Di., 28.08.2018

Telekom verspricht Modernisierung Anschluss nicht modernisiert, sondern abgeschaltet

Dass bei der Telekom die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut, diesen Eindruck musste die Ostendorferin Anneliese Schönauer gewinnen, als es um die Modernisierung ihres Internetanschlusses ging.

Dass bei der Telekom die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut, diesen Eindruck musste die Ostendorferin Anneliese Schönauer gewinnen, als es um die Modernisierung ihres Internetanschlusses ging.

Borghorst - 

Das hörte sich ja super an: „Jetzt wird auch Ihr Anschluss modernisiert.“ Neue Technik eröffne neue Möglichkeiten, versprach die Telekom in ihrem Schreiben.

Von Axel Roll

Anneliese Schönauer hatte sehnlichst darauf gewartet. Ihr Draht von Ostendorf hinaus in die weite Online-Welt ist schon hoffnungslos überfordert, wenn er mit einer Schnecke Schritt halten will. Hätte die Borghorsterin allerdings geahnt, dass heute, fast ein halbes Jahr nach dem vollmundigen Versprechen ihres Telekommunikationspartners, die Leitung vollends gekappt wird, sie hätte sich ihre Briefe, stundenlanges Ausharren in den Warteschleifen der Hotlines und den Ärger über die „unglaubliche Art und Weise, wie mit den Kunden umgegangen wird“, sparen können. Sie wäre dann direkt zum Elektriker gegangen und hätte sich eine Satellitenschüssel aufs Dach setzen lassen. . .

Ein letztes Fünkchen Hoffnung

Anfang März hatte die Ostendorferin aber noch keine Ahnung, was da noch alles kommen würde, als sie hoffnungsfroh zum Telefonhörer griff und die Servicenummer der Telekom wählte. Der Mitarbeiter verstärkte erst noch ihre Zuversicht. Anneliese Schönauer gab den Typ des Routers durch. Toll, da müsse ja nur ein Kabel, nicht einmal der Router selbst getauscht werden, erfuhr die Telekom-Kundin. Da stockte allerdings der freundliche Servicemann. Die Bandbreite ihrer Leitung reiche leider nicht aus, um die neue Technik installieren zu können. Schlimmer noch: Ab dem 26. August sei überhaupt keine Internetverbindung mehr möglich. Festnetz, ja das gehe auch noch weiterhin.

Ein Fünkchen Hoffnung blieb der Borghorsterin. Der Gesprächspartner kündigte an, das Problem auf einer „Black list“ zu platzieren. Dort würden die Möglichkeiten noch einmal geprüft. Schönauer bekäme Bescheid.

"

Es ist unmöglich, einen persönlichen Ansprechpartner zu bekommen.

Anneliese Schönauer

"

Bescheid, das war ein Standardschreiben, das im April im Postkasten lag. „Wir hatten Sie gebeten, uns wegen Ihres Vertrages zu kontaktieren“, musste die Ostendorferin darin verwundert lesen. Hatte sie doch. Ihre Vermutung: Da hat sich die telefonisch angekündigte Überprüfung mit diesem Schreiben überschnitten.

Netzmodernisierung nicht im Produktbestand

Allerdings: Im Juli ein erneuter Brief mit ähnlichem Inhalt, allerdings verschärfter Tonlage. „Bitte handeln Sie jetzt – Ihr Anschluss wird sonst abgeschaltet.“

Und im August dann Standardbrief Nummer vier mit der Aussage, dass man vollstes Verständnis für die Verärgerung der Kundin habe, der Anschluss aber dennoch Ende August abgeschaltet werde. Eine Netzmodernisierung sei an dieser Stelle nicht im Produktbestand.

Anneliese Schönauer hat sich inzwischen mit dem Unabwendbaren abgefunden und in den sauren Apfel gebissen. Den Telefonanschluss hat sie behalten, da Ostendorf an dieser Stelle in Sachen Mobilfunk ebenfalls dem Tal der Ahnungslosen gleicht. „Da geht gar nichts.“ Auf dem Dach wird jetzt eine Satellitenantenne installiert, die für die Verbindung zum Internet sorgen soll.

Zur Kontaktaufnahme aufgefordert

Was bei der Ostendorferin bleibt, ist der Ärger darüber, wie mit ihr umgegangen wurde: „Es ist unmöglich, einen persönlichen Ansprechpartner zu bekommen.“ Immer nur Briefe, bestehend aus Textbausteinen. Selbst eine E-Mail- oder postalische Adresse herauszubekommen sei nahezu unmöglich. Anneliese Schönauer: „Ich habe den entscheidenden Tipp einer Computerzeitschrift entnommen.“

Geradezu als Frechheit hat sie empfunden, dass sie immer wieder aufgefordert wurde, doch Kontakt mit der Telekom aufzunehmen: „Melden Sie sich doch“, „Wir hatten Sie gebeten“, „Handeln Sie jetzt“. Dabei hatte sie es doch schon im März getan. Aber offensichtlich wusste bei der Telekom die linke Hand nicht, was die rechte tut.



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6008134?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F