Konrad Beikirchner begeistert im Martin-Luther-Haus
Protestanten müssen selber suchen

Burgsteinfurt -

Der großartige Konrad Beikircher gastierte im Martin-Luther-Haus in Steinfurt. Zum ersten Mal. Der 1945 in Südtirol geborene Künstler war zunächst als Psychologe in einer Strafanstalt tätig, bevor sein künstlerisches Talent in den achtziger Jahren seinen ganzen Einsatz verlangte. Ihm wird nachgesagt, dass er die Rheinländer „erfunden“ habe.

Montag, 19.11.2018, 15:02 Uhr aktualisiert: 20.11.2018, 16:04 Uhr
Konrad Beikirchner in der Garderobe: Der Kabarettist war am Sonntag das erste Mal in Steinfurt. Wenn es nach seinem Publikum geht, nicht zum letzten Mal.
Konrad Beikirchner in der Garderobe: Der Kabarettist war am Sonntag das erste Mal in Steinfurt. Wenn es nach seinem Publikum geht, nicht zum letzten Mal. Foto: Annegret Rose

Jedenfalls hat der dreisprachige Künstler wie kein anderer über das Rheinische und den Menschen dahinter Programme gespielt und Säle gefüllt. Das ist ihm auch am Sonntagabend in Burgsteinfurt gelungen. Diesmal nahm er Martin Luther und „500 Jahre falscher Glaube“, wie er augenzwinkernd im Gespräch erörterte, zum Anlass, auch den „normalen Glauben“, also das Katholische, zu thematisieren.

Der gläubige Christ Beikircher setzte sich mit der Feier für Luther und den Folgen seiner 95 Thesen auseinander. Deshalb ging er weit zurück, Luther besuchte Papst Leo den Zehnten, um dann zu Hause von dessen sittenlosem Treiben zu erzählen. Beikircher beschäftigte sich mit dem Ablass, Tetzel und dem Fegefeuer. Die Fragen: Was ist Ablass, was ist Fegefeuer?, stellten den Mittelpunkt seines Programms dar. Allerdings mit der Absicht, jegliche Spaltung, die für ihn in der heutigen Haltung von Kardinal Woelki vertreten wird, anzuklagen. Deshalb holte er auch detailverliebt aus und erzählte das ein oder andere Anekdötchen.

Zu dem Zweck, sein Anliegen vorzutragen: Dass evangelische Partner nicht zur Kommunion zugelassen werden, weil sonst ihre katholischen Partner exkommuniziert werden, müsste seiner Auffassung nach geändert werden. Sein Credo lautet: „Mein Papa hat schon gesagt, das muss ein armseliger Herrgott sein, der Unterschiede zwischen evangelisch und katholisch macht.“

Es gab viel zu schmunzeln und zu lachen. So wird der Ablass als Möglichkeit erklärt, die dem Gläubigen etliche Jahre im Fegefeuer ersparten. Davon hätten die Evangelischen keine Ahnung, bis es so weit wäre. Auch Heiligenverehrung habe Vorteile. Haben Katholiken den Schlüssel verlegt, hilft der heilige Antonius. Die Protestanten müssen selbst suchen.

Die Eigenarten der Menschen beider Glaubensrichtungen im Alltag wurden auf intelligente Art und Weise liebevoll karikiert. Daneben gab Beikircher so genannte Osterwitze der Evangelischen zum Besten und berichtete von seinem Kaffeebesuch bei Kardinal Meissner.

Er spricht schnell und mit vielen Satzanfängen, die nicht weiter geführt werden, aber jeder kennt, nicht nur im Rheinland: „Ja, dat jibbet doch nitt… näh, dat is aber schön… ja, iss dat denn die Möglichkeit?“… Zuletzt verkündet er unter stürmischem Applaus: „Glauben ist mehr als Theologie!“

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