So., 09.09.2018

Siegfried Pleimann bietet ab Oktober auch in Borghorst Sprechstunden an Hilfe für Mobbing-Opfer

Siegfried Pleimann bietet ab dem 10. Oktober Sprechstunden für Mobbing-Opfer in der Borghorster Familienbildungsstätte an.

Siegfried Pleimann bietet ab dem 10. Oktober Sprechstunden für Mobbing-Opfer in der Borghorster Familienbildungsstätte an. Foto: SP

Borghorst - 

Auf das Thema ist Siegfried Pleimann durch seine Tochter Dorina gestoßen: Irgendwann vertraute sich die Schülerin ihrem Vater an und erzählte ihm, dass sie in der Schule gemobbt wird. „Sie hat mich gefragt, ob ich ihr nicht helfen kann.“

Von Bernd Schäfer

Das war gar nicht so einfach, Mobbing ist immer noch ein Thema, über das nur selten gesprochen wird. Die Opfer suchen die Schuld oft erst bei sich selbst – wenn es dann doch offen zutage tritt, dass Schüler oder Erwachsene darunter leiden, immer wieder zur Zielscheibe von Hänseleien der handgreiflichen Aggressionen zu werden, schauen die, die einschreiten könnten, einfach weg.

Weder das eine noch das andere wollten die beiden Emsdettener. Und gründeten eine Selbsthilfegruppe. Aus zunächst wenigen, die bereit waren, sich anderen gegenüber mit ihrem Problem zu öffnen, wurden es binnen drei Jahren über 20. In dieser Zeit bauten Pleimann und seine Mitstreiter Kontakte in anderen Städten und Ländern auf, etwa in Brake, Idstein, Luxemburg, Ungarn und Österreich.

Seit Anfang dieses Jahres ist aus der Selbsthilfegruppe der eingetragene Verein „Stop Bullying“ geworden. Und Emsdetten ist auch nicht mehr der einzige Standort, an dem Mobbing-Opfer Unterstützung und Beratung finden: Das Team um Siegfried Pleimann bietet auch in Rheine und Brake Sprechstunden an – und bald auch in Borghorst: Ab dem 10. Oktober gibt es in der Familienbildungsstätte immer mittwochs von 10.30 bis 12 Uhr eine Sprechstunde, die einen ersten Kontakt ermöglicht. „Wir führen dann erst einmal Vorgespräche, in denen wir uns über alles mögliche unterhalten – nicht nur übers Mobbing“, sagt Pleimann. Wie es dann weitergeht, ist ganz individuell. „Viele fühlen sich schon besser, wenn sie sehen, dass andere die gleichen Probleme haben wie sie selbst und mit ihnen Erfahrungen austauschen können“, ist die Erfahrung des Emsdetteners. Dafür gibt es regelmäßige Treffen, zu denen die Betroffenen kommen können. „Wir erheben dafür keine Beiträge. Und es ist auch keine regelmäßige Teilnahme gefordert“, soll das Gesprächsgruppen-Angebot bewusst niederschwellig sein.

Wenn Gespräche nicht reichen, kann der Verein auch mit Fachleuten weiterhelfen. „Wir haben Rechtsanwälte, Psychotherapeuten, Mentaltrainer und Ärzte, die uns tatkräftig unterstützen“, ist Pleimann froh. Außerdem hat er inzwischen Kontakte zu Lehrern und Schulleitern geknüpft, um sie für das Thema Mobbing zu sensibilisieren und in ihren Einrichtungen darauf zu achten.

Eigentlich sollte die Borghorster Sprechstunde erst etwas später an den Start gehen – aber übers Internet kamen schon erste Anfragen, wann es denn endlich so weit sei. Deshalb entschloss Pleimann sich, den Beginn vorzuverlegen.

Um das Angebot bekannt zu machen, zeigt sich der Verein „Stop Bullying“ regelmäßig auch auf Veranstaltungen und Stadtfesten – auch in Borghorst waren Pleimann und sein Team bereits. „Das werden wir in Zukunft wieder tun“, sollen möglichst viele Mobbingopfer erreicht und dazu animiert werden, aus ihrer Isolation herauszutreten und gegen ihre Situation zu kämpfen.

► Kontakt zu „Stop Bullying“ ist unter Telefon 01 76 / 96 33 99 58 möglich.



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