„Das Bagno im Wandel der Zeit“
Disneyland von einst wird lebendig

Burgsteinfurt -

Ägyptischer Turm, türkische Moschee, chinesischer Salon, Badehaus und Wasserspiele mit Kaskaden und Riesenfontäne – der Landschaftspark Bagno war in seiner Frühphase im 18. Jahrhundert eine Art Disneyland seiner Zeit. Zumindest ein Teil der einstigen Pracht wird jetzt in dem von der Videogruppe „Offener Kanal“ produzierten Filmbeitrag „Das Bagno im Wandel der Zeit“ wieder lebendig.

Freitag, 22.03.2019, 18:00 Uhr
Der Geograf und Ingenieur Le Rouge hat die Attraktionen im Bagno des ausgehenden 18. Jahrhunderts in Kupferstichen festgehalten – darunter auch die Große Kaskade. In der neuen Filmproduktion des „Offenen Kanals“ werden sie wieder lebendig.
Der Geograf und Ingenieur Le Rouge hat die Attraktionen im Bagno des ausgehenden 18. Jahrhunderts in Kupferstichen festgehalten – darunter auch die Große Kaskade. In der neuen Filmproduktion des „Offenen Kanals“ werden sie wieder lebendig. Foto: Repro: G. Hilgemann

Ägyptischer Turm, türkische Moschee, chinesischer Salon, Badehaus und Wasserspiele mit Kaskaden und Riesenfontäne – der Landschaftspark Bagno war in seiner Frühphase im 18. Jahrhundert eine Art Disneyland seiner Zeit. Das wundersame Paradies, hervorgegangen aus den Vorlieben der Grafen zu Bentheim und Steinfurt, ist längst Geschichte. Mit Ausnahme der Konzertgalerie gibt es nur noch wenige Überreste der einstigen Pracht. Umso stärker haben in der jüngeren Vergangenheit Publikationen Beachtung gefunden, in der der Versuch unternommen wurde, die Attraktionen und ihre Entstehung zu rekonstruieren. Zu den Standardwerken von Karl Döhmann, Hans-Walter Pries oder Wolfgang Lübbers gesellt sich nunmehr ergänzend ein neuer Beitrag, der sich eines anderen Vermittlungsmediums bedient. „Das Bagno im Wandel der Zeiten“ heißt der Film der dem Kulturforum angegliederten Videogruppe „Offener Kanal Steinfurt“.

Gut zwei Jahre haben die Akteure um den ehemaligen VHS-Chef Johannes Kluck recherchiert, gesichtet, gefilmt und aufbereitet, ehe sie ihr Werk über den landschaftlichen und kulturellen Anziehungspunkt zwischen Burgsteinfurt und Borghorst nun fertiggestellt haben und der Öffentlichkeit präsentieren wollen. Am 31. März (Sonntag) wird der Beitrag im Rahmen einer Matinée im Kino Steinfurt gezeigt.

„Wir hatten das immer schon vor“, sagt Kluck, der wie seine Mitstreiter Christel Sieland, Herbert Claaßen und Werner Wansing seit der Gründung 1996 zur Gruppe gehört. Die war von Beginn an sehr kreativ und ist es bis heute geblieben – trotz deutlicher Schrumpfungstendenzen. Vom Horstmarer Historienspiel über den Fluss Aa von der Quelle bis zur Mündung bis hin zu „650 Jahre Burgsteinfurt“ – sage und schreibe 34 Filme und Dokumentationen sind im Laufe der Zeit entstanden. Stets mit lokalem Bezug zu Steinfurt beziehungsweise seiner näheren Umgebung. Einmal in der Woche treffen sich die Mitglieder in ihrem Videoraum im Keller der Hohen Schule, sichten Material, schneiden Filme am PC oder tauschen sich ganz einfach aus. Dabei haben sie einen großen Wandel in der Filmtechnik mit vollzogen: „Von der VHS-Kassette bis zur digitalen Videokamera mit 4k-Auflösung haben wir alles durch“, lacht Herbert Claaßen. Er ist mit 91 (!) Jahren der älteste unter den Filmemachern.

Das über die Jahre erworbene Wissen hat das Quartett nun in den Bagno-Film einfließen lassen. Herausgekommen ist ein Werk, das in Schnitt und Vertonung nicht nur professionellen Ansprüchen genügt, sondern auch mit jeder Menge Informationen und manch Überraschendem über die Historie des Landschaftsparks aufwartet.

Zurückgegriffen haben die Filmemacher dabei vornehmlich auf Archivmaterial, das ihnen Bagno-Forscher Wolfgang Lübbers zur Verfügung gestellt hat. Den bekannten zeitgenössischen Kupferstichen des Ingenieurs und Geografen Le Rouge werden heutige Ansichten der Örtlichkeit gegenübergestellt. Auch werden ähnliche, an anderer Stelle noch heute existierende Anlagen gezeigt, die die einst im Bagno vorherrschende Pracht veranschaulichen sollen. Das Gardehaus von Schloss Sanssouci in Potsdam oder die Kaskaden im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel nennt Johannes Kluck als Beispiele.

Wieder herbeizaubern können die Filmemacher das einstige Steinfurter Disneyland damit zwar nicht – aber es zumindest wieder ein wenig lebendig werden lassen.

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Der Film „Das Bagno im Wandel der Zeiten“ der Videogruppe „Offener Kanal Steinfurt“ wird am 31. März ab 11 Uhr im Kino Steinfurt gezeigt. Der Eintritt beläuft sich auf drei Euro. Interessierte können den Film nach Ende der Vorführung als DVD erwerben. Kostenpunkt: zehn Euro.

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