Laurenz Wiggelinghoffs Mission
Rebhühner zurück auf die Äcker

Borghorst -

Laurenz Wiggelinghoff hat sein Ziel klar definiert: Er möchte sich für den Schutz der Rebhühner einsetzen. Die Tiere sind stark bedroht, im Kreis Steinfurt schließen sich mittlerweile Jäger, Bauern und Naturschützer zusammen.

Freitag, 29.03.2019, 10:00 Uhr
Laurenz Wiggelinghoff kann es kaum glauben: Gerade erst hat er den Rebhahn-Ruf vom Handy abgerufen, schon gibt es Antwort aus der Wiese.
Laurenz Wiggelinghoff kann es kaum glauben: Gerade erst hat er den Rebhahn-Ruf vom Handy abgerufen, schon gibt es Antwort aus der Wiese. Foto: Axel Roll

Das klappt ja wie verrückt. Laurenz Wiggelinghoff lässt den Rebhahn von seinem Smartphone via Bluetooth-Lautsprecherbox vier-, fünf Mal sein heiseres „Kerrick“ in die Dumter Dämmerung rufen. Und schon bekommt der paarungswillige Bräutigam vom Band wütende Antwort aus der noch kurz gewachsenen Wiese. „Kerrick, kerrick“, was in etwa so klingt wie eine knarrende, ungeölte Tennentür und in diesem Fall übersetzt in etwa heißen soll: „Mach dich vom Acker, hier ist mein Revier.“ Die Rufe sind selten geworden, nicht nur in Steinfurt. Wiggelinghoff hat deswegen eine Mission.

Sekunden später flattert der gefiederte Platzhirsch im Konturenflug an seinem digitalen Konkurrenten in sicherem Abstand vorbei, um dann in einer Wiesenfurche abzutauchen. „So schnell habe ich noch nie Antwort bekommen“, wundert sich Wiggelinghoff und schaltet die Endlosschleife vom Handy auf stumm – schließlich will er dem aufgescheuchten Freier weitere Aufregung ersparen.

Tiere aus der Deckung locken

Die Rebhahn-Stimme über Lautsprecher hat nämlich nur einen Zweck: Lebende Exemplare der mittlerweile äußerst seltenen Art aus ihrer Deckung zu locken. So weiß Laurenz Wiggelinghoff: Hier auf dieser Wiese gibt noch Rebhühner.

Dieser Nachweis ist dem engagierten Naturschützer in Steinfurt bislang nur zweimal gelungen. Auf vielen Wiesen und Feldern bleibt das Rufen vom Handy ungehört. Bislang konnte er nur in Dumte zwei Familien entdecken. Was ist in Sellen und Ostendorf, wo es noch vor zwei Jahren „Kerrick“-Rufe gegeben hat? Fehlanzeige.

Einsatz zum Schutz der Rebhühner

Das soll anders werden. Laurenz Wiggelinghoff hat sich vor eineinhalb Jahren auf eine Mission begeben, die keine einfache ist. „Ich möchte Landwirte, Jäger und Naturschützer an einen Tisch bringen, damit wir gemeinsam etwas zum Schutz der Rebhühner unternehmen“, erläutert der pensionierte Lehrer sein selbst- und hochgestecktes Ziel. Dafür leistet er durch Vorträge, aber auch bei vielen Einzelgesprächen Überzeugungsarbeit. In der vergangenen Woche war er beim Naturschutzbund, nächste Woche spricht er vor der Jägerschaft. Als fachlicher Mentor hilft dem 68-Jährigen Dr. Eckhard Gottschalk von der Universität Göttingen, mit dem Wiggelinghoff in engem Austausch steht.

Die Idee, sich für die Rebhühner ins Zeug zu legen, gärt in dem gebürtigen Warendorfer, der seit 38 Jahren in Dumte lebt, schon lange. „Als das Rebhuhn 1991 Vogel des Jahres wurde, habe ich zum ersten Mal darüber nachgedacht“, erinnert sich Wiggelinghoff. Inzwischen geht ein Großteil seiner Freizeit für das Projekt drauf. Die ersten Erfolge sind sichtbar.

Blühstreifen helfen am Besten

Bei seinem Vortrag beim Nabu saßen in der Tat alle an einem Tisch. Jäger, Bauern und Naturschützer – und diskutierten mit Sachlichkeit die Problematik. Am Ende versprach ein Landwirt, nicht nur einen Blühstreifen anzulegen, wie es sich Wiggelinghoff zu Beginn seines Vortrages gewünscht hatte, sondern gleich mehrere.

Diese unbeackerten Zonen, im Idealfall wenigstens 20 Meter breit, helfen den Rebhühnern am besten. „Dort können sie ihre Jungen großziehen sowie Deckung und Nahrung finden“, weiß Wiggelinghoff. Darum will er die Bauern überzeugen, derartige Blühstreifen anzulegen.

Fuchs als größter Feind

Der größte Feind des Rebhuhns aus dem Tierreich ist nach Expertenmeinung der Fuchs – gefolgt von streunenden Hunden.

Zum Thema

Der Bestand des Rebhuhns ist in den vergangenen 40 Jahren in Deutschland um über 90 Prozent geschrumpft. Fehlende Lebensräume, die intensive Landwirtschaft, der Rückgang der Insekten, der Fuchs, das Freizeitverhalten der Menschen – Gründe für die dramatische Entwicklung gibt es viele. In einem Lebensraum mit Feldern, Hecken und Büschen fühlen sich die Tiere besonders wohl. Wald mögen sie nicht so sehr, dafür aber Kartoffel-, Rüben- oder Kohlfelder.

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