Christopher Sheldon geht bei Modernisierungen in der ehemaligen Bleicherei Wilmsberg vorsichtig vor
Shabby Chic ist schwer zu erhalten

Borghorst -

Einfach rausreißen und neu machen wäre oft einfacher. Aber Christopher Sheldon will den rauen Charme der teilweise mehr als 100 Jahre alten Hallen der ehemaligen Bleicherei in Wilmsberg erhalten. Auf den steht auch sein neuester Mieter – ein niederländischer Fahrradhersteller.

Donnerstag, 28.03.2019, 16:31 Uhr aktualisiert: 29.03.2019, 14:06 Uhr
Unzählige E-Bike-Modelle können ab Montag in und vor der ehemaligen Bleicherei Probe gefahren werden. Christopher Sheldon (kl. Foto) achtet darauf, dass der Charme des Gebäudes erhalten bleibt.
Unzählige E-Bike-Modelle können ab Montag in und vor der ehemaligen Bleicherei Probe gefahren werden. Christopher Sheldon (kl. Foto) achtet darauf, dass der Charme des Gebäudes erhalten bleibt. Foto: Bernd Schäfer

Noch sieht es in der ehemaligen Kock-Bleicherei in Wilmsberg aus, wie auf einer Baustelle. Die Handwerker müssen sich sputen – schon am kommenden Montag soll hier das E-Bike-Testcenter eines großen niederländischen Fahrradherstellers eröffnet werden.

Als Eigentümer des Industriekomplexes sorgt Christopher Sheldon dafür, dass für die Eröffnung alles in neuem Glanz erstrahlt. Wobei das eigentlich der genau falsche Ausdruck ist. Neu soll hier nur wenig aussehen, das in Teilen schon über 100 Jahre alte Gemäuer soll ja gerade seinen rustikalen Charme behalten, der heute gerne „Shabby Chic“ genannt wird. „Sie wollten genau diesen toughen Look“, sagt Sheldon über das Unternehmen, das das „Experience-Center“ eröffnen will. Das ist durchaus auch in seinem eigenen Sinn, denn seit er die Hallen, in denen früher Stoffe gebleicht wurden, gekauft hat, versucht er möglichst viel von ihrer Substanz zu erhalten.

Und das ist oft gar nicht so einfach – geschweige denn billig. Wie bei den Heizgebläsen, denen die Hitze früher als Dampf zugeführt wurde: Von der Wand reißen und moderne Heizkörper installieren, wäre die einfachste Lösung gewesen. Aber Sheldon wollte die Optik der Industriehalle erhalten. Jetzt werden die Jahrzehnte alten Gebläse vom Wasserkreislauf der Zentralheizung gespeist – durch verzinkte Metallrohre statt durch moderne Kunststoffleitungen.

„Manchmal muss ich mir bei den Handwerkern die Lippen fusselig reden, um die alte Technik zu erhalten.“

Aus Metall sind auch die Leerrohre für Strom- und Datenleitungen, passend zum Charakter der alten Hallen eben. Und selbst die neue Eingangstür zum Testcenter ist nicht aus Kunststoff, sondern eigens aus Eichenholz angefertigt.

Mit ebenso viel Liebe zum Detail ist der Büroraum am Ende der Indoor-Teststrecke eingebaut worden: Die gläsernen Wände sind als Sprossenfenster gebaut, wie für das Büro eines Werkleiters vor 100 Jahren. Sogar die Lampen, die wie originale Industrieleuchten aussehen, haben es in sich: Sie nutzen moderne LEDs als Leuchtmittel, deren Farbtemperatur auf die von natürlichem Außenlicht eingestellt ist. „Es ist schwierig, das Alte so zu bewahren, dass es nicht kitschig oder gammelig wirkt“, weiß Sheldon.

Gut 100 Elektrofahrräder in allen Formen und Farben sind schon angeliefert und warten darauf, ab nächste Woche im Testcenter Probe gefahren zu werden, bei schlechtem Wetter auf einem Indoor-Rundkurs, bei gutem auf einer eigens angelegten Außenstrecke. Von den Besuchern des Centers erhofft Sheldon sich auch einen Nutzen für die ganze Stadt: Das Einzugsgebiet betrage etwa 150 Kilometer, demnach können Leute aus dem ganzen Münsterland, dem Osnabrücker Raum und dem Ruhrgebiet angelockt werden. „Die gehen dann hoffentlich anschließend auch noch in die Stadt.“

Kaufen kann man die Räder in dem neuen Testcenter übrigens nicht: das bleibt den lokalen Händlern vor Ort vorbehalten.

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