Mi., 15.08.2018

Roland Schrief hat einen 52 Jahre alten Volvo Amazon in 4000 Stunden restauriert „Mal eben“ vier Jahre

Roland Schrief hat 4000 Arbeitsstunden in seinen 52 Jahre alten Volvo Amazon gesteckt. Das Auto hat seinen ganz eigenen Stil.

Roland Schrief hat 4000 Arbeitsstunden in seinen 52 Jahre alten Volvo Amazon gesteckt. Das Auto hat seinen ganz eigenen Stil. Foto: Axel Roll

Steinfurt - 

„Guck mal, was hat er denn da?“ Es war nicht mehr als eine kleine Macke, die dem Freund unterhalb der Fahrertür ins Auge gesprungen war. „Lass uns die Kiste mal eben auf die Bühne fahren.“ Hätte Roland Schrief nur geahnt. . .

Von Axel Roll

Aus „mal eben“ wurden vier lange Jahre. An seinem gerade für 3500 Euro in Hamburg erstandenen Volvo Amazon Coupé, Baujahr 1966, blieb während optimistisch geschätzter 4000 Werkstattstunden nicht eine Mutter auf ihrer Schraube. Jedes, aber auch wirklich jedes Bauteil wurde zerlegt, bestenfalls nur gereinigt, meistens aber aufwendig instand gesetzt, oft auch gegen ein Ersatzteil ausgetauscht. Schon nach den ersten Schrauberstunden musste der in diesem Augenblick gar nicht mehr so stolze Besitzer des schwedischen Oldtimers erkennen: „Hätte ich gewusst, welche Katastrophen ich da unter der Karosserie bewege, ich wäre nach dem Kauf nie und nimmer durch den Elbtunnel nach Hause gefahren.“ Dort war er nämlich schon einmal liegen geblieben.

Seit einem Jahr sind die langen Werkstattabende vergessen. Der Volvo läuft. Ohne Probleme. „Nur einmal ist er liegen geblieben. Kein Sprit“, sagt der Burgsteinfurter. Für den Lastkraftwagenfahrer, auf diese Berufsbezeichnung legt er Wert, „weil sich das Wort einfach schön anhört“, ist mittlerweile klar: „Das Auto nehm‘ ich mit in die Rente.“ Es ist nämlich nicht nur technisch tiptop. Der 55-Jährige hat den Amazon mit seiner eigenen, unverkennbaren Handschrift restauriert. Und das bis auf den letzten Aufkleber, der unten am Kotflügel klebt.

Dazu zählt ein lederbezogenes Armaturenbrett genauso wie die bewusst vergessenen Zierleisten auf den Karosserieflanken. Wichtig für Roland Schrief ist auch dieses „Bootsgeblubber“, das der 1800er-Vierzylinder mit Doppelvergaser, Overdrivegetriebe und Zwei-Zoll-Sportauspuff gutmütig von sich gibt.

Seinen ersten großen Auftritt wird der graue Volvo – „der hat jetzt so ein bisschen was von einer Ratte“ – bei den Steinfurter Racedays am 15. und 16. September haben. Roland Schrief freut sich auf die Freiluft-Motorshow im Herzen der Burgsteinfurter Altstadt. „Du lernst durch das Auto einfach so wahnsinnig viele Leute kennen.“ Das war schön bei der Aufarbeitung seines Schmuckstücks so. Spontan fällt Schrief der 76-jährige ehemalige Volvo-Werkstattmeister aus Rheine ein. „Der kennt jede Schraube mit Vornamen.“ Wie oft stand er mit dem Telefon am Ohr in der Grube, während ihn der Experte dirigierte: „Jetzt musst Du die Feder rausziehen, gleichzeitig den Splint halten“ – bis die Fern-OP am offenen Schweden-Herzen erfolgreich beendet war.

Alte Autos. Roland Schrief war schon immer Fan, sein erster Wagen ein Heckflossen-Mercedes. Heute eine teure Rarität, damals eher eine Karosse für Underdogs. Jedenfalls schimpfte Vater Schrief vor über 30 Jahren: „Park‘ die Kiste bloß nicht bei uns vor der Haustür.“

Durch den damaligen Job als Roadie war Roland Schrief schnell von den amerikanischen Straßenkreuzern angefixt – sein Chef fuhr einen 55er Chevrolet Bel Air.

Heute ist der Volvo durchaus Alltagsauto – und kein wochenpolierter Schönwetter-Vorzeigeoldtimer. „Wenn es nicht gerade in Strömen regnet.“ Und Roland Schrief nicht gerade ein paar Paletten transportieren muss. „Dafür gibt‘s immer noch meinen Pickup.“

Wer einmal Benzin im Blut hat, der ist auch im fortgeschrittenen Alter vor vermeintlichen Torheiten nicht gefeit. So stand Roland Schrief im PS-Werk von Kumpel Rolf Cosse vor einem alten BMW-Motorrad. „Setz‘ Dich doch mal drauf.“ Kaum saß Schrief im Sattel, da drückte Freund Rolf den Anlasser – und gab zwei-, dreimal richtig Gas. Das Ende vom Lied: Roland Schrief kaufte den Zweizylinder sofort – und machte erst dann den Führerschein. Nach der Prüfung im April – natürlich im ersten Anlauf bestanden – ging der erste Ausflug zum legendären Biker-Treffen im französischen Atlantik-Städtchen Biarritz „Wheels and waves“. Und was Roland Schrief bei der Restaurierung seiner BMW R 80 so alles erlebte, ja das ist eine andere Geschichte.



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