Fr., 03.08.2018

Matthias Gudorf ist seit 32 Jahren Mitglied der LSG Steinfurt Fliegerglück ist hart erarbeitet

Matthias Gudorf hat schon 1300 Flugstunden auf dem Buckel. Das Fliegen ist seine große Leidenschaft, die es ohne das Engagement vieler nicht geben würde.

Matthias Gudorf hat schon 1300 Flugstunden auf dem Buckel. Das Fliegen ist seine große Leidenschaft, die es ohne das Engagement vieler nicht geben würde. Foto: Axel Roll

Borghorst - 

Der Boxermotor kann sich hier in 500 Fuß Höhe von den Start-Anstrengungen erholen. Matthias Gudorf nimmt das Gas zurück, passt die Propellereinstellung an. Der Vierzylinder brummelt gut gelaunt unter der Motorhaube vor sich hin und treibt die Bravo-Lima mit Tempo 130 Richtung Norden.

Von Axel Roll

Gudorf deutet zum Horizont, wo kleine weiße Wölkchen aus einem noch kleineren Schornstein gemächlich nach oben steigen: „Super Sicht heute. Da unten, das ist das Kraftwerk in Meppen.“ Erst weit dahinter verschwimmt der bleigraue Himmel mit dem noch dunkleren Horizont.

Am Boden hat der Motorsegler-Pilot noch versucht zu erklären, warum er die vielen Arbeitsstunden für die Luftsportgemeinschaft Steinfurt nur zu gerne in Kauf nimmt. Jetzt wird klar, was er gemeint hat: „Spätestens beim nächsten Flug sind alle Mühen und aller Ärger verflogen.“ Verflogen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Glücksmomente wie diese sind hart erarbeitet. „Ohne das Engagement von ganz vielen aktiven Vereinsmitgliedern würde das alles nicht funktionieren“, sagt der 51-jährige Borghorster. Und bezahlbar wäre es für einen Hobbyflieger wie ihn schon gar nicht.

Die Flugzeuge müssen gewartet und in Stand gehalten werden, Platz und Clubheim gepflegt, der Behördenkram erledigt werden. Fluglehrer übernehmen ehrenamtlich die Ausbildung des Nachwuchses. Matthias Gudorf könnte die Liste beliebig fortsetzen. Er selbst ist seit 32 Mitglied der Luftsportgemeinschaft, seit über 20 Jahren im Vorstand aktiv, zurzeit als der Zweite Vorsitzender.

Er weiß, wovon er redet. So fliegt er nicht nur die blau-weiße Bravo-Lima, die ihren Namen von den beiden letzten Buchstaben ihrer Kennung hat. Er ist auch als Motorseglerwart für ihren technisch einwandfreien Zustand verantwortlich. Und damit sind nicht nur die Routinekontrollen von Ölstand, Leitwerk und Propeller vor jedem Start gemeint. Der Extremfall wartet in der Vereinswerkstatt hinten im Füchtener Hangar auf seine Fertigstellung: Die orange-blaue KITY, Baujahr 1974, wird seit vier Jahren vom blanken Stahlrohrgerüst aus komplett neu aufgebaut. „Ich bin gerade bei der Seitenrudersteuerung“, erläutert der Motorseglerwart, der für seine Qualifizierung zahlreiche Lehrgänge besuchen musste.

Ist das Vereinsleben damit für den Mitarbeiter des münsterischen Ordnungsamtes nur Mittel zum Zweck, um sich den Traum vom Fliegen zu erfüllen? Matthias Gudorf winkt ab. „Nein, auf keinen Fall. Fliegen verbindet. Du schließt feste Freundschaften. Und außerdem kannst du Gleichgesinnten das Erlebte erzählen.“ Ohne den Verein, „da würde mir was fehlen“.

1300 Flugstunden hat der gelernte Tischler, der nach der Zwischenstation Bundeswehr beruflich bei der Verwaltung landete, inzwischen auf dem Buckel. Brenzlig wurde es in der Zeit nur einmal. „Und das ist 20 Jahre her.“ Beim Anflug auf Malmö in Schweden wollte der Motor auf einmal nicht mehr. Ein rettender Acker für die Notlandung war zum Glück nicht weit.

Schöne Momente, die gibt es dagegen zu Hauf. Erst am Dienstag, da krabbelte der Borghorster ganz früh aus den Federn, um den Sonnenaufgang in der Luft zu erleben. Gudorfs Augen leuchten. „Einfach ein unbeschreiblicher Moment, wenn die Sonne über den Horizont kommt. Das ist Gänsehaut pur.“ Und dafür steht er am Abend gerne in der Werkstatt und macht beim Boxermotor der Bravo-Lima den 100-Stunden-Check. Damit der auch beim nächsten Flug so schön von vorne brummen kann.



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5951415?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F