Do., 16.08.2018

Kontrollgänge auf dem Websaal-Gelände Fledermäuse ziehen jetzt doch ins Hotel

Axel Donning kontrolliert regelmäßig, ob die Fledermauskästen auf dem Websaal-Gelände angenommen werden.

Axel Donning kontrolliert regelmäßig, ob die Fledermauskästen auf dem Websaal-Gelände angenommen werden. Foto: Axel Roll

Borghorst - 

Erst waren die Fledermäuse von den künstlichen Betten gar nicht so begeistert. Über 100 standen für ihren Tagschlaf zur Auswahl, nicht eines war den Nachtjägern gut genug. So langsam scheint sich ihre Meinung aber zu ändern. „Nach und nach werden die Kästen besiedelt“, kann Landschaftsökologe Axel Donning feststellen. Der Fledermausexperte unternimmt auf dem Websaal-Gelände regelmäßig Kontrollgänge, um zu schauen, was die unauffälligen Flieger auf dem Areal so treiben.

Von Axel Roll

Die gute Nachricht: Auch die seltenen Mopsfledermäuse haben sich durch den Abbruch der einsturzgefährdeten Fabrikhallen nicht vertreiben lassen. Donning schätzt den Bestand unverändert auf ungefähr 20. „Die Zwergfledermaus ist dort am häufigsten vertreten, aber auch das Braune Langohr haben wir dort immer wieder gesehen“, erläutert Donning auf Anfrage.

Dass die mühevoll von einer Borghorster Schreinerei zusammengezimmerten Schlafkisten so zögerlich akzeptiert werden, lässt für den Landschaftsökologen nur einen Schluss zu: „Wir haben sie offensichtlich zu spät aufgehängt.“ Die Kästen wurden an die Wände geschraubt, unmittelbar bevor die Bagger für den Abriss rollten. Zusätzlich wurden Behältnisse mit dem charakteristischen schmalen Schlitz aus Schaumstoff aufgestellt. Die Tag-Hotels stehen in den Gebäuden, die bislang von der Abbruchbirne verschont blieben.

Axel Donning ist froh, dass die Fledermäuse überhaupt wieder zum Websaal-Gelände zurückgekehrt sind. „Zwischenzeitlich waren sie schon mal weg“, konstatiert der Fachmann. Stress, davon ist er überzeugt, haben die Mini-Batmen wegen der Veränderungen auf dem Areal immer noch.

Er wird seine Schützlinge auch weiterhin im Auge behalten. So gibt es einen mit den Naturschutzbehörden abgestimmten Maßnahmenkatalog, der noch einige Jahre in die Zukunft reicht. Denn irgendwann soll das 25 000-Quadratmeter-Gelände ja komplett bebaut werden. Und bis dahin sollen die Fledermäuse möglichst schonend umgesiedelt worden sein. Das Problem: „Die Tiere halten sich an keine Regeln“, schmunzelt Axel Donning.

Das neue Zuhause der geschützten Insektenjäger soll in einem Umkreis von zehn bis 15 Kilometern um den Ortskern von Borghorst liegen. Es muss unbeleuchtet, kann eine alte Bauruine wie die Websäle oder ein alter Bunker sein und muss schlimmstenfalls für die wählerischen Tiere extra gebaut werden.



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