Di., 14.08.2018

Edith Schwager: 82 Jahre und kein bisschen greise „Ich mach‘s einfach gerne!“

Trotz ihrer 82 Jahre engagiert sich Edith Schwager immer noch in zahlreichen Vereinen. Wenn sie Resonanz auf ihre Arbeit bekommt, freut sie sich.

Trotz ihrer 82 Jahre engagiert sich Edith Schwager immer noch in zahlreichen Vereinen. Wenn sie Resonanz auf ihre Arbeit bekommt, freut sie sich. Foto: Claudia Mertins

Burgsteinfurt - 

Wer kennt sie nicht? Die Frau, die sich bei Wind und Wetter auf ihr Fahrrad gesetzt hat, um ihre ehrenamtlichen Termine in mindestens vier Steinfurter Vereinen wahrzunehmen? Die verlässliche, feste Größe bei so ziemlich allen sozio-kulturellen Veranstaltungen dieser Stadt? Inzwischen geht die 82-jährige sicherheitshalber zu Fuß, immer mit heiterem Gesicht und hellwachen Augen, zielstrebig und gelassen zugleich. Die Rede ist – wie auf nebenstehendem Foto unschwer zu erkennen – von Edith Schwager.

Von Claudia Mertins

Ob als Märchenerzählerin, als Mitglied und Leiterin von zahlreichen kirchlichen Gruppen, als aktive Kneippianerin oder langjährig Engagierte in der Eine-Welt-Gruppe: Edith Schwager hat im Laufe ihres Lebens so viele Ehrenämter bekleidet und auf ihre Art geprägt, dass man weder die Stunden zählen, noch die positiven gesellschaftlichen Auswirkungen ermessen kann.

Und dennoch zieht sie bei der Titulierung „Vereinsmeier“ die Stirn kraus und behauptet glatt: „Ich fühle mich als Einzelkämpferin, bin von Jugend auf gewohnt, mich alleine zu beschäftigen, zu informieren und weiterzubilden.“ Wie diese Selbsteinschätzung zu ihrem großen sozialen Engagement passt, lässt sich am besten aus ihrer Lebensgeschichte und dem Streben nach Bildung erklären.

1936 in Hof geboren, wächst sie mit ihrem älteren Bruder bei der Mutter auf, ihr Vater fällt im Krieg. Edith Schwager zeigt zwei antiquarische Bücher aus dieser Zeit, die ihr Interesse an Kunstgeschichte und Pflanzenkunde nachhaltig angeregt haben. Nach dem Abitur arbeitet sie als Laborantin und lernt dort ihren Mann Erich kennen. Dieser erhält 1966 einen Ruf an die Ingenieurs-Schule nach Burgsteinfurt, die junge Familie kommt mit drei Kindern, drei weitere werden hier geboren. Da beide Eheleute gläubige Christen sind, schließen sie sich bald dem akademischen Hauskreis an und übernehmen den Kindergottesdienst in der evangelischen Gemeinde. Auch aufgrund ihrer eigenen familiären Situation sieht Edith Schwager den Bedarf an Kontaktmöglichkeiten für junge Mütter und initiiert 1979 einen Mutter-Kind-Spielkreis, den sie bis 1992 geleitet hat.

Die Kompetenzen dafür hat sie in einem Fernstudium für Mitarbeiter in der Erwachsenenbildung der westfälischen Landeskirche erworben, außerdem hat sie sich per Funkkolleg in vielen Bereichen weitergebildet, was zahlreiche Zertifikate belegen. „Ich war immer an allem interessiert und sehr unternehmungslustig“, sagt Edith Schwager und fügt sofort hinzu: „Ohne die Unterstützung meines Mannes, der während der Seminare die sechs Kinder versorgt hat, hätte ich das nicht gekonnt. Er hat mir Mut gemacht und mich auch unterstützt, als ich mich intensiv mit der feministischen Theologie auseinander gesetzt habe.“ In hiesigen Kirchenkreisen kam sie damit nicht gut an: „Das war für die Steinfurter zu fremd, die wollten lieber in Ruhe Kaffeetrinken“.

16 Jahre lang war Edith Schwager Presbyterin und wurde Mitglied der Frauenhilfe. Als in den 80er Jahren die Fair-Trade-Bewegung entstand, war sie eine der Ersten, die Bananen aus Nicaragua verkaufte. Schließlich gründete sie mit anderen die Steinfurter Eine-Welt-Gruppe, für die sie bis heute tätig ist.

Das Erzählen lag ihr schon immer im Blut, aber zur professionellen Märchenerzählerin wurde Edith Schwager erst durch die schwere Erkrankung einer ihrer Töchter. Auch in diesem Fall ergriff sie die Gelegenheit, sich umfassend in eine Thematik einzuarbeiten und wurde Mitglied der Europäischen Märchengesellschaft in Rheine. Dass sich neben dem kreisweiten Publikum auch die 18 Enkelkinder über diese Gabe der lebensklugen Oma freuen, liegt auf der Hand.

Ein weiterer Verein, der die engagierte Frau zu den aktiven Mitgliedern zählen darf, ist der Steinfurter Kneipp-Verein. Hier praktiziert Edith Schwager Qi Gong und leitet seit 2001 den Seniorentreff, wo sie unter anderem Vorträge über ihre vertieften Hobbys hält. „Ich möchte das, was ich gelernt habe, weitergeben, egal ob an Jung oder Alt“, lautet ihr Credo. Und wenn sie ihre Zuhörer erreicht, Resonanz bekommt, dann sei das ihr Lohn, so sagt sie.

Ganz nebenbei und nur der Vollständigkeit halber, erwähnt sie ihre „passive“ Mitgliedschaft beim Heimatverein, dem Förderverein der Bücherei, dem Lesekreis der FBS und den Naturschutzorganisationen BUND und Nabu. Und dann fällt Edith Schwager noch der Bürgerbus ein, zu dem sie in ihrer Zeit als Senioren-Beirätin, den Anstoß gegeben hat und von dem sie heute selber profitiert. Ach ja, und Vorlesepatin war sie auch, ganz zu schweigen von dem Wanderverein im Frankenwald…



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