Elterntaxis
Den Kindern mehr zutrauen – auch im Verkehr

Burgsteinfurt -

Es ist auch für den Burgsteinfurter Grundschulverbund ein tägliches – und wachsendes – Problem: Besonders morgens vor Schulbeginn und – wegen der beengteren Platzverhältnisse – an der Graf-Ludwig-Schule mehr noch als an der Willibrordschule drängen sich die Autos: Es sind die Elterntaxis, die die Straßen vor den Schulen blockieren – und nicht selten gefährliche Situationen provozieren.

Montag, 19.11.2018, 16:52 Uhr
Weniger Fahrten in Papas oder Mamas Auto, dafür mehr eigene Bewegungserfahrung – das ist das Ziel der Initiative „Gehspaß statt Elterntaxi“, die jetzt auch in Burgsteinfurt anläuft.
Weniger Fahrten in Papas oder Mamas Auto, dafür mehr eigene Bewegungserfahrung – das ist das Ziel der Initiative „Gehspaß statt Elterntaxi“, die jetzt auch in Burgsteinfurt anläuft. Foto: dpa

Es ist auch für den Burgsteinfurter Grundschulverbund ein tägliches – und wachsendes – Problem: Besonders morgens vor Schulbeginn und – wegen der beengteren Platzverhältnisse – an der Graf-Ludwig-Schule mehr noch als an der Willibrordschule drängen sich die Autos: Es sind die Elterntaxis, die die Straßen vor den Schulen blockieren – und nicht selten gefährliche Situationen provozieren. Die Schulleitung des Verbundes will gegensteuern. Ebenso wie die der dritten Burgsteinfurter Grundschule, der Bismarckschule. „Gehspaß statt Elterntaxi“ heißt das Landesprogramm des Zukunftsnetzes Mobilität NRW, die die sichere und eigenständige Mobilität von Kindern fördern will und an dem die Schulen teilnehmen werden. Mit ihm Boot sind der städtische Klimaschutzmanager Lorenz Blume und ein externes Büro, das mit der Durchführung betraut ist. Da es ein Pilotprojekt im Kreis Steinfurt ist, winkt eine 100-Prozent-Landesförderung.

Handlungsbedarf ist gegeben: Liefen 1970 noch 91 Prozent der Erstklässler selbstständig zur Schule, waren es 2000 nur noch 17 Prozent. Der überwiegende Teil der Kinder wird zum Unterricht gebracht, jedes fünfte mit dem Auto, wie Umfrageergebnisse zeigen. Aus den verschiedensten Gründen: Der Weg ist lang, der Verkehr dicht, der Stress am Morgen vermeintlich geringer.

Dabei sind die Ängste, Kinder unnötig Gefahren im Straßenverkehr auszusetzen, wenn man sie allein den Schulweg gehen lässt, nach Expertenmeinung unbegründet. Eltern trauten ihren Kindern einfach zu wenig zu, nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kämen sie im Verkehr gut zurecht, sagt der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Mehr noch: Durch das Elterntaxi werde den Kindern die Chance genommen, frühzeitig zu lernen, wie man sich im Verkehr bewegt.

„Insgesamt hat die Zahl der Elterntaxis bei uns in den vergangenen Jahren zugenommen“, hat Annika Elkmann festgestellt. Die kommissarische Schulleiterin des Grundschulverbundes hofft, mit Hilfe des Programmes ein Umdenken bei den Eltern in Gang bringen zu können. Obwohl sie es durchaus verstehen kann, dass Eltern ihre schulpflichtigen Kinder bei schlechtem Wetter, zumal wenn der Schulweg eh auf dem Weg zur Arbeit liegt, auch mal mit dem Wagen an der Schule absetzen. Dies sollte aber die Ausnahme bleiben – aus genannten Gründen.

Als nächster Schritt steht nun zunächst eine Elternbefragung an. So sollen Defizite im Schulweg erfasst und ein Schulwegplan mit dem Ziel erstellt werden, eine höhere Bereitschaft zu erreichen, den Schulweg mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu bewältigen. Voraussetzung dafür ist eine Strecke, die keine besonderen Gefahren aufweist. Falls Probleme auftreten, sollten diese kurzfristig durch Handlungsempfehlungen entschärft werden können. Nach einer speziellen Schulung der Lehrer soll dann das eigenständige Mobilitätsverhalten im Unterricht mittels eines Anreizprojekts thematisiert werden: Die Schüler können „Zaubersterne“ bekommen, wenn sie ihren Schulweg alleine bewältigen oder zum Beispiel Schulweg-Geschichten aufschreiben. Der letzte Baustein bildet die Einrichtung von Hol- und Bringzonen an den Schulen, die mindestens 250 Meter entfernt liegen, damit die Schulkinder ein Mindestmaß an Bewegungserfahrung machen.

Auf den Weg gebracht worden ist das Programm „Gehspaß statt Elterntaxi“ von der lokalen Arbeitsgemeinschaft Mobilitätsmanagement, berichtet Lorenz Blume. Der Klimamanager hofft, dass das Projekt bis Ende kommenden Jahres abgeschlossen ist.

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