Fr., 24.08.2018

Bürgerwindfest in Sellen Zwei Tage Drehscheibe der Windkraft

Die Windkraft gilt neben der Solarenergie als wichtigste Säule der Energiewende. Beim Bürgerwindfest in Sellen eröffnen sich für die Besucher zahlreiche Möglichkeiten, Einblicke in die heutige und künftige Nutzung zu erhalten.

Die Windkraft gilt neben der Solarenergie als wichtigste Säule der Energiewende. Beim Bürgerwindfest in Sellen eröffnen sich für die Besucher zahlreiche Möglichkeiten, Einblicke in die heutige und künftige Nutzung zu erhalten. Foto: Ulrich Mertens

Steinfurt - 

Windenergiemesse mit 30 Ausstellern, Expertenvorträge und Podiumsdiskussion, dazu ein umfangreiches Rahmenprogramm für die ganze Familie mit Besichtigungsmöglichkeit von Windkraftanlagen: Die Bauerschaft Sellen wird am kommenden Wochenende zwei Tage lang zur Drehscheibe der Zukunftsenergie Windkraft. Im Vorfeld des Bürgerwindfestes auf dem Areal nahe des Kieferngrundsees hat Redaktionsmitglied Ralph Schippers mit den beiden Windparkgeschäftsführern Jörg Tiemann und Gerd Göckenjan über das Programm, den Windpark und die aktuelle Lage der Branche gesprochen.

Herr Tiemann, Herr Göckenjan, am 1./2. September lädt die Windparkgesellschaft Hollich Sellen zum großen Bürgerwindfest auf das Gelände in Sellen ein. Nennen Sie drei Gründe, warum man an als an den Themen Windkraft und Erneuerbare Energien Interessierter diese Veranstaltung nicht verpassen sollte!

Gerd Göckenjan: Im vergangenen Jahr hatte jeder Bürger die Gelegenheit, Anteile an „seinem Windpark“ zu erwerben, jetzt eröffnet sich die Möglichkeit, sich aus nächster Nähe Einblick in den Bürgerwindpark zu verschaffen. Der Besucher kann sozusagen live im und am Windrad erleben, dass die für den Erhalt der Umwelt notwendige Energiewende möglich ist. Und das auf eine spannende und unterhaltsame Weise. So wird zum Beispiel ein Windrad von innen besichtigt werden können – komplett bis oben aufs Gondeldach. Wie das geht? Lassen Sie sich überraschen! Zudem gibt es verschiedenste Aktionen für die ganze Familie. Zum Beispiel ein 50-Meter- Aussichtskorb mit tollem Ausblick, eine Live-Rotorblattinspektion in luftiger Höhe, ein Drohnenflug durch den Windpark, Kinderprogramm und Weiteres mehr.

Welcher Programmpunkt ist Ihr persönliches Highlight?

Jörg Tiemann: Neben der moderierten Gesprächsrunde am Samstagnachmittag mit unseren regionalen und nationalen Gästen ist mein persönliches Highlight der Vortrag von Prof. Volker Quaschning am Sonntag um 14 Uhr. Er ist ein ausgewiesener Experte und kann sehr gut erklären. Das sollte man sich unbedingt anhören. Energie und Klima gehen jeden an.

Gerd Göckenjan: Ich habe zwei Favoriten: Zum einen unsere Windenergiemesse mit über 30 Ausstellern, aber auch die Kurzvorträge am Sonntagvormittag. Hier wird die Integration von Windstrom in die Energiesysteme mittels Wasserstoff als einer der wichtigen Zukunftsbausteine der Energiewende erläutert. Dazu kann mit einem Pkw gefahren werden, der mit „Windgas“ betankt wird.

Bei der Windenergiemesse sind Aussteller aus dem ganzen Münsterland und auch darüber hinaus sind vertreten. Das wird sicher auch viele Besucher von auswärts anziehen. Mit welcher Resonanz rechnen Sie? Wie sind Sie darauf vorbereitet?

Gerd Göckenjan: Wir rechnen an beiden Tagen insgesamt mit mehreren Tausend Besuchern und haben uns intensiv darauf vorbereitet. Das Veranstaltungsgelände und Zelt sind großzügig ausgewählt. Der Anfahrtsweg ist ausgeschildert. Es gibt genügend Parkplätze für Fahrräder und Pkw. E- Ladestationen für Autos und für den Fahrrad-Akku sind vorhanden. Und für das leibliche Wohl ist natürlich gesorgt. Während sich die Eltern umschauen, können sich die Kinder mit dem Basteln von kleinen Windrädern oder Playmais beschäftigen, sich auf dem Piratenschiff oder der Strohburg austoben oder am Sonntag ab 14 Uhr zum Kinderschminken gehen.

Zuletzt gab es 2011 ein Windfest der Windparkgesellschaft. Sollen diese öffentlichen Windfeste künftig regelmäßig stattfinden? Wenn ja, was ist der Hintergrund?

Jörg Tiemann: Die Information der Bürger war und ist uns immer ein wichtiges Anliegen. Insgesamt haben wir sogar vier Windfeste an der Hollicher Mühle bzw. im Hollicher Windfeld durchgeführt. Allerdings war bislang keines davon so groß und mit einem solch breiten Programm ausgestattet wie das aktuelle. Das gab es bislang auch noch nicht im Kreis Steinfurt oder im Münsterland, deshalb wird das sicherlich für die Zukunft nicht die Regel sein. Der Anlass ist gegeben: Nach einer groß angelegten Einwerbekampagne im vergangenen Jahr ist Eigenkapital für die 16 Windräder von über 800 Bürgern eingezahlt worden. Damit ist das Projekt sozusagen vollendet. Dieses möchten wir nun informativ und unterhaltsam feiern.

Der Ausbau der Windkraft stagnierte zuletzt in Deutschland – aufgrund des neuen Vergabeverfahrens, aber auch, weil es zunehmend kritische Stimmen gibt. Wie sehen Sie die Zukunft der Windenergie auf nationaler und auf lokaler Ebene?

Gerd Göckenjan: Kritische Stimmen zur Windenergie verspüren wir in Steinfurt kaum. Der Einklang mit der Bevölkerung ist selbstverständlich. Hierzu ist es notwendig, von vornherein alle Kriterien für echten Bürgerwind zu berücksichtigen. Umweltpolitisch ist doch hoffentlich festgelegt, dass eine Energieerzeugung weg von der Atomkraft und dem Verbrennen von Kohle unumgänglich ist. Neben der Solar- ist die Windenergie der Garant der künftigen Energieversorgung – und das mit großem Potenzial. Deswegen bedarf es grundsätzlich einer Weiterentwicklung der Windenergienutzung, auch wenn insbesondere in Steinfurt die Möglichkeiten schon nahezu erschöpft sind.

Schlussfrage: Wie verläuft das Windjahr 2018 bislang aus ihrer Sicht?

Jörg Tiemann: Das bisherige Windjahr liegt auf Vorjahresniveau. Gegenüber dem mehrjährigen Mittel liegen wir derzeit allerdings noch rund zehn Prozent zurück. | www.buergerwindfest.de



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