Fr., 09.11.2018

Stadtwerke übernehmen Leitungsnetz Wenn der Strom-Mann zweimal klingelt

In diesen Tagen klingeln an vielen Haustüren Mitarbeiter der Westnetz GmbH, um die Zählerstände abzulesen. Ab dem kommenden Jahr übernehmen die Stadtwerke diese Aufgabe.

In diesen Tagen klingeln an vielen Haustüren Mitarbeiter der Westnetz GmbH, um die Zählerstände abzulesen. Ab dem kommenden Jahr übernehmen die Stadtwerke diese Aufgabe. Foto: pixabay

Steinfurt - 

Am 1. Januar übernehmen die Stadtwerke Steinfurt die elektrischen Leitungen im Stadtgebiet. Deren bisheriger Eigentümer war die Westnetz GmbH, eine Tochterfirma der Innogy SE.

Von Bernd Schäfer

Dass so ein Übergang nicht mal so eben im Vorbeigehen vollzogen werden kann, merken Stromkunden und Besitzer von Photovoltaikanlagen gerade: Bei den Stadtwerken gibt es jede Menge Anfragen. Und Stadtwerke-Geschäftsführer Rolf Echelmeyer kennt natürlich die Antworten.

Warum klingeln in diesen Tagen Westnetz-Mitarbeiter an den Türen, um Zählerstände abzulesen? Die geben das Netz doch eh bald ab?

„Genau deshalb“, sagt Echelmeyer. Im Moment werde eine Art Kassensturz gemacht, damit zum 31. Dezember eine Endabrechnung erstellt werden kann. „Wenn jemand mit einem Ausweis der Westnetz vor der Tür steht, darf man ihm ruhig seinen Zählerstand weitergeben“, beruhigt Echelmeyer, dass dahinter keine dubiose Masche steckt.

Warum kündigt die Westnetz GmbH Besitzern von Photovoltaikanlagen die Verträge?

„Die müssen gekündigt werden, damit sie an uns übertragen werden können“, sagt der Stadtwerke-Chef. Allerdings hat auch er schon festgestellt: „Der Brief ist etwas skurril.“ Das liege daran, dass in der regulierten Welt des Stromhandels alles immer komplizierter werde. Und wenn dann Juristen solche Anschreiben aufsetzen ...

Abseits der Formulierungen verursache das Schreiben jedoch keine Probleme. „Wir übernehmen als Netzbetreiber auch die Abrechnung mit den Anlagenbesitzern – die kriegen ihr Geld dann statt von der Westnetz von den Stadtwerken.“

Deshalb könne man die Kündigung ruhig unterschreiben – ändern würde sich in keinem Fall etwas, nur die Abrechnung vereinfach sich.

Der Strom soll teurer werden – um wie viel?

Über diese Frage freut sich Rolf Echelmeyer – überraschenderweise. Hatte er doch kürzlich erst angekündigt, dass aufgrund von Preissteigerungen an der Börse auch der Stadtwerke-Strom im kommenden Jahr mehr kosten würde. „Das stimmt nicht mehr“, strahlt der Stadtwerke-Chef sogar hörbar. Seine Mitarbeiter hätten genau durchgerechnet, wie die Preisgestaltung nach der Übernahme des Leitungsnetzes aussehen muss und sind dabei zu einem erfreulichen Ergebnis gekommen: „Wir können das preiswerter als die Westnetz und können die Nutzungsentgelte deshalb spürbar senken.“ Selbst unter Einberechnung der steigenden Strompreise bleibe unterm Strich noch eine kleine Ersparnis für die Abnehmer. „Dadurch können wir den Strom für unsere Kunden sogar noch billiger als bisher anbieten.“

Ob die Senkung der Nutzungsentgelte auch von anderen Stromanbietern an deren Steinfurter Kunden weitergegeben werden, kann Echelmeyer natürlich nicht sagen.



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6175878?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F