Warum gibt es kaum neue Gewerbeflächen?
„Große Versäumnisse“

Steinfurt -

12 700 Quadratmeter im Sonnenschein, 7500 im Seller Esch, 5500 in Ostendorf – unterm Strich 25 700 Quadratmeter für die Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe. Das ist nicht viel für eine Kreisstadt wie Steinfurt. Und mit ein Grund dafür, warum das Thema Wirtschaftsförderung so kontrovers diskutiert wird.

Mittwoch, 23.01.2019, 15:28 Uhr aktualisiert: 23.01.2019, 17:56 Uhr
Flächen, die als reines Lager dienen, sollen nach dem Willen der Verwaltung für die Ansiedlung neuer Betriebe genutzt werden. Neue Flächen sind so gut wie nicht zu bekommen, wissen die Verantwortlichen im Rathaus.
Flächen, die als reines Lager dienen, sollen nach dem Willen der Verwaltung für die Ansiedlung neuer Betriebe genutzt werden. Neue Flächen sind so gut wie nicht zu bekommen, wissen die Verantwortlichen im Rathaus. Foto: Axel Roll

Einige Unternehmen haben bereits wegen fehlender Expansionsmöglichkeiten Steinfurt den Rücken gekehrt (diese Zeitung berichtete ausführlich). Gerade aus der Wirtschaft muss sich die Stadt darum den Vorwurf gefallen lassen, sie habe geschlafen und sei in Zeiten, in denen es Flächen günstig zu kaufen gab, viel zu passiv gewesen sei. Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer muss den Kritikern in dieser Hinsicht Recht geben. . .

„In der Vergangenheit hat es große Versäumnisse gegeben“, so die Bürgermeisterin auf Anfrage. Damals, vor 30, 40 Jahren, habe der Quadratmeter noch zwei, drei D-Mark gekostet. „Heute liegen wir bei wenigstens 20 Euro“, so Claudia Bögel-Hoyer. Wenn es überhaupt noch Land zu kaufen gebe. „Die Bauern denken in Generationen. Sie brauchen die Flächen“, weiß die Verwaltungschefin. Erschwerend kämen die heutigen Tauschverhältnisse hinzu. Für einen Quadratmeter bebaute Fläche müssten drei bis fünf Quadratmeter Ausgleich geschaffen werden. „Das macht das Ganze illusorisch“, so die Bürgermeisterin.

Darum müssten neue Strategien zum Ziel, also zur Ansiedlung von neuen Betrieben führen, die Arbeitsplätze und Gewerbesteuern in die Stadt bringen. Eine lautet Verdichtung. Claudia Bögel-Hoyer: „Wir schauen uns jetzt die bestehenden Gewerbegebiete ganz genau an und gucken, wo es noch brach liegende Flächen gibt.“ Auch Grundstücke, die zum Beispiel nur als Lager genutzt werden, könnten dabei interessant sein. Am Ende soll eine Art Kataster stehen, das genau Auskunft über nutzbare Liegenschaften gibt. Die Bürgermeisterin verspricht: „Wir packen das jetzt an.“

Weiterhin setzt Claudia Bögel-Hoyer, die die Wirtschaftsförderung zur Chefsache erklärt hat, auf den Dialog mit der Bezirksregierung, die beim Flächenmanagement, Stichwort Regionalplanung, ein wichtiger Ansprechpartner ist. Schon in den nächsten Wochen habe sie einen Termin mit der Regierungspräsidentin Dorothee Feller am Domplatz im Münster. „Wir müssen halt an verschiedenen Stellen bohren, um das Problem zu lösen“, ist die Bürgermeisterin überzeugt.

Debbie Kattenbeck ist im Rathaus erste Ansprechpartnerin für expansionswillige Unternehmer. Sie weiß, dass es in Borghorst noch zwei bis drei und in Burgsteinfurt noch acht bis zehn Grundstücke im städtischen Angebot gibt.

Im derzeitig gültigen Flächennutzungsplan sind 2,02 Quadratkilometer als Gewerbe- und Industrieflächen ausgewiesen. „Davon sind wiederum 1,67 Quadratkilometer als Gewerbe- und 0,24 Quadratkilometer als Industrieflächen in Bebauungsplänen verankert“, so die Mitarbeiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Kultur. Daraus lasse sich schließen, dass noch grob gerechnet 20 Hektar Reserven für Gewerbe und Industrie vorhanden sind. Debbie Kattenbeck hofft, dass in naher Zukunft in Wilmsberg zusätzliche Flächen angeboten werden können. Aber sie weiß: Gelöst ist das Problem damit noch lange nicht.

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