Do., 16.08.2018

Sommerserie „Vereinsmeier“: Heinz Epker „Ehrenamt ja, aber nur im Team!“

Heinz Epker, wie man ihn kennt: Die Rolle des kaiserlichen Lehrers „Böserecht“ macht im sichtlich Spaß, bedeutet aber auch Einsatz: Rund 1000 Auftritte hat er bereits absolviert.

Heinz Epker, wie man ihn kennt: Die Rolle des kaiserlichen Lehrers „Böserecht“ macht im sichtlich Spaß, bedeutet aber auch Einsatz: Rund 1000 Auftritte hat er bereits absolviert. Foto: Drunkenmölle

Burgsteinfurt - 

Als die Redaktion fragte, ob sie ihn im Rahmen der Sommerserie „Vereinsmeier“ als solcher porträtieren dürfe, bedurfte es schon ein wenig Überzeugungskraft. Nein, sich in den Vordergrund stellen, das liegt Heinz Epker nicht. Der 68-jährige Burgsteinfurter werkelt lieber hinter den Kulissen, reiht sich bescheiden in die Gemeinschaft ein.

Von Ralph Schippers

Aber ohne ihn und sein Tun würde doch vieles nicht so rund laufen, wäre gar überhaupt nicht denkbar. Was wäre beispielsweise das Sellener Landschulmuseum ohne den Lehrer Böserecht? Bis zu drei Mal in der Woche – früher das ganze Jahr über, heute mit einer zweimonatigen Winterpause – schlüpft der Landwirtssohn stilecht mit Gehrock und Fliege in die Rolle des gestrengen Pädagogen, um seinen „Schülern“ möglichst authentisch Einblicke in die Schulerziehung der Kaiserzeit zu geben. Eine Paraderolle, in der das langjährige Mitglied der Niederdeutschen Bühne förmlich aufgeht. Fast 1000 Auftritte hat er in neun Jahren absolviert – da ist es kein Wunder, dass er auch in der weiteren Umgebung um Steinfurt bekannt ist wie der sprichwörtliche bunte Hund.

„Als gebürtiger Sellener und ehemaliger Schüler der Landschule lag mir deren Erhalt am Herzen“, erklärt der frühere Bundesgrenzschutzbeamte und Bundespolizist seine Motivation, beim Aufbau der fast schon in Vergessenheit geratenen Immobilie mit anzupacken. Und in die Rolle des Lehrers Böserecht zu schlüpfen. „Der Name soll auch die damals vorherrschende Erziehung zur Demut zum Ausdruck bringen“, erläutert Epker. Nach einer historischen Schulstunde sei es schon vorgekommen, dass Pädagogen der Gegenwart sich ein wenig von der Autorität ihrer Vorgänger zurückgewünscht hätten. Eine Autorität, die auch schon aktuelle Machtträger zu spüren bekamen. So war jüngst Landrat Dr. Klaus Effing Böserechts „Schüler“. Dem Vernehmen nach soll es kein Zuckerschlecken für ihn gewesen sein.

Doch Spaß beiseite: Bei seinem Tun, Schultradition zu vermitteln, würde sich Epker freuen, Unterstützung zu bekommen. Vielleicht fühlt sich ja ein pensionierter Pädagoge angesprochen. Epker könnte ihn – oder sie – sich gut als Ergänzung vorstellen.

Auch deshalb, weil er nicht nur im Förderverein der Landschule engagiert ist. Ganz „Vereinsmeier“ und wie es sich im Grunde für einen Landbewohner wie ihn anschickt, ist er natürlich schon in jungen Jahren in den Schützenverein gegangen – im konkreten Fall zu den Sellen-Veltruper Schützen. Der 68-Jährige spricht fast schon mit Stolz von „seiner Schützenfamilie“. „So einen Zusammenhalt werden sie bei den Stadtvereinen nicht finden, einfach toll“, sagt der langjähriger Oberst. Oft hat er Festveranstaltungen vor- und nachbereitet und dafür manche Freizeitstunde geopfert. Das fiel ihm nicht immer leicht, der Wechsel- und Schichtdienst in seinem Job Polizist trug dazu bei. Aber die Geselligkeit und das Zueinanderstehen glichen das mehr als aus. „Ein Glück zudem, dass meine Familie immer hinter meinen Ehrenämtern stand“, ist Epker Frau und Kindern dankbar für das aufgebrachte Verständnis.

Als besonderes Highlight seiner Karriere im Schützenvorstand ist ihm das Mitwirken am Jubelfest „1100 Jahre Bauerschaften Sellen und Veltrup“ im Jahr 1990 in Erinnerung geblieben. Aktuell arbeitet der 68-Jährige mit an der Erstellung des Festbuches „500 Jahre Schützenverein Sellen-Veltrup“, das nicht nur das Schützenwesen, sondern auch das historische Landleben der beiden Bauerschaften aufarbeitet. „Das ist nur möglich mit einer Teamleistung“, sagt Epker. Seine Devise lautet auch hier: „In der Gemeinschaft gelingt‘s“.

Fast zeitgleich mit dem Ausscheiden als Vorstandsmitglied bei den Schützen begann Heinz Epkers Engagement im Heimatverein. Wieder war es die Heimatverbundenheit, die ihm dazu Anlass gab. Im Besonderen aber eröffnete sich dadurch die Möglichkeit, etwas für den Erhalt der heiß geliebten Plattdeutschen Sprache zu tun. Noch heute wirkt er für den Kreisheimatbund als Juror und Begleiter des plattdeutschen Lesewettbewerbs an Grund- und weiterführenden Schulen mit.

Schlussendlich ist Epker sei 2010 bekannt als Mitgestalter der Bürgerfunksendung „Knabbelkümpken“ im Lokalradio RST. Der komplett in Platt gehaltene Beitrag geht immer am ersten Sonntag im Monat über den Äther – im Oktober läuft die 100. Sendung. Lange war er zudem als Laienschauspieler in der Niederdeutschen Bühne aktiv.

Was bedeutet es für ihn, sich in einem Verein für das Gemeinwohl zu engagieren? Die Antwort kommt spontan: „Eine Lebensbereicherung.“ Aber, und da wiederholt sich Heinz Epker gerne, „das Ganze kann nur von Erfolg gekrönt sein, wenn es von einem Team getragen wird.“



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