Do., 23.08.2018

Brückenjobberin in der Jugendwerkstatt der Ev. Jugendhilfe Sprungbrett ins Berufsleben

Die Zeit in der Möbelbörse neigt sich für Michaela Bögel (r.) dem Ende entgegen. Die Burgsteinfurterin beginnt in der kommenden Woche ihre schulische Ausbildung zur Sozialassistentin am Hermann-Emanuel-Berufskolleg. Möbelbörse-Mitarbeiterin Sabine Wiesmann freut sich mit ihrem Schützling über die neuen beruflichen Perspektiven, die sich damit eröffnen. Begleitet worden ist die 25-Jährige während der Zeit des Brückenjobs auch von Projektleiter Peter Kücking (kl. Bild).

Die Zeit in der Möbelbörse neigt sich für Michaela Bögel (r.) dem Ende entgegen. Die Burgsteinfurterin beginnt in der kommenden Woche ihre schulische Ausbildung zur Sozialassistentin am Hermann-Emanuel-Berufskolleg. Möbelbörse-Mitarbeiterin Sabine Wiesmann freut sich mit ihrem Schützling über die neuen beruflichen Perspektiven, die sich damit eröffnen. Begleitet worden ist die 25-Jährige während der Zeit des Brückenjobs auch von Projektleiter Peter Kücking (kl. Bild). Foto: Ralph Schippers

Burgsteinfurt - 

Fast zwei Jahre lang hat die Burgsteinfurterin Michaela Bögel in der Jugendwerkstatt der Ev. Jugendhilfe Münsterland an der Goldstraße gearbeitet, hat sich weiterqualifiziert für einen späteren Job auf dem ersten Arbeitsmarkt. Jetzt beginnt die 25-jährige, zweifache Mutter eine schulische Ausbildung am Hermann-Emanuel-Berufskolleg. Unsere Zeitung hat mit ihr über ihre Zeit in der Jugendwerkstatt gesprochen.

Von Ralph Schippers

Zwei kleine Kinder, die Trennung vom Freund – 2015 begann für Michaela Bögel eine schwierige Lebensphase. Die Anforderungen des Alltags wuchsen ihr über den Kopf. Wie die Herausforderung Haushalt mit Kindern meistern und zusätzlich noch Geld für den Lebensunterhalt verdienen? Als nach dem Mutterschutz die (Wieder-)Eingliederung ins Berufsleben anstand, fiel die heute 25-Jährige in ein Loch. Eine Freundin war es, die sie wieder in die Spur brachte. „Sie wies mich auf die Jugendwerkstatt der Evangelischen Jugendhilfe Steinfurt hin“, berichtet die junge Mutter. Das war 2016.

Zwei Jahre später neigt sich für die Burgsteinfurterin die Zeit in der berufspädagogischen Einrichtung an der Goldstraße dem Ende entgegen. In der kommenden Woche wechselt sie zum Hermann-Emanuel-Berufskolleg. Dort strebt sie im Rahmen der zweijährigen Berufsfachschule eine Ausbildung zur Sozialassistentin mit Abschluss Fachoberschulreife an. „Danach möchte ich Sozialpädagogik studieren“, sagt die zweifache Mutter selbstbewusst.

Peter Kücking huscht bei dieser Aussage ein Lächeln übers Gesicht. Der Projektleiter der Jugendwerkstatt hat Michaela über die ganze Zeit betreut – und zeigt sich schon ein wenig stolz über ihre Entwicklung. Aus dem unsicher wirkenden Menschen ist eine selbstbewusste, zukunftsorientierte Frau geworden, die weiß, was sie will. Von Beginn an habe sie sich als sehr zuverlässig und motiviert erwiesen, berichtet Kücking. „Unentschuldigt gefehlt hat sie nie.“ Mehr noch: Neuen Arbeitstechniken gegenüber habe sie sich sehr aufgeschlossen gezeigt und sogar andere angeleitet. „Sie ist insofern ein echtes Vorbild für Kollegen“, lobt der Projektleiter.

Als die Burgsteinfurterin im September 2016 zur Goldstraße kommt, sammelt sie zunächst in der Holzwerkstatt berufliche Orientierung. Aufarbeitung von Möbelstücken für die Möbelbörse, Malern, Tapezieren – alles Aufgaben, die ihr, handwerklich durchaus nicht ungeschickt, liegen. Ihre Fähigkeiten werden gezielt gefördert, Selbstbewusstsein und Motivation steigen in gleichem Maße. „Die Arbeit hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich nach einem halben Jahr, als beide Kinder in der Ganztagsbetreuung der Kita untergekommen waren, in Vollzeit gearbeitet habe“, berichtet die junge Frau.

Im Spätsommer 2017 läuft die vom Jobcenter geförderte Qualifizierungsmaßnahme aus. Michaela bewirbt sich um eine Ausbildungsstelle als Einzelhandelskauffrau. Die Bewerbungen laufen jedoch ins Leere. Die Burgsteinfurterin vermutet als Grund ihre Lebenssituation als alleinerziehende Mutter zweier kleiner Kinder. Eine Perspektive eröffnet ihr wiederum die Jugendwerkstatt der Evangelischen Jugendhilfe. Im Dezember vergangenen Jahres erhält sie die Möglichkeit, dort einen Brückenjob anzutreten.

Es geht in die Möbelbörse, wo sie fortan im Verkauf und im Transport ihre Frau steht. Und sie macht ihre Sache gut. So gut, dass sie mittlerweile schon als Gesicht der in Steinfurt viel genutzten Einrichtung gilt – zumindest bei Freunden und Bekannten. Für Michaela eine weitere, für sie sehr wertvolle Möglichkeit, sich auf die kommende Ausbildung und das spätere Berufsleben vorzubereiten.

Peter Kücking sieht sie gut gerüstet, wenn ab der kommenden Woche mehr Selbstständigkeit und Disziplin bei der Ausbildung zur Sozialassistentin gefordert ist. Michaela will ihre Chancen nutzen – und nach einem Sozialpädagogik­studium Fuß auf dem Arbeitsmarkt fassen. Den nötigen Freiraum verschafft ihr der neue Lebenspartner. Wo sie ihn kennengelernt hat? Richtig, in der Jugendwerkstatt der Jugendhilfe.

Und vielleicht kehrt sie alsbald einmal an diesen Ort, der ihr Leben so zum Positiven verändert hat, zurück. „Ich möchte irgendwann einmal als ausgebildete Sozialpädagogin zum Betreuerteam hinzustoßen“, sagt sie.



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