Mi., 01.08.2018

Ute Pazda überlässt dem Heimatverein eine Bündelabteilmaschine zur Herstellung von Bürsten und Besen Haarige Technik

Burchard Hille (l.) und Franz-Josef Schönebeck konnte die Bündelabteilmaschine und eine Kiste voller Rohlinge jetzt bei Ute Pazda (M.) in der ehemaligen Werkstatt in der Altemarktstraße abholen.

Burchard Hille (l.) und Franz-Josef Schönebeck konnte die Bündelabteilmaschine und eine Kiste voller Rohlinge jetzt bei Ute Pazda (M.) in der ehemaligen Werkstatt in der Altemarktstraße abholen. Foto: Bernd Schäfer

Borghorst - 

Wie die Maschine genau funktioniert, müssen Burchard Hille und Franz Josef Schönebeck noch lernen. Ute Pazda hat sie dagegen noch in Aktion gesehen – damals, als August Pasda das Handwerk des Bürsten- und Besenmachers ausübte. „Aber auf sowas achtet man als Kind ja nicht so genau“, bedauert sie es heute ein wenig, ihrem Onkel nicht ein bisschen genauer bei der Arbeit zugesehen zu haben.

Von Bernd Schäfer

Recken vom Borghorster Heimatverein, die die Bündelabteilmaschine, wie das Gerät mit der geheimnisvollen Technik heißt, am Mittwochmorgen in der ehemaligen Werkstatt in der Altemarktstraße abholen durften, noch erinnern, genau wie an die Zeit, als Bürsten und Besen nicht im Supermarkt, sondern beim Handwerker gekauft wurden. „Als Kind wurde ich einige Male hierher geschickt: ‚Geh mal schnell zu Pasda und kauf eine neue Bürste‘“, erinnert sich Burchard Hille.

Mit der Maschine konnten aus einem dicken Bündel Haare viele kleine abgeteilt werden, die dann mit Draht umzogen und in die Holzrohlinge eingefädelt wurden. Auch eine Kiste dieser Rohlinge hat Ute Pazda dem Heimatverein übergeben.

„Meine Tante hat mir erzählt, dass das Rosshaar – und zwar nur vom Schweif, nicht von der Mähne – bei den Bauern gekauft wurde. Dann wurde es geschnitten und in kleinen Bündeln mit Garn umwickelt, damit es sich nicht kräuselte, wenn es anschließend gekocht wurde. Durch das Kochen wurden die Haare sauber und weicher“, weiß Ute Pazda noch.

Ihr Großvater Dionysius (kl. Bild l.) gründete den Betrieb an der Altemarktstraße in den 1920er Jahren, später wurde aus der Bürstenbinderei eine Art Recyclinghof, wie man es heute nennen würde: Hier wurden Metalle und Textilien angenommen, sortiert und weiterverkauft. Aber eben auch immer noch das Bürstenbinderhandwerk ausgeübt.

Neben dem „Werksverkauf“ gab es auch einen Lieferdienst: August Pasda (kl. Bild r.) klapperte oft mit einem Bulli die umliegenden Bauernhöfe ab, um seine Erzeugnisse direkt vor Ort an den Mann zu bringen.

Oft wurde ein Ersatz allerdings nicht gebraucht, denn die in Handarbeit gefertigten Bürsten und Besen waren äußerst stabil und langlebig. „Mein Onkel ist immer mit Liebe zum Detail bei der Sache gewesen“, weiß Ute Pazda noch.

Dabei hält sie eine Bürste in der Hand, in die mit unterschiedlichen Haarfarben die Jahreszahl 1934 eingezogen ist – und die aussieht, als wenn sie gerade erst angefertigt worden wäre. Seit über 30 Jahren stand die Bündelabteilmaschine zuletzt unbenutzt in der Werkstatt herum. Deshalb entschloss sich Ute Pazda jetzt, sie dem Borghorster Heimatverein zu überlassen. „Ich bin froh, dass ich sie dort in Sicherheit weiß“, sollte das Gerät nicht irgendwo verschwinden. „Außerdem empfinde ich die Erhaltung des Wissens über alte Traditionen und Berufsstände für die nächsten Generationen als überaus wichtig und wertvoll.“

Obwohl den Heimatvereins-Mitgliedern das Wissen um die Funktionsweise bislang noch fehlt, soll sie keineswegs dauerhaft arbeitslos herumstehen. „Wir haben schon mit einem Bürstenmacher aus Emsdetten gesprochen“, sagt Franz Josef Schönebeck. „Der kommt im Oktober, um uns die Maschine vorzuführen und sich dabei filmen zu lassen.“ Bei ihm wollen die Heimatvereinsmitglieder dann gleich auch in die Lehre gehen – um im Heimathaus ein weiteres altes Handwerk an einer originalen Maschine zeigen zu können.



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