Alte Überlandleitung in Sellen wird abgebaut
Vorboten der Energiewende

Steinfurt -

Die Freileitungsbauer sind in der Bauerschaft Sellen angekommen: Der Rückbau der bestehenden Hochspannungsleitung hat begonnen. Diese soll später durch die neue 380-kV-Höchstspannungsleitung ersetzt werden. Die Gleichstromleitung ist eines der ganz großen Projekte der Energiewende.

Mittwoch, 30.01.2019, 16:58 Uhr
Knochenjob bei eisiger Kälte: Während am Boden Rollen für die Aufnahme der alten Stromleitungen vorbereitet werden, bereiten Freileitungsbauer in Schwindel erregender Höhe die Masten der alten Überlandleitung für den Rückbau vor (kl. Bild).
Knochenjob bei eisiger Kälte: Während am Boden Rollen für die Aufnahme der alten Stromleitungen vorbereitet werden, bereiten Freileitungsbauer in Schwindel erregender Höhe die Masten der alten Überlandleitung für den Rückbau vor (kl. Bild). Foto: Ralph Schippers

Die Verständigung mit den Vorboten der Energiewende ist schwierig: Wenn überhaupt, reicht es nur zu ein paar Wörtern in gebrochenem Deutsch. Aber anpacken können sie, die Freileitungsbauer, die seit gestern in den Masten der 220-kV-Leitung herumklettern, die die Bauerschaft Sellen am äußersten westlichen Zipfel der Kreisstadt durchzieht. Ihre Aufgabe lautet Rückbau. Rückbau der bestehenden Hochspannungsleitung, damit diese später durch die neue 380-kV-Höchstspannungsleitung des Betreibers Amprion ersetzt werden kann. Nicht nur bei den derzeit herrschenden Wetterbedingungen ein echter Knochenjob.

Die Gleichstromleitung ist eines der ganz großen Projekte der Energiewende und soll den im Norden in den großen Off-Shore-Windparks erzeugten grünen Strom in die Industriezentren des Ruhrgebiets und des Niederrheins transportieren. Ende November haben die Abbau-Arbeiten auf dem Abschnitt Nordvelen-Wettringen begonnen. Bis Ende Januar haben sich die von Amprion beauftragten Arbeiter bis Steinfurt vorgearbeitet, um zunächst die alten Leitungen abzubauen. Ab dem Frühjahr folgen die Masten.

Gestern waren die Freileitungsbauer an den Masten beschäftigt, die südlich und nördlich der alten B 54 nahe der Höfe Wacker und Schlattmann stehen. Der Verkehr an der Landstraße wurde nicht beeinträchtigt. Schwieriger wird es, wenn die alten Leitungen, die über der neuen B 54 hängen, abgenommen werden. „Das wird voraussichtlich Ende Februar der Fall sein“, kündigte Amprion-Pressesprecher Jonas Knoop auf Anfrage an. Verkehrsbehinderungen sollen trotzdem weitestgehend vermieden werden. Amprion lässt extra ein Portal an der Übergangsstelle errichten. Es soll verhindern, dass Leitungen auf die Schnellstraße fallen.

Nach dem Leitungsabbau folgt die Abtragung der Masten. Circa 100 werden insgesamt auf dem 44 Kilometer langen Abschnitt zwischen Nordvelen und Wettringen aus dem Landschaftsbild verschwinden „Diese neuen Masten werden zwar höher, dafür von der Anzahl deutlich geringer, da wir zwischen den neuen Masten Abstände von bis zu 400 Metern realisieren können“, sagt Matthias Koordt, bei Amprion verantwortlich für den Freileitungsbau.

Der Abbau sei unabhängig vom derzeit laufenden Planfeststellungsverfahren für die neue Trasse zu sehen, betont Pressesprecher Knoop. Er sei auch deshalb unkompliziert, da die alte Leitung schon seit Jahren nicht mehr Strom führt, sondern nur noch als Ersatzleitung für den Fall diente, dass ein Netzausfall an anderer Stelle auftritt.

Amprion hofft, mit dem Bau der neuen Höchstspannungsleitung Ende diesen, spätestens jedoch Anfang kommenden Jahres beginnen zu können.

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