Di., 11.09.2018

Tag des offenen Denkmals in Borghorst und Burgsteinfurt Gebauter Glaube

Auf besonders großes Interesse stieß die Führung durch das Burgsteinfurter Schloss. Architekt Christoph Achterkamp erläuterte die Entstehungsgeschichte der Anlage. Im Magazin der Historischen Bibliothek des Gymnasiums Arnoldinum konnte unter anderem ein Blick in eine mittelalterliche Handschrift aus der Zeit um 1450 geworfen werden (kl. Bild).

Auf besonders großes Interesse stieß die Führung durch das Burgsteinfurter Schloss. Architekt Christoph Achterkamp erläuterte die Entstehungsgeschichte der Anlage. Im Magazin der Historischen Bibliothek des Gymnasiums Arnoldinum konnte unter anderem ein Blick in eine mittelalterliche Handschrift aus der Zeit um 1450 geworfen werden (kl. Bild). Foto: C. Mertins (3), H.-J. Pape (1)

Steinfurt - 

Architekt Christoph Achterkamp lieferte das Schlagwort des Tages: Diffusionsoffen! Eigentlich ist damit die historische Bauweise gemeint, bei der Luft und Feuchtigkeit das Mauerwerk durchdringen, die Wände sozusagen atmen können.

Von Claudia Mertins

Am Sonntag konnte man diese Durchlässigkeit der alten Gemäuer durchaus auch auf die vielen Besucher übertragen, die die Gelegenheit nutzten, durch Türen und Tore zu dringen, die sonst verschlossen sind. Unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“ waren in beiden Stadtteilen anlässlich des Denkmaltages bekannte und weniger bekannte Orte für die Öffentlichkeit zugänglich – und es zeigte sich einmal mehr, welch historische Kostbarkeiten die Stadt zu bieten hat.

Und wie lange manche Schätze im Verborgenen geschlummert haben, bewies die Ausstellung der historischen Messgewänder, die jetzt erstmals in St. Nikomedes zu bewundern waren. Wie es dazu kam, schildert Elisabeth Bussmann: „Wir wussten nicht, ob wir die wertvollen alten Priestergewänder künftig lieber hängend oder liegend lagern sollten.“ Also holten sie und ihr Kollege Peter Timmerhues sich Rat bei Fachleuten. Das Institut für Historische Textilien Köln reiste an, begutachtete die Gewänder, die aus kostbaren italienischen und französischen Stoffen gefertigt sind, und katalogisierte die Textilien. Es stellte sich heraus, dass einige der wunderschönen, bunt-gewebten Stoffe von den Kleidern der Stiftsdamen stammten.

So befindet sich an einem Gewand eine Stiftungsurkunde in Form einer Metallbrosche, welche die Spende durch die Äbtissin Maria von Velen belegt. Die älteste Kasel (Priestergewand) stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist der Favorit von Peter Timmerhues: „Ich mag es lieber schlicht, aber die botanischen Muster sind natürlich auch wunderschön. Eine Besonderheit ist das blaue Gewand, die Farbe ist in der katholischen Kirche unüblich.“ Und da die Textil-Experten aus Köln nicht von einem Gebrauch der sehr gut erhaltenen Stücke abgeraten haben, nutzten die Küster nun den Denkmaltag, um sie zu präsentieren.

Bei der Schlossführung mit Christoph Achterkamp gab es zwar keine faktischen Neuentdeckungen, aber die sachkundige Führung zum Thema „Die Schönheit der Sinnhaftigkeit in der Architektur“ brachte den Teilnehmern viele neue Einsichten. Der Architekt, dessen Büro sich im Torhaus der Kommende befindet, hat sich auf Arbeiten an denkmalgeschützten Bauten spezialisiert und unter anderem die neue Außentreppe an der Burg gebaut.

Zu Beginn seiner Führung legte er dar, welche Bedingungen für die Gründung der Burg wichtig waren: „Die Furt durch die Aa und die darin liegenden Inseln boten zugleich Schutz und Übersicht, das waren vor rund 1000 Jahren zwei gute Gründe für den Bau einer Motte (Bau aus Holzpfählen).“ Dass sich im Laufe der Jahrhunderte daraus Stück für Stück das heutige Schloss entwickelte, ist an den vielen verschiedenen Baustilen ablesbar. Achterkamp machte am Beispiel des Tonnengewölbes in der romanischen Kapelle deutlich, wie Architektur Schönheit erzeugt und durch den langen Nachhall eine spirituelle Atmosphäre entsteht: „Das ist gebauter Glaube“. Die Teilnehmer genossen außerdem den Perspektivwechsel vom Schloss aus ins Bagno zu schauen und ganz neue Sichtachsen zu entdecken.

An der Niedermühle konnten die Besucher mit der kleinen Enttäuschung, nämlich dass das Mühlrad noch nicht fertig geworden war, gut leben, wurden sie doch mit einem Besuch des Mondorfschen Gartens entschädigt. Außerdem lief der Film über die Geschichte der Steinfurter Wassermühlen in Dauerschleife und ein Schnäppsken gab es auch.



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6040990?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F