Fr., 31.08.2018

Niedermühle bekommt neues Wasserrad Am Denkmaltag soll sich was drehen

Da sitzt jeder Handgriff: Ein Mitarbeiter der Meller Mühlenbaufirma Möller beim Einbau des neuen Wasserrads der Niedermühle.

Da sitzt jeder Handgriff: Ein Mitarbeiter der Meller Mühlenbaufirma Möller beim Einbau des neuen Wasserrads der Niedermühle. Foto: rs

Burgsteinfurt - 

Der große Kran vor dem Gebäude erregt am Freitagmorgen Aufsehen: Immer wieder bleiben Schaulustige stehen, um das Geschehen zu beobachten. „Schön, dass endlich was passiert“, sagt einer der Passanten.

Von Ralph Schippers

Mehr als zwei Jahre stand es zuletzt still – das Wasserrad der Niedermühle. Jenes historischen Gebäudes, das in Burgsteinfurt nicht nur wegen seiner Funktion als Heimstätte des Heimatvereins besondere Bedeutung hat. Nun wird das Rad erneuert. „Wenn alles nach Plan läuft, dann wird es sich zum Denkmaltag wieder drehen“, kündigt Martin Mondorf an. Zusammen mit seinem Sohn Philipp, seit Kurzem Besitzer der Mühle, beobachtet er den Fortgang der Arbeiten, legt helfend mit Hand an, wenn es die Situation erfordert.

Das ist indes nur selten der Fall. Am Werk sind Routiniers: Bei den Fachleuten der Tischlerei Möller aus Melle, die auch schon den Vorgänger in den 1990er-Jahren eingebaut haben, sitzt jeder Handgriff.

Rund zwei Wochen hat der Fachbetrieb für Mühlenbau im Vorfeld für die Herstellung der neuen Felge gebraucht, berichtet Inhaber Gert Möller. Über zwei Tonnen sind die Einzelteile aus tropischen Hartholz in ihrer Gesamtheit schwer. Mehr als sechs Meter beträgt der Durchmesser der fertigen Felge. Klar, dass ohne Kran wenig läuft.

Bewusst haben sich die Mondorfs gegen heimisches Holz entschieden. „Es geht einfach um die Haltbarkeit“, sagt Martin Mondorf. Der Vorgänger aus Eiche habe gerade mal 20 Jahre gehalten. „Bei dem jetzt verwendeten Hartholz rechnen wir mit einer rund doppelt so langen Lebensdauer“, ergänzt sein Sohn Philipp.

Zusammen mit seinem Vater und dem Onkel Markus hat der in Raesfeld wohnhafte neue Mühlenbesitzer die Schaufeln des Wasserrades in Eigenarbeit restauriert. Viele Stunden waren in der im Mühlenkeller eingerichteten Werkstatt nötig, um die vom Rost teils zerfressenen, rund 100 Jahre alten Eisen-Elemente wieder auf Vordermann zu bringen. Sie sollen am kommenden Freitag eingebaut werden – als krönender Abschluss der Restaurierungsaktion sozusagen.

Die ist, darauf legen Vater und Sohn Wert, ausschließlich aus eigener Tasche bezahlt worden. Rund 11 000 Euro haben beide investiert, um das technische Kleinod wieder in Gang zu bringen. Der Betrag wäre wohl noch um einiges höher ausgefallen, hätte man nicht ein gehöriges Pfund Eigenleistung eingebracht. Neben der Erneuerung der Schaufeln gehörte auch der Abbau der alten Felge dazu. Erhalten bleiben indes der alte Mahlgang sowie die Achse. Sie sind beide in einem guten Zustand.

Angesprochen auf die Frage der Nutzung des Gebäudes über 2021 hinaus – bis dahin läuft der Pachtvertrag mit dem Heimatverein – antwortet Philipp Mondorf, dass er durchaus gesprächsbereit sei. Allerdings sei er von Seiten des Heimatvereins in dieser Sache noch nicht angesprochen worden. In konkrete Verhandlungen wolle er 2020 einsteigen.

Mühlenbaumeister Gert Möller ordert derweil vom Kranführer ein weiteres Felgenteil. Für den Meller ist Steinfurt durchaus ein Ort, an den er regelmäßig kommt – auch das Rad der Obermühle hat er eingebaut. „Da entwickelt man schon eine Beziehung zu“, sagt er zu den Rädern, an denen er mit Hand angelegt hat. Allerdings, da ist er sich sicher: „Zur Niedermühle werde ich wohl so schnell nicht wiederkommen, das hält hier für länger.“



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