Schmink-Experiment
Alter Ego mit wallendem Haar

Burgsteinfurt -

In der Maske der Musical Company Steinfurt ist vieles möglich – das erfuhr WN-Redaktionsmitglied Ralph Schippers jetzt sozusagen aus erster Hand. Er ließ sich von Ensemblemitglied Daniel Lücke in sein Alter Ego verwandeln. Das Ergebnis ließ ihn aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.

Freitag, 01.03.2019, 22:00 Uhr
Musical-Company-Vorsitzender und Maskenbildner Daniel Lücke hat ganze Arbeit geleistet: Der Redakteur erkennt sich kaum wieder. Die Verwandlungsprozedur (Bilder oben) hat rund eine dreiviertel Stunde gedauert.
Musical-Company-Vorsitzender und Maskenbildner Daniel Lücke hat ganze Arbeit geleistet: Der Redakteur erkennt sich kaum wieder. Die Verwandlungsprozedur (Bilder oben) hat rund eine dreiviertel Stunde gedauert. Foto: Rainer Nix

Oha! Ist das wirklich mein Konterfei? Das Spiegelbild projiziert eine Mischung aus Dr. Jekyll, Mephisto und dem verrückten Professor in meine Augen. Keine Frage, die Verwandlung ist gelungen. Das „Elixier“, um im Bilde zu bleiben, hat gewirkt. Innerhalb von gut 50 Minuten hat sich der Redakteur, Anfang 50, in sein Alter Ego, mindestens zwei Dekaden älter, transformiert. Einzig bei den Haaren hat die künstlerische Freiheit ein Ergebnis erschaffen, womit nun nicht zu rechnen war.

In der Maske der Musical Company Steinfurt im Martin-Luther-Haus hat Daniel Lücke alle Register seines gestalterischen Könnens gezogen. Die Bandbreite der Utensilien, die das selbst ernannte „Mädchen für alles“ bei den Theaterspielern vorhält, um solch eine Wandlung zu vollziehen, ist groß. Fettschminke und Rouge als Grundmaterialien, natürlich Puder, aber auch spezielle Stifte, Dermatografen genannt, sowie einen hautfreundlichen Klebstoff, damit Schnurrbart, Augenbrauen und nicht zuletzt die Perücke richtig sitzen. Letztere ist das Prunkstück der Ausstattung, besteht zu 70 Prozent aus Echthaar, handgeknüpft, versteht sich. Gegenwert: Locker mal 1000 Euro. „Die heben wir an sicherer Stelle auf“, lacht Lücke, während er mit dem ersten Schritt eines jeden Maskenbildners beginnt: Die Vorbereitung der Haut des Probanden mit Fettschminke und Puder.

In meinem Fall mit ziemlich fahler Farbe, ich soll ja älter wirken. Nachdem die aufgetragen und angetrocknet ist, folgt die Faltenbehandlung. Nix mit „Anti“, sondern im Gegenteil „Pro“. Der leichte Knitteransatz um die Augen wird gnadenlos mit einem Spezialstift dunkel nachgezogen, ebenso die Rillen in der Stirn („Bitte runzeln!“). Eine ganz individuelle Prozedur erfährt hernach die Augenpartie. Die unteren Lieder werden rötlich eingefärbt, sodass es den Anschein hat, als ob die letzte Nacht eine wahrhaft durchzechte war. Zudem werden die Augenhöhlen insgesamt akzentuiert und die Konturen der Nase dunkel nachgezogen, sie wirkt so viel plastischer.

Als i-Tüpfelchen noch etwas Rouge auf die Nasenspitze und die Wangen, so verteilt, dass es wie ein paar geplatzte Äderchen aussieht. Na toll! Aber Lücke hat noch weitere „Gemeinheiten“ für seinen Schützling parat. Fachmännisch klebt er ihm eine Rosine an die Stirn, die so präpariert ist, dass sie wie ein Furunkel aussieht.

Der 30-Jährige hat schon seit Jugendzeiten ein Faible für die Maskenbildnerei. Seine autodidaktisch erworbenen Grundfertigkeiten hat er am Theater in Münster vervollkommnet. Dort ist er bei einem professionellen Kollegen sozusagen in die Lehre gegangen. Hinzu kamen Workshops zum Beispiel bei Messen. Von seinem Wissen profitieren auch die übrigen Ensemble-Mitglieder der Musical Company. Müssen sie auch. Erst recht, wenn man aufs neue Stück „Elixier“ schaut, das Ende März Premiere feiert (s. Kasten). „Sämtliche Akteure müssen in der Pause so geschminkt werden, dass sie 20 Jahre älter aussehen. Dafür bleiben nur 20 Minuten Zeit“, sieht Lücke eine „besondere Herausforderung“.

In meinem Fall tun wir uns diese Hektik nicht an. Nach gut einer dreiviertel Stunde läutet Lücke den Endspurt beim Projekt „Wie ich einmal den Redakteur alt aussehen ließ“ ein. Bart, Augenbrauen und, als Krönung des Ganzen, die Perücke werden aufgesetzt. Ein Dreiklang mit nachhaltiger Wirkung. Dann noch eine Nickelbrille aufgesetzt und ihm einen Gehstock verpasst – beides ist im Theater-Fundus Standardware – und der pensionierte Altredakteur ist Realität geworden.

Klar, dass ich so ausstaffiert flugs bei den zuvor nicht eingeweihten Kollegen in Borghorst und Burgsteinfurt vorbeischaue. Die Überraschung ist groß, als ich mich als neuer freier Mitarbeiter bewerbe. Allerdings fliegt die neue Identität schon bald auf. An der Stimme und an den Bewegungen muss ich wohl noch arbeiten. Ansonsten wird mir jedoch einiges an Schauspieltalent attestiert. Na ja, zum Mephisto wird‘s wohl nicht reichen!

Aber auch so bin ich ganz froh, dass die „Verjüngung“ in den Redakteur Anfang 50 wenig später im Martin-Luther-Haus problemlos klappt. Unter dem Strich war es eine ebenso interessante wie spaßige Aktion, bei der mich schon sehr beeindruckt hat, wie professionell in der Musical Company gearbeitet wird. Chapeau!

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