bereichern, gehört der Schluck Milch einfach noch dazu.

Wenn der bald nicht mehr benötigt wird, sollen die drei Halbstarken zurück nach Haltern in ihre Herde gebracht werden. Allerdings mit etwas Verzögerung: Am 8. September nehmen die Bentheimer Landschafe als Darsteller am Historienspiel „Anno 1604“ teil. Damit sie bis dahin nicht zu wild werden, sollen sie noch engen Kontakt zu den Zimmermanns haben. „Das ist deine Aufgabe für die Sommerferien“, lacht Thomas seinen Sohn Eike an. „Du musst dich jeden Tag mit ihnen beschäftigen, damit sie zahm bleiben.“



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