Di., 24.07.2018

Serie Wegbereiter 2018/2019: Empac aus Emsdetten In den Beruf und ins Leben

Wegbereiter in der Emsdettener Firma Empac (v.l.): Michael Hans (Geschäftsführer), Jörg Wendel (Betriebsleiter), Ghulnazim Shams (Auszubildender), Richard Sievers (Geschäftsführer), Malakmir Safi (Auszubildender) und vom Verein „Lernen fördern“ Stefan Gebert (Lehrkraft) sowie Simone Bolik (Pädagogische Fachkraft).

Wegbereiter in der Emsdettener Firma Empac (v.l.): Michael Hans (Geschäftsführer), Jörg Wendel (Betriebsleiter), Ghulnazim Shams (Auszubildender), Richard Sievers (Geschäftsführer), Malakmir Safi (Auszubildender) und vom Verein „Lernen fördern“ Stefan Gebert (Lehrkraft) sowie Simone Bolik (Pädagogische Fachkraft). Foto: Lernen fördern

Kreis Steinfurt - 

Der „Lernen fördern“- Kreisverband Steinfurt hat 94 Unternehmen aus dem Kreis mit dem Siegel „Wegbereiter 2018-2019“ für die „Wahrnehmung unternehmerischer Sozialverantwortung“ ausgezeichnet. Den „Weg bereiten“ diese Betriebe Menschen mit einem besonderen Unterstützungsbedarf durch nachhaltige Arbeits- und Ausbildungsplatzverhältnisse in ihren Unternehmen, die von Fachkräften des Vereins angebahnt worden sind und begleitet werden. Wir stellen in loser Folge einige Beispiele aus der Praxis vor. Heute: Empac aus Emsdetten.

Die Emsdettener Highlander Games: ein Team der Firma Empac im Gewerbegebiet Süd an der Hollefeldstraße in Emsdetten ist dabei. „Spiel ohne Grenzen in schottischem Outfit“ – zwei Auszubildende zum Anlagen- und Maschinenführer nehmen daran teil. Sie machen Selfies von diesem spektakulären Event. Alles normal? Ja, die Selfies senden die Azubis an ihre Familie und Freunde in Afghanistan.

Ghulnazim Shamsi (21) und Malakmir Safi (25) sind 2015 nach Deutschland gekommen. Es begann mit einem Praktikum in dem Betrieb, der seit 2012 von Michael Hans und Richard Sievers geleitet wird. „Flexible Schüttgutbehälter“ produziert die Firma von groß (zwei Tonnen Milchpulver) bis klein (20-Liter-Behälter für die Pharmaindustrie). Die Kunden befinden sich auf der ganzen Welt. 76 Mitarbeiter zählt das Unternehmen. „Davon neun Auszubildende in vier Ausbildungsberufen“, so Hans, der am Gespräch im Arbeitskittel teilnimmt, da er auch „immer wieder in der Halle“ ist. Ein Selfmademan mit Herz, so könnte man ihn beschreiben. „Ich hab ’ne Ausbildung als Gas- und Wasserinstallateur gemacht, soll man nicht glauben“, so Hans. Er hat bei der Vorgängerfirma gearbeitet, auch als Betriebsratsvorsitzender. Er wisse, wovon er spreche, da er schließlich „auf der anderen Seite“ war. Eine Ausbildung hält er für wichtig. Und daher hat er auch den jungen Afghanen eine Chance gegeben.

„Die haben sich hier gut angestellt und sind hoch motiviert“, so Hans. Aber es mussten Hürden genommen werden, selber hat man sich zusammen mit dem Betriebsleiter Jörg Wendel bei der Berufsschule in Steinfurt erkundigt und die jungen Männer zur Ausländerbehörde zwecks Asylantrag begleitet. „Wir haben Fahrräder zur Verfügung gestellt!“, so Hans. Und den Hut ziehe er vor Ghulnazim Shamsi, der täglich mit dem Fahrrad aus Greven kommt und immer pünktlich um 6.30 Uhr da ist. Geschäftsführungskollege Richard Sievers hat Fachliteratur Deutsch-Afghanisch besorgt. Und dann kam der Verein „Lernen fördern“ ins Spiel.

Der Kontakt zu den pädagogischen Fachkräften besteht schon seit Jahren. Immer wieder gibt es Kooperationen, machen Teilnehmer des „Lernen fördern“ Praktika bei Empac, gibt es eine gemeinsame Unterstützung von jungen Menschen auf dem Weg in den Beruf und ins Leben.

Jetzt ging es um die Förderung ergänzend zur Berufsschule. Zweimal in der Woche gehen die jungen Afghanen nach der Berufsschule zum „Lernen fördern“ an die Rheiner Straße. Stefan Gebert und Simone Bolik sind die „Lernen fördern“-Mitarbeitenden, die Shamsi und Safi zur Seite stehen.

„Ausbildungsbegleitende Hilfen“ heißt das Förderprogramm. Es gibt Stütz- und Förderunterricht. Und es klappt gut. Die Prüfung werden sie meistern und eine Zukunft bei Empac „sieht ganz gut aus“, so Hans. Auch möchte er eine weitere Lanze für die geflüchteten Menschen brechen. Viel zu häufig, so findet er, müssen die jungen Männer für Behördengänge freigestellt werden. „Muss das sein? Können die nicht die Finger von denen lassen, solange wie die bei uns in der Ausbildung sind?“

Die beiden sympathischen jungen Männer fühlen sich bei Empac sichtlich wohl. Am Tisch wird geflachst und viele Sätze beginnen mit „wisst ihr noch als . . ?“. Auch mit der deutschen Sprache kommen die beiden jungen Männer inzwischen gut klar. So gut, dass Ghulnazim Shamsi nun auch versteht, warum er den Security-Mann in seiner ersten Flüchtlingsunterkunft im tiefsten Bayern nicht verstanden hat. „Ich dachte damals: Das ist doch kein Deutsch,“ so erinnert er sich.

„GUT für mich“, so lautet der Slogan des renommierten Emsdettener Unternehmens und stellt damit den Bezug zum „Schüttgut“ her, aber auch gut ist dieses Unternehmen für Menschen, die einen besonderen Unterstützungsbedarf haben.



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