Fr., 24.08.2018

Serie „Vereinsmeier“: Klaus Meiers „Einfach so reingewachsen“

Klaus Meiers (2.v.l.) überreichte gemeinsam mit Theo Schneuing im April der scheidenden Vorsitzenden des Vereins „Kein Kind in Steinfurt ohne warme Mahlzeit“ ein Abschiedsgeschenk.

Klaus Meiers (2.v.l.) überreichte gemeinsam mit Theo Schneuing im April der scheidenden Vorsitzenden des Vereins „Kein Kind in Steinfurt ohne warme Mahlzeit“ ein Abschiedsgeschenk. Foto: nix

Steinfurt - 

Seit 50 Jahren ist Klaus Meiers, Jahrgang 1956, ehrenamtlich aktiv. Eine „Initialzündung“ hat es allerdings nie gegeben. Alles begann bei den „Falken“, der sozialistischen Jugend Deutschlands. „Ich war damals Mitglied der Kinder- und Jugendgruppe, die ich im Alter von 13 Jahren leitete“, sagt der Sohn eines Bergmannes, der in Oberhausen das Licht der Welt erblickte. In sein erstes Ehrenamt ist er „einfach so reingewachsen“ und von da an war es ihm ein Anliegen, etwas für seine Mitmenschen zu tun.

Von Rainer Nix

„Ich habe die Vorstellung, dass man sich für die Gesellschaft engagieren muss, damit sich etwas zum Guten verändert“, hebt Steinfurts zweiter stellvertretender Bürgermeister hervor. „Man kann nicht warten, bis irgendeiner etwas tut, sondern muss selbst aktiv werden, dass war immer meine Triebfeder.“

Nach der Ausbildung zum Krankenpfleger bildete sich Meiers weiter zum Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin, schloss später das Studium der Pflegewissenschaften und des Pflegemanagements an und machte im fortgeschrittenen Alter den Master „Bildung im Gesundheitswesen“. Nach Stationen als Krankenpfleger, Abteilungsleiter und Pflegedirektor in Krankenhäusern war er bis vor drei Jahren Geschäftsführer des ambulanten Pflegedienstes „Acuras“ seiner Frau Christine.

„Mit Einstieg ins Berufsleben war für mich klar, auch der Gewerkschaft beizutreten“, so der Mann aus einer Bergbaustadt. Bei der Gewerkschaft ÖTV war er Abteilungsvorstand. „Ich gründete damals eine Betriebsgruppe, weil die Missstände im Krankenhaus, in dem ich damals arbeitete, haarsträubend waren“, erinnert er sich. Schülerinnen beispielsweise waren im Nachtdienst alleine für 80 Patienten verantwortlich und das geschah nicht selten.

Verheiratet ist er mit Ehefrau Christine, die beiden haben zwei Kinder und drei Enkelkinder. Natürlich wurde für den Nachwuchs auch außerhalb der eigenen vier Wände etwas getan. Es begann im Elternrat des Kindergartens, dann folgten ehrenamtliche Posten als Klassen- und Schulpflegschaftsvorsitzender. Viele Jahre war der Wahl-Steinfurter Vorsitzender des Fördervereins Jugendorchester Borghorst. Dann verlegte er sich als Kassierer auf die Finanzen, was sein Spezialgebiet wurde. „Zum Management-Studium gehörte auch Betriebswirtschaft, und da sollte man mit Zahlen umgehen können“, sagt Meiers. „Irgendwann wissen alle, dass man etwas davon versteht, und dann wird man diese Funktion nicht wieder los“, sagt er lachend. Doch er macht seine Jobs gerne. Viele Jahre führte er die Kasse im SPD-Ortsverein Borghorst, heute ist es die Kasse der Ratsfraktion.

Gern erinnert sich der gebürtige Ruhrgebietler an seine Zeit als Kassierer im Kunstverein Steinfurt. „Die 2015 verstorbene ehemalige Vorsitzende Marie-Luise Biesterfeld und ich haben sehr gut zusammengearbeitet“, sagt Meiers. „Wir wollten Kultur und Kunst nach vorne bringen.“

Der jüngste Verein, zu dessen Gründungsmitgliedern er 2001 gehörte, ist „Kein Kind in Steinfurt ohne warme Mahlzeit“. Bis heute investiert Meiers Herzblut und Engagement in den Förderverein. Zunächst Beisitzer, kümmert er sich seit Anfang 2002 – natürlich – um die Finanzen. Nachdem das Land die Bezuschussung für das Schulmittagessen strich, hob eine motivierte Gruppe um die langjährige Vorsitzende Ludgera Kessler den Verein aus der Taufe. „Unser Gedanke war und ist dafür zu sorgen, dass auch Kinder aus sozial schwächer gestellten Familien eine warme Mahlzeit bekommen“, erläutert Meiers, „es macht sehr viel Freude, dass unsere Arbeit von Anfang an erfolgreich war“. Seit Gründung wird das Schul-Mittagessen bedürftiger Kinder unterstützt. Viele Spenden und Aktionen zugunsten des Vereins helfen dabei. Schlimm sei allerdings, dass die politischen Rahmenbedingungen solch einen Verein überhaupt nötig machten.

Hat die sprichwörtliche „Vereinsmeierei“ für manche auch einen negativen Beigeschmack, so sieht Meiers das völlig anders. Seinen Erfahrungen der letzten fünf Jahrzehnte zufolge sind ehrenamtlich tätige Menschen überwiegend nette, aufgeschlossene und engagierte Leute. „Es geht ihnen darum, dem Vereinszweck zu dienen und dafür nehmen sie viel auf sich“, ist er überzeugt. „Ich habe selten Menschen erlebt, die sich vor allem selbst darstellen wollten. Das gibt es in die Politik wesentlich häufiger.“



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