Fr., 27.07.2018

Einige Handwerker gehen Aufträgen der Stadt Steinfurt lieber aus dem Weg „Das haben sie selbst in der Hand“

In Zeiten wie diesen können sich Handwerksbetriebe aussuchen, für wen sie arbeiten wollen. Dadurch stehen Kommunen in Konkurrenz zueinander – wer als attraktiver Auftraggeber bekannt ist, erhält auf Ausschreibungen die meisten Angebote.

In Zeiten wie diesen können sich Handwerksbetriebe aussuchen, für wen sie arbeiten wollen. Dadurch stehen Kommunen in Konkurrenz zueinander – wer als attraktiver Auftraggeber bekannt ist, erhält auf Ausschreibungen die meisten Angebote. Foto: pixabay

Steinfurt - 

„Die Stadt ist ein ganz schlechter Zahler. Das spricht sich natürlich herum“, sagt der Chef eines Handwerksbetriebs, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Von Bernd Schäfer

Am Donnerstag haben wir an dieser Stelle darüber berichtet, dass die Stadt Steinfurt derzeit arge Probleme hat, Aufträge an Handwerksbetriebe zu vergeben. Auf gleich zwei Ausschreibungen habe es zuletzt gar genau null Resonanz gegeben.

Gleich am nächsten Morgen rief der oben zitierte Handwerker an und berichtete, dass die hohe Auslastung nicht der einzige Grund sei, warum er sich nicht an Ausschreibungen der Stadt Steinfurt beteilige: Sehr oft seien in der Vergangenheit Rechnungen erst spät oder mit für ihn fadenscheinigen Argumenten unvollständig beglichen worden.

Tatsächlich ist er nicht der einzige mit dieser Ansicht. „Die Stadt Steinfurt bezahlt unfassbar schlecht“, bestätigt ein anderer Handwerksmeister auf Anfrage. „Und es wird immer versucht, Abschläge wegen angeblich nicht oder unzureichend ausgeführter Leistungen zu machen.“ So wie diese beiden äußerten sich weitere örtliche Betriebe.

Holger Palstring, Geschäftsführer des gleichnamigen Küchenherstellers, sieht das Problem von der anderen Seite. „Für viele Firmen ist es schwierig, prüfbare Rechnungen zu schreiben“, sieht er den Grund für Unstimmigkeiten bei den Zahlungen eher im komplexen Vergabeverfahren. „Ein Leistungsverzeichnis ist heute schnell mal 50 bis 60 Seiten dick.“

Speziell auf Steinfurt eingehen möchte Knut-Rüdiger Heine zwar nicht. Allgemein sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Münster aber: „Es ist bekannt, dass öffentliche Auftraggeber schlecht bezahlen.“

Vor allem zum Jahresende hin, wenn die Haushaltskassen leer seien, würden Zahlungen gerne ins nächste Jahr verschleppt. Außerdem hätten viele Gemeinden keine eigenen Ingenieure mehr, die überhaupt vernünftige Leistungsverzeichnisse erstellen könnten. Wenn es dann zu Unstimmigkeiten komme, liege das Risiko immer bei den Betrieben. Andererseits sei aber auch wahr: „Es gibt eklatante Unterschiede zwischen den Kommunen“, sagt Heine mit Blick auf gute Zusammenarbeit und Zahlungswilligkeit. Und das spreche sich natürlich in Handwerkerkreisen herum. „Wenn ich ein attraktiver Auftraggeber bin, finde ich auch Betriebe, die für mich arbeiten wollen“, ist Heine überzeugt. „Das haben die Kommunen selbst in der Hand.“

Auch die Klagen über zu hohe Preise könnten hausgemacht sein: „Wenn ich den Auftrag eigentlich gar nicht haben will, dann setze ich eben einen überhöhten Preis an.“ Prinzipiell sei es ein ganz schlechtes Zeichen für eine Kommune, wenn lokale Firmen keine Aufträge annehmen wollen: „Dann kommen plötzlich Betriebe von außerhalb, die natürlich auch mehr Geld verlangen.“



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