Di., 14.08.2018

„Anno 1604“ Kleine Nager im Trainingslager

Als sie die silbergrauen Tiere sah, dachte Anke Krohme direkt ans Ratten-Roulette beim Historienspiel „Anno 1604“

Als sie die silbergrauen Tiere sah, dachte Anke Krohme direkt ans Ratten-Roulette beim Historienspiel „Anno 1604“. Foto: Bernd Schäfer

Burgsteinfurt - 

Im Mittelalter war das Rattenroulette ein beliebter Zeitvertreib auf Jahrmärkten. Kein Wunder, dass es auch beim Historienspiel „Steinfurt anno 1604“ gezeigt wird. Allerdings kommen nicht die Nager mit den langen Schwänzen zum Einsatz, sondern Meerschweinchen. Die WN schauten bei der Vorbereitung auf den tierischen Auftritt vorbei.

Von Bernd Schäfer

Im Mittelalter war das Rattenroulette ein beliebter Zeitvertreib auf Jahrmärkten. Allerdings sind die Nager mit den langen Schwänzen nicht jedermanns Sache.

Da sind die Meerschweinchen von Anke Krohme doch viel niedlicher. Und sehen dank ihrer Farbe „silberagouti“ den originalen Roulette-Akteuren immerhin einigermaßen ähnlich. Schon vor drei Jahren hat Familie Krohme bei „Anno 1604“ mit dem „Ratten-Roulette“ teilgenommen. Seitdem stand die Arena, ein sechseckiger Holzboden, der an den Seiten stilecht mit Weidenästen und Jutetüchern eingegrenzt ist, im Schuppen.

Jetzt haben Anke und Klaus Krohme sie wieder hervorgeholt, um mit den neuen vierbeinigen Darstellern trainieren zu können: „Ab jetzt kommen sie jeden Tag dort hinein, damit sie sich daran gewöhnen“, erzählt Anke Krohme, während sie die Ratten-Doubles aus ihrem Meerschweinchenparadies holt: Einem großen Stall, der einen direkten Zugang zu einem großen Außengehege hat. Und sei weiß, wie man die kleinen Diven bei Laune hält: „Ich füttere sie mit Gurken an, damit sie das ganz toll finden. Auf die fahren sie voll ab.“

Dass diesmal, anders als vor drei Jahren, keine gewöhnlichen Meerschweinchen zum Einsatz kommen, ist eigentlich ein Zufall. „Ich habe die in einer Kleinanzeige gefunden“, sagt Anke Krohme. Und bei der silbergrauen Fellfarbe direkt an das Ratten-Roulette gedacht. Zwei trächtige Weibchen erstand sie, die bald Nachwuchs bekamen. „Eine Mutter ist zwei Wochen später gestorben. Da war es toll zu sehen, welch ein ausgeprägtes Sozialverhalten die Tiere haben – die andere Mutter hat sich direkt um die anderen Jungen mitgekümmert.“

Damit es im Stall nicht zu voll wird, lebt darin eine reine Frauengesellschaft. „Die Böcke habe ich einer Freundin gegeben, die nur Böcke hat“, beschreibt die Hollicherin die Art der Geburtenkontrolle. Weil die Meerschweinchen normalerweise ein artgerechtes Leben im Gehege führen, sind sie die menschliche Nähe nicht gewöhnt. „Das sind eigentlich keine Kuscheltiere, die finden das nicht so gut, wenn man sie ständig in die Hand nimmt“, begründet Anke Krohme, warum ihre „nicht wirklich handzahm“ sind.

Aber auch wenn sie ihr vielleicht nicht gerade freudestrahlend entgegenlaufen – wirkliche Fluchtversuche unternehmen sie auch nicht, als sie eines nach dem anderen aus dem Gehege gefangen und in die Arena umgesetzt hat.

Dort zeigen sie gleich, warum sie bestens geeignet für das Roulette-Spiel sind: Nachdem sie sich einmal kurz umgesehen haben, verschwinden sie in einem der extra dafür bereit stehenden Häuschen. Beim 1604-Historienspiel können die Besucher dann Geld darauf setzen, in welchem der Häuschen das Meerschweinchen – pardon, die Ratte – verschwinden wird. „Was dann überbleibt, wird einem guten Zweck gespendet“, erklärt Anke Krohme.

Dabei steht übrigens immer nur eines der Tiere in der Arena – die anderen können derweil auf der „Ersatzbank“ entspannen. Dort können sie das Catering genießen: „Die mögen eigentlich alles, was aus unserem Garten kommt. Heu und Grünzeug, dann sind die glücklich.“



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