Burgsteinfurter erinnert sich an Luftangriff vor 75 Jahren
„Ein dramatischer Anblick“

Burgsteinfurt -

Wolkenloser Himmel und Temperaturen bis zu 22 Grad – die Meteorologen haben für Mittwoch einen schönen Herbsttag vorausgesagt. Genau so war es auch vor 75 Jahren, als auf Münster amerikanische Bomben fielen.

Dienstag, 09.10.2018, 16:10 Uhr aktualisiert: 09.10.2018, 16:23 Uhr
Münster, 10. Oktober 1943: Hunderte Bombenflugzeuge des Typs B17 „Flying Fortress“ legen die Stadt in Schutt und Asche.
Münster, 10. Oktober 1943: Hunderte Bombenflugzeuge des Typs B17 „Flying Fortress“ legen die Stadt in Schutt und Asche. Foto: Matthias Ahlke

Josef Schirmer wird diesen Tag, wie viele andere Burgsteinfurter seiner Generation, nie vergessen. „Ich weiß es noch, als ob es gestern gewesen wäre“, sagt der 90-Jährige. 14 Jahre alt war er, als am 10. Oktober 1943 die US Air Force mit 274 auch als „Flying Fortress“ („Fliegende Festung“) bekannten Bombern vom Typ Boeing B 17 einen der schwersten Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs auf Münster flog.

Fliegeralarm um 14.30 Uhr

Gegen 14.30 Uhr, erinnert sich Schirmer, war Fliegeralarm ausgelöst worden. „Von dem Anflug der viermotorigen Bombenflugzeuge aus Südwesten bemerkten wir in Burgsteinfurt zunächst nichts. Auch der eigentliche Angriff auf Münster, der die Innenstadt seinerzeit fast vollständig zerstörte, blieb bei uns unbemerkt“, erinnert sich der Burgsteinfurter.

Luftkämpfe mit deutschen Jagdflugzeugen

Aber der Rückflug: Durch einen Navigationsfehler hatten die Bomberverbände den ihr zugeteilten Jagdschutz verloren, sahen sich verstärkt Angriffen deutscher Jagdflugzeuge ausgesetzt. „Es entwickelte sich östlich von Burgsteinfurt eine wilde Luftschlacht, mit ununterbrochenem Knattern der Maschinengewehre, jaulenden und heulenden Motoren“, berichtet Schirmer von seinen Eindrücken jenes schicksalhaften Tages.

Wie sich später herausstellte, wurden im Luftraum über Burgsteinfurt, Hollich und Emsdetten über 20 B17-Bomber und zehn deutsche Jäger abgeschossen. Bei dem klaren Wetter seien die Luftkämpfe wie auf dem Präsentierteller zu beobachten gewesen.

Himmel voller Fallschirme und abstürzender Flieger

Sobald die angeschossenen Maschinen Rauchfahnen hinter sich herzogen, seien die Besatzungsmitglieder, in den Bombern jeweils zehn Mann, aus den havarierten Flugzeugen ausgestiegen, um sich mit dem Fallschirm zu retten. „Der strahlend blaue Himmel war über einen Zeitraum von knapp 20 Minuten voller weißer Fallschirme, abstürzender und noch wild kurvender Flugzeuge“, zeichnet Schirmer 75 Jahre später die Bilder, die sich bei ihm festgebrannt haben, nach. „Ein gleichermaßen schauriger, wie dramatischer Anblick“, beschreibt es der 90-jährige Burgsteinfurter.

Fast 700 Menschen starben

Die Stemmerter kamen an diesem Tag ohne Schaden davon. In Münster aber verloren bei dem Angriff fast 700 Menschen ihr Leben. „Wie viele amerikanische und deutsche Piloten zudem in der Luftschlacht starben, ist nicht bekannt“, berichtet Schirmer. Im Raum der Stadt Steinfurt seien drei B17- Bomber niedergegangen. Viele amerikanische Soldaten gerieten in Gefangenschaft.

Für Münster war es einer der schwersten Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges, bei dem unter anderem auch der Dom schwer beschädigt wurde. Bis zum Kriegsende sollten weitere 101 Angriffe dazukommen.

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