Di., 04.09.2018

50 Jahre alter Defender wird bei Gerald Müller noch richtig rangenommen Rollender Rentner im Unruhestand

Gerald Müller und sein 50 Jahre alter Land Rover Defender: ein „schmutzwürdiges Kulturgut“, wie auf dem Aufkleber am Heck zu lesen ist.

Gerald Müller und sein 50 Jahre alter Land Rover Defender: ein „schmutzwürdiges Kulturgut“, wie auf dem Aufkleber am Heck zu lesen ist. Foto: Axel Roll

Borghorst - 

Die Rente hat er lange durch. Da wäre das ein oder andere Zipperlein durchaus verzeihlich. Aber bis auf diese chronische Motoröl-Inkontinenz, die in seiner Familie ein weit verbreitetes Leiden und völlig unabhängig vom Alter ist, steht er mit seinen 50 Auto-Lenzen noch voll im Saft. Oder sagt man in diesem Fall besser Diesel?

Von Axel Roll

Die Rente hat er lange durch. Da wäre das ein oder andere Zipperlein durchaus verzeihlich. Aber bis auf diese chronische Motoröl-Inkontinenz, die in seiner Familie ein weit verbreitetes Leiden und völlig unabhängig vom Alter ist, steht er mit seinen 50 Auto-Lenzen noch voll im Saft. Oder sagt man in diesem Fall besser Diesel?Nicht gerade täglich, aber schon regelmäßig ist die Arbeitskraft des vierrädrigen landwirtschaftlichen Helfers auf dem Hof Müller in Wilmsberg fest eingeplant. Heu von der Wiese, Holz aus dem Wald holen, Materialfahrten zum Baumarkt – der Land Rover Defender von Gerald Müller ist weit davon entfernt, nur noch für sonntägliche Kaffeefahrten bereit zu stehen. Obwohl viele seine Altersgenossen, die auch das H im Nummernschild als weithin sichtbaren Seniorenausweis tragen, nur noch dafür in der Garage stehen. Da ist der stolze Eigentümer aber unerbittlich. . .

„Ich habe damals bewusst einen Geländewagen gesucht, der auf dem Hof was tun kann“, erläutert der Ur-Wilmsberger. Als erfahrener Hobbyschrauber ist Gerald Müller schon vom Prinzip her seniorenfreundlich. Wenn die Technik einfach und möglichst frei von Elektronik ist. Zwangsläufig musste er unter dieser Voraussetzung irgendwann zum Land Rover Defender kommen, der aufgrund seiner Belastbarkeit seit genau 70 Jahren in allen Wüsten der Welt zu Hause ist.

Was der betagte „Landi“ in seiner Jugend im Heimatland England so alles unter die grobstolligen Räder genommen hat, Gerald Müller weiß es nicht. Rund acht Jahre nach seiner Geburt setzte der Defender über den Kanal aufs europäische Festland über. Der Wilmsberger entdeckte das in Tarnfarben gestrichene Wrack vor fünf Jahren bei einem Oldtimerhändler, der den heruntergekommenen Engländer nur noch los werden wollte. „Vorher war er als Jagdwagen in Brandenburg im Einsatz“, weiß der neue Besitzer.

Müller schleppte den Land Rover in seine neue Heimat(garage). Die verordnete Frischzellenkur dauerte ziemlich genau ein Jahr. „Da wurde aber wirklich nahezu alles neu“, erinnert sich der Auto-Enthusiast. „Jede Schraube hatte ich in der Hand.“ Und zum Schluss nahm er die Farbrolle in die selbe, bewusst keine Spritzpistole, und verpasste seinem Schützling sein aus der Kindheit bekanntes marineblaues Farbkleid. 63 Pferdestärken lassen den Gelände-Greis gemächlich über Stock und Stein schaukeln. Bei Tempo 80 geht ihm die Puste aus – gemessen an modernen SUV gerade einmal Rollator-Geschwindigkeit.

Gerald Müller genießt diese automobile Entschleunigung. Applaus bekommt er oft vom Straßenrand: „Viele Leute zeigen mir den nach oben gereckten Daumen. Das Auto ist ein echter Sympathieträger.“

Auch wenn der Defender dann und wann aus dem Auspuff qualmt, als habe er sich eine dicke Havanna angezündet. Aber da sind wir wieder bei den Leiden des Alters. Davor ist bekanntlich niemand gefeit.



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