Ein ganz persönlicher Nachruf
„Ist das nicht ein feiner Kerl?“

Borghorst -

Seinen kleinen, blauen Kastenwagen parkte er immer direkt vor dem Haupteingang. Minuten später stand er in der Tür. Mal mit, mal ohne Handstock. Immer mit Baseballkappe auf dem Kopf. Nach der kurzen, einleitenden Frage „Na, Kollegen, alles mager und gesund?“ kam Max gleich zur Sache. „Hab‘ wieder was, komm‘ mal mit runter. . .“

Freitag, 15.02.2019, 18:24 Uhr
So kannte ihn ganz Borghorst: Max Lohmeyer im Dienste der Natur. Auf diesem Archivfoto zeigt er Kindern im Nabu-Lehmdorf einen ausgewachsenen Uhu.
So kannte ihn ganz Borghorst: Max Lohmeyer im Dienste der Natur. Auf diesem Archivfoto zeigt er Kindern im Nabu-Lehmdorf einen ausgewachsenen Uhu. Foto: Axel Roll

Schleiereule, Waldohreule, Waldkauz, Steinkauz, Mäusebussard, Habicht, Sperber, Korn- und Wiesenweihe, Wespenbussard, Wanderfalke, Turmfalke, Baumfalke Kernbeißer, Zaunkönig, einmal sogar einen Uhu, zwei Fledermäuse, einen Feuersalamander sowie die Puppen des Nashornkäfers – in den jetzt ziemlich genau 20 Jahren, in denen ich Max Lohmeyer kenne, gab es wohl keine seltene Spezies aus der heimischen Fauna, die mich nicht aus seiner grauen Transportkiste angeschaut hätte. Aufgegabelt hatte Max sie irgendwo im Münsterland. Als Greifvogelbeauftragter des Naturschutzbundes – mit erweiterten Kompetenzen – kam er weit rum.

Wir machten dann immer ein Foto von den bildschönen Tieren, Max erzählte die spannende Geschichte, wie der Lebendfund in seinen Kofferraum gelangt war – und schon war der Naturschützer auch schon wieder weg. Meist zum Tierarzt. Die Vögel waren in der Regel verletzt oder kurz vor dem Verhungern. Max päppelte sie in seiner Auswilderungsstation im Wilmsberger Busch auf. Später nahm ihm Monika Tuul diese Aufgabe ab.

„Ist das nicht ein feiner Kerl?“ Das war die Standardfrage, wenn Max seine Schützlinge für das Foto-Shooting in Position drehte. Er selbst wollte nie mit aufs Bild. Ihm ging es darum, die Menschen für die Natur zu begeistern. Und sie zu ermahnen: „Wenn wir so weitermachen, machen wir uns selbst kaputt.“

Ja, Max war ein knorriger Typ. Die Anekdote aus seiner Zeit als Wirt, als ihm die Jugendlichen den Spruch „Zum gräsigen Max“ auf die Schaufensterscheiben gemalt hatten, spricht Bände. Er war in der Sache aber um Ausgleich bemüht. Suchte das Gespräch mit den Jägern, die ja nicht in jeder Hinsicht die besten Freunde der Naturschützer sind. Für das Blühstreifen-Programm, gestern hier noch Thema, schaffte es Max sogar, Jäger, Naturschützer, Heimatfreunde, Imker und Landwirte an einen Tisch zu holen.

Das Bild von einem der letzten Originale einer Stadt wird oft bemüht. Bei Max Lohmeyer ist es so. Er hat über Jahrzehnte hinweg Borghorst geprägt. Wie nur wenige andere. Und die Menschen hier haben ihn dafür geachtet und geliebt.

Dass Max das letzte Mal mit seinem Kombi vor der Tür stand, ist jetzt schon ein Zeitchen her. Als es nicht mehr ging, rief er aber immer noch bei mir an, wenn Monika Tuul wieder ein attraktives Tierfindelkind in ihrer Pflegestation hatte. „Fahr doch mal vorbei.“ Lieber Max, fest versprochen, das mach‘ ich.

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