Do., 09.08.2018

Ochtrup macht es vor, CDU stellt einen Antrag Mit Whatsapp ins Rathaus

Der Whatsapp-Service der Ochtruper Stadtverwaltung wird seit zwei Jahren sehr gut angenommen. An die 30 Meldungen gehen jeden Monat über den Dienst ein.

Der Whatsapp-Service der Ochtruper Stadtverwaltung wird seit zwei Jahren sehr gut angenommen. An die 30 Meldungen gehen jeden Monat über den Dienst ein. Foto: Anne Spill

Steinfurt - 

Wer weiß, mit Whatsapp wäre das vielleicht nicht passiert. So ärgert sich Dr. Ernst Iffland, wie er der Redaktion in einer Mail mitteilt, über eine Stadtverwaltung, die sich nicht meldet. Er hatte ihr vorgeschlagen, einen Wassersack für den städtischen Baum vor seiner Haustür zu sponsern. „Einer Antwort sehe ich nach zehn Tagen immer noch entgegen“, schreibt der Steinfurter.

Von Axel Roll

Seinen Vorschlag hatte er dem Rathaus per Internet-Kontaktformular unterbreitet. Andere Nachbarkommunen bieten ihren Bürgern noch eine weitere, mittlerweile weit verbreitete Möglichkeit der Nachrichtenübermittlung an: Whats­app. Die Stadt Ochtrup macht das schon seit zwei Jahren. „Mit den besten Erfahrungen“, wie Kämmerer Roland Frenkert betont.

Die Steinfurter CDU-Fraktion hat die Idee inzwischen aufgegriffen und in einem Antrag an die Bürgermeisterin verarbeitet. „Um den Bürgern eine umfassende Kommunikationsmöglichkeit anzubieten, möchten wir die Stadt Steinfurt bitten, diese Möglichkeiten zu überprüfen und sich gegebenenfalls mit anderen Kommunen über ihre Erfahrungen auszutauschen“, schreiben die Christdemokraten an die Bürgermeisterin.

Bislang hat es in der Verwaltung keine Vorstöße in diese Richtung gegeben, wie eine Nachfrage im zuständigen Fachdienst ergab. In Steinfurt gibt es immer noch die unter Bürgermeister Franz-Josef Kuß eingeführte Bürgerkarte, mit der Mängel wie zugewucherte Wege oder Schlaglöcher gemeldet werden können. Für defekte Straßenlaternen gibt es eine 24-Stunden-Hotline. Eine Rückmeldung auf seine Anregungen bekommt der Steinfurter in der Regel nicht.

Da sind die Ochtruper offensichtlich schon weiter, wie Kämmerer Roland Frenkert erläutert. Zum einen bekomme jeder, der den Whats­app-Service nutze, sofort eine standardisierte Nachricht. Die Mängel-Meldung werde sodann an den zuständigen Fachdienst weitergeleitet, um sich des Problems anzunehmen.

Frenkert selbst ist es, der das Diensthandy meistens in der Tasche hat. Auch am Wochenende und in der Freizeit. „Irgendwie ist das bei mir hängengeblieben“, lacht der Kämmerer. Für ihn aber kein Problem. Eine moderne Verwaltung müsse solche Dienstleistungen einfach erbringen.

An die 30 Nachrichten ploppen bei Frenkert im Monat auf. Gerade erst waren es Meldungen über illegale Müllentsorgung und ein stehengelassenes Absperrgitter. Nach dem Motto, wer A sagt, muss auch B sagen, hat die Ochtruper Verwaltung auch im Sommer für den Bauhof eine 24-Stunden-Bereitschaft eingerichtet. Roland Frenkert: „Wenn nachts ein Zaun auf die Straße geweht wird, müssen wir doch sofort reagieren.“

Was den Kämmerer besonders freut, ist die Tatsache, dass die Hemmschwelle bei den Bürgern sinkt, sich an die Verwaltung zu wenden. Dabei sind sich die Verantwortlichen der Datenschutzproblematik bewusst. „Wir speichern nichts“, betont Roland Frenkert. Allerdings werde anonymen Hinweisen nicht nachgegangen. Darum sei es ihm sogar am liebsten, wenn die Bürger ihr Anliegen und ihren Namen in getrennten Nachrichten schicken würden. Auf ihrer Homepage verweist die Stadt Ochtrup auf die Nutzungsrichtlinien von Whatsapp und der jeweiligen Smartphone-Hersteller.

Frenkert weiß, dass es Bürger gibt, die Whatsapp nicht über den Weg trauen und deshalb diesen Dienst nicht nutzen. „Denen steht immer noch der normale Weg ins Rathaus offen.“ Er könne anrufen, schreiben oder persönlich vorbeikommen. Whatsapp sei auch nur als Ergänzung zu verstehen.

Zwei Jahre nach Einführung zieht der Kämmerer eine durchweg positive Bilanz. „Ich kann wirklich nur Gutes berichten“, sagt er gegenüber dieser Zeitung. Rückmeldungen aus der Bürgerschaft habe es viele gegeben, die überwiegende Mehrzahl begrüße das neue Angebot. Darum gebe es inzwischen Überlegungen, diesen Kommunikationsweg auch in Richtung Bürger zur nutzen. Vorbild für die Ochtruper ist der Nachbar Wettringen. Die dortige Verwaltung verschickt über Whats­app einen Newsletter. Frenkert schwebt für Ochtrup ein Nachrichtendienst mit kurzen Meldungen – „wie bei Twitter“ – vor.

Für die Steinfurter CDU muss sich – ob mit Whatsapp oder ohne – auf jeden Fall Grundsätzliches ändern. Bei den Sommerradtouren der Partei, so heißt es in dem Antrag an die Bürgermeisterin, „werden wir häufig auf mangelnde Resonanz auf Bürgereingaben, Bitten und Beschwerden hingewiesen“.



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