Mittwochsmarkt in Borghorst laufen die Kunden davon
„Wir haben uns doch so reingekniet“

Borghorst -

Sechs knackige Bratwürstchen liegen dicht an dicht auf dem Grill, lassen sich in aller Ruhe bräunen und warten dabei auf Kundschaft. Jörg Kratzke greift zur Holzzange, rollt das lecker duftende Sextett in einem Schwung von oben nach unten. Sein Blick geht zu den Bierzeltgarnituren neben seinem Imbisswagen, dann zur Theke geradeaus. Kein Abnehmer für seine gut gegarten Appetitzügler in Sicht. „Dass die Leute bei drei Grad plus keine Lust haben, sich für eine Bratwurst hinzusetzen, kann ich ja noch verstehen“, sagt der Borghorster.

Donnerstag, 22.11.2018, 17:00 Uhr
Jörg Kratzke und seine Kollegen können es nicht verstehen: Nach der ersten Euphorie hat das Interesse am Mittwochnachmittagsmarkt rapide nachgelassen.
Jörg Kratzke und seine Kollegen können es nicht verstehen: Nach der ersten Euphorie hat das Interesse am Mittwochnachmittagsmarkt rapide nachgelassen. Foto: Axel Roll

„Aber dass hier auch sonst nix los ist – ich glaub‘ es nicht. Wir haben wirklich alles gegeben.“ So ganz hat Kratzke die Hoffnung für diesen Nachmittag noch nicht verloren. „Ist gerade mal drei. Meistens wird es gegen vier, halb fünf noch voller.“ Bis dahin halten es seine sechs Freunde da vor ihm auf dem heißen Rost garantiert nicht mehr aus, haben sich dann wohl – wie ihr Meister an der Zange auch – schwarz geärgert über die gähnende Leere auf Mittwochnachmittagmarkt auf dem Roten Platz.

Das geht schon seit vielen Wochen so. Nach dem fulminanten Neustart im März kam der heiße Sommer. „Bei 30 Grad hat keiner Lust, auf dem Markt einkaufen zu gehen“, weiß Daniel Knüpp, der die Verlegung auf den Nachmittag initiiert und damals auch die Einzelhändler in der Innenstadt überzeugt hatte, bis zum Marktende um 19 Uhr die Geschäfte offen zu halten. „Nach der großen Hitze blieben die Kunden aber trotzdem weg“, bedauert der Sprecher der Beschicker. Und nicht nur das: Mittlerweile sind es vier Händler, die dem Borghorster Mittwochsmarkt adieu gesagt haben: der Bäcker, der große Obst- und Gemüsewagen, der Oliven- sowie der Blumenhändler.

Woran es liegt, dass die anfängliche Euphorie so schnell zusammengeschmolzen ist wie Eis in der Sonne? Kollektives Schulterzucken. Auch Henri Schukkink, ein erfahrener Händler aus Enschede, der heute mit einem niegelnagelneuen Käsewagen in Borghorst angerollt ist, kann nur mutmaßen.

„Und was haben wir uns reingekniet“, deutet Jörg Kratzke wieder auf die Tische, Bänke und Sonnenschirmen, die zum Päuschen machen einladen. „Wo gibt es so etwas schon?“ Das kann Norbert Heilers-Griesche nur unterstreichen. Er kommt seit dem Frühjahr mit seinem knatschblauen Pilo-Mobil angeknattert und lässt seine italienische Kaffeemaschine im Dienst des Kunden fauchen und zischen. „Ich bin eigentlich gut zufrieden“, sagt Heilers-Griesche und schiebt dem Rentner vor ihm an der kleinen Theke schon den zweiten Cappuccino vor die klammen Finger. Für ihn, da ist er sich sicher, kann es jetzt nur noch besser werden: „Wenn es kalt wird, trinken die Leute noch lieber Kaffee.“

Karl-Ernst Borgmann ist so was wie der Methusalem auf dem Markt. Seine Familie ist von Anbeginn in Borghorst mit dabei. Das sind jetzt fast 60 Jahre. Die Stammkundschaft steht für frisches Geflügel und Kartoffeln klaglos an. Borgmann ist zufrieden: „Die Umsätze haben sich bei mir nicht groß verändert.“

Inzwischen klappen die Händler ihre Wagen schon wieder um 18 Uhr zu. Die Front der Einzelhändler, die anfänglich ebenfalls bis um 19 Uhr geöffnet hatte, war da schon lange in sich zusammengefallen. Daniel Knüpp und seine Kollegen haben die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, dass es dem Markt irgendwann mal wieder besser geht. Dafür stellen sie die Grundsatzfrage: „Wollen die Borghorster überhaupt einen Wochenmarkt?“ Wenn ja, dann müssen sie auch kommen – und kaufen.

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